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Amber Alert: Großalarm bei Kindesentführung
Lokales 3 Min. 28.04.2016

Amber Alert: Großalarm bei Kindesentführung

So könnte eine Vermisstenmeldung auf einer Anzeigetafel in einem Bus aussehen.

Amber Alert: Großalarm bei Kindesentführung

So könnte eine Vermisstenmeldung auf einer Anzeigetafel in einem Bus aussehen.
Screenshot: www.amberalert.eu
Lokales 3 Min. 28.04.2016

Amber Alert: Großalarm bei Kindesentführung

Michel THIEL
Michel THIEL
Seit Donnerstag ist "Amber Alert", ein neues Alarmsystem bei Kindesentführungen, in Luxemburg aktiv. Die zuständigen Minister rufen nun die Bevölkerung dazu auf, das System zu nutzen.

(mth) - Die neue "Amber Alert"-Infrastruktur der Luxemburger Polizei ist ab Donnerstag aktiv. Das System soll es ermöglichen, im Fall einer mutmaßlichen Kindesentführung, bei der von einer akuten Gefährdung des Opfers auszugehen ist, schnell und auf breiter Front die Bevölkerung zu alarmieren. So soll gewährleistet werden, dass kritische Informationen, die zur Rettung des Kindes führen können, in kürzester Zeit an die Ordungshüter weitergeleitet werden.

Das System, das seit einigen Jahren in den USA, Kanada und mehreren EU-Staaten existiert, ermöglicht es im Ernstfall, Vermisstenmeldungen oder Fahndungsaufrufe auf öffentlichen Anzeigetafeln oder via Internet zu verbreiten. In Luxemburg werden die Alarmbotschaften beispielsweise auf den Cita-Anzeigetafeln auf Autobahnen, sowie auf öffentlichen Informationsbildschirmen auf Bahnhöfen, in Bussen oder Zügen, auf dem Flughafen Findel sowie in Verwaltungen und Gemeinden angezeigt werden.

Die meisten größeren Medien in Luxemburg, darunter das "Luxemburger Wort", werden die Informationen zudem über ihre eigenen Webseiten und mobilen Apps verbreiten. Zusätzlich können sich Bürger auf der Webseite www.amberalert.lu informieren oder anmelden, um die Alarmbotschaften via E-Mail zu empfangen. Die wichtigsten Telekommunikationsprovider sowie Betreiber von sozialen Netzwerken können die Botschaften ebenfalls direkt an ihre Kunden weiterleiten.

Nutzen im Ausland unter Beweis gestellt

Justizminister Félix Braz, der am Donnerstag zusammen mit der für Polizei und innere Sicherheit zuständigen Staatssekretärin Francine Closener beim Start der Plattform anwesend war, unterstricht die Wichtigkeit des neuen Systems: "Erfahrungen im Ausland haben gezeigt, dass bei Fällen von Kindesentführung die ersten Stunden nach dem Verschwinden des Opfers entscheidend sind." Mit Amber Alert könne gewährleistet werden, dass ein möglichst großer Teil der Bevölkerung in kürzester Zeit alarmiert werde und Informationen, die zur Rettung des Kindes beitragen könnten, schnell an die Polizei weitergeleitet würden.

Das System habe sich im Ausland bereits mehrfach bewährt. Im niederländischen Rotterdam hätte beispielsweise 2009 ein entführter Junge von der Polizei gerettet werden können, nachdem via Amber Alert ein Fahndungsaufruf nach dem Wagen des mutmaßlichen Entführers verbreitet worden sei.

Braz stellte zudem klar, dass das System prinzipiell für kritische Ausnahmefälle vorbehalten bleiben werde, bei denen die Befürchtung besteht, dass das Leben des entführten Kindes unmittelbar bedroht ist: "Nur so können wir sicherstellen, dass die beabsichtigte hohe Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erreicht wird. Ein solches System würde an Wirksamkeit verlieren, falls es zu häufig eingesetzt wird".

Ein Fall alle fünf Jahre

Das System unterscheidet zwei unterschiedliche Alarmstufen: normale Vermisstenaufrufe und Fälle, in denen ein Großalarm auf breiter Ebene ausgelöst wird. Félix Braz sagte, man gehe aufgrund von Hochrechungen aus den Niederlanden davon aus, dass man alle vier bis fünf Jahre mit einem Alarm der Höchststufe zu rechnen sei.

Die Entscheidung, ob ein Alarm ausgelöst wird, unterliegt der zuständigen Staatsanwaltschaft. In einem gesonderten Raum im Polizeihauptquartier in Findel werden dann sämtliche Informationen entgegengenommen, eingeschätzt und gegebenenfalls an die Einsatzkräfte der Polizei weitergeleitet. Um dies zu erleichtern, ist das Krisenzentrum direkt neben der Notrufzentrale der Polizei angesiedelt.

Der Namen "Amber" geht auf den Vornamen der 9-jährigen Amber Hagerman zurück. Das Mädchen aus Texas war 1996 entführt und ermordet worden. In der Folge des Falles, der bis heute nicht aufgeklärt wurde, war das Alarmsystem zunächst in den USA aufgebaut worden. Zudem steht Amber als Kürzel für "America's missing: Broadcast Emergency Response".


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