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Amokfahrt in Trier: Was bisher bekannt ist
Lokales 3 Min. 02.12.2020

Amokfahrt in Trier: Was bisher bekannt ist

Polizei in der Trierer Innenstadt: Bei einer Amokfahrt am Dienstagnachmittag kamen fünf Menschen ums Leben.

Amokfahrt in Trier: Was bisher bekannt ist

Polizei in der Trierer Innenstadt: Bei einer Amokfahrt am Dienstagnachmittag kamen fünf Menschen ums Leben.
Foto: AFP/Jean-Christophe Verhaegen
Lokales 3 Min. 02.12.2020

Amokfahrt in Trier: Was bisher bekannt ist

Jörg TSCHÜRTZ
Jörg TSCHÜRTZ
Die Moselstadt im Ausnahmezustand: Ein Täter ist am Dienstagnachmittag mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren. Was wir wissen – und was nicht.

Die Tat: Am Dienstag ab 13.47 Uhr gingen bei der Polizei in Trier mehrere Notrufe ein; in der Innenstadt soll ein Autofahrer in eine Menschenmenge gefahren sein. 

Laut Polizei fuhr der Täter in einem Geländewagen in Schlangenlinien durch die Fußgängerzone zwischen Konstantinstraße und der Porta Nigra – eine Strecke von etwa 900 Metern. Der Täter sei gezielt vorgegangen und „Zickzacklinien“ gefahren, um Leid zuzufügen, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstagabend bei einer Pressekonferenz.  

Die Opfer: Fünf Menschen wurden getötet: Zwei Frauen im Alter von 25 und 73 Jahren, ein Mann im Alter von 45 Jahren sowie sein neun Wochen altes Kind starben am Tatort. Eine weitere Frau, 52 Jahre alt, verstarb am Dienstagabend. Drei Opfer schwebten in der Nacht zum Mittwoch noch in Lebensgefahr, elf weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Die Mutter des toten Babys sowie ihr anderthalb Jahre alter Sohn befinden sich laut Polizeiangaben im Krankenhaus.

Anmerkung: Die Polizei hat in ihrem Abschlussbericht am späten Dienstagabend das Alter des toten Babys korrigiert, die vorherige Altersangabe von neun Monaten war falsch. 

Durch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte konnte noch schlimmeres Leid verhindert werden.
Durch das rasche Eingreifen der Einsatzkräfte konnte noch schlimmeres Leid verhindert werden.
Foto: Chris Karaba

Der Einsatz: Weil die Einsatzkräfte rasch mit mehreren hundert Helfern vor Ort waren, konnte wahrscheinlich noch schlimmeres Leid verhindert werden. Innerhalb von vier Minuten konnte der Täter festgenommen werden. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe lobte die Zusammenarbeit in der Grenzregion: Kliniken aus Luxemburg, Saarbrücken und Metz hätten sofort nach Bekanntwerden der Geschehnisse Hilfe angeboten. Der CGDIS schickte vier Rettungswagen, einen Notarzt und zwei Rettungshubschrauber der Luxembourg Air Rescue nach Trier.

Der Täter: Bei dem Beschuldigten handelt es sich um einen 51-jährigen Deutschen, der in Trier geboren wurde, aber zuletzt über keinen festen Wohnsitz mehr verfügte. Er hatte in den Tagen vor seiner Zickzackfahrt durch die Altstadt von Trier offenbar im späteren Tatfahrzeug geschlafen. Den Geländewagen, einen grauen Land Rover Freelander 2, hatte ihm ein Bekannter zur Verfügung gestellt. Dieser sei jedoch in die Geschehnisse am Dienstagnachmittag nicht involviert gewesen, betonte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz im Trierer Rathaus. 

Der Mann war nicht vorbestraft. Die Justiz geht nach einer ärztlichen Erstuntersuchung davon aus, dass der Mann an einer psychischen Erkrankung leiden könnte. Zum Zeitpunkt der Tat war er alkoholisiert, sein Atemalkoholwert betrug 1,4 Promille.


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Die konkreten Vorwürfe: Gegen den 51-Jährigen wird wegen Mordes in vier Fällen und gefährlicher Körperverletzung in einer ganzen Reihe weiterer Fälle ermittelt. „Wir gehen davon aus, dass er bei dem Angriff in der Innenstadt heimtückisch handelte, das Fahrzeug als Waffe benutzt hat und deshalb mit gemeingefährlichen Mitteln handelte“, sagte Oberstaatsanwalt Peter Fritzen.

Die Tatorte: Die Attacke begann laut Angaben der Behörden in der Konstantinstraße und endete in der Christophstraße, unweit der Porta Nigra. Dort hätten die Einsatzkräfte das Tatfahrzeug „stehend vorgefunden, den Fahrer angesprochen und ihn festgenommen“, so Triers Polizeichef Franz-Dieter Ankner. In der Fußgängerzone waren zum Zeitpunkt der Tat mehrere hundert Passanten unterwegs. „Überall sind Menschen völlig panisch und planlos umhergelaufen“, schilderte eine Augenzeugin die dramatischen Minuten.

Was wir nicht wissen

Das Motiv: Über die Beweggründe des mutmaßlichen Täters gibt es noch keine gesicherten Angaben – er wurde am Dienstagabend noch einvernommen. Die Staatsanwaltschaft schloss jedoch aus, dass der Täter aus politischen, terroristischen oder religiösen Motiven gehandelt hat. Hinweise auf weitere Täter gibt es derzeit nicht.  

Die Festnahme: Unklar ist auch, warum der Mann selbst mit dem Wagen in der Christophstraße stehen blieb, bevor ihn die Polizei festnahm. Auch dass der 51-Jährige den Geländewagen von einer anderen Person zur Verfügung gestellt bekam, wirft Fragen auf. Die Behörden betonten jedoch, dass der Fahrzeugbesitzer nichts mit den Geschehnissen in der Innenstadt zu tun hatte. 

Die Polizei Trier hat ein Hinweistelefon geschaltet. Wer Fragen oder HInweise zur Tat hat, kann sich unter +49651-9779-2480 direkt an die Ermittler wenden. 

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