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Am Wangert: Streit um Straßenumgestaltung
Lokales 4 3 Min. 11.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Am Wangert: Streit um Straßenumgestaltung

Die Montée du Wangert ist ein ehemaliges Arbeiterviertel mit engen Straßen und schmalen oder keinen Bürgersteigen.

Am Wangert: Streit um Straßenumgestaltung

Die Montée du Wangert ist ein ehemaliges Arbeiterviertel mit engen Straßen und schmalen oder keinen Bürgersteigen.
Foto: Diana Hoffmann
Lokales 4 3 Min. 11.12.2019 Aus unserem online-Archiv

Am Wangert: Streit um Straßenumgestaltung

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Die Differdinger Gemeinde möchte die Montée du Wangert und die Montée Oberwangert für drei Millionen umgestalten. Nicht allen Bürgern gefällt das Projekt.

Der kleine Saal des früheren Cafés auf Nummer 21, Montée du Wangert ist zum Bersten gefüllt. Mehr als 30 Personen haben sich an einem Samstagmorgen in dem Lokal eingefunden. Die Anwesenden stammen aus der Montée Oberwangert oder der Montée du Wangert und sind verärgert.

Ihr Unmut gilt dem Schöffenrat von Differdingen und einem neuen Konzept, das für ihre Straßen in Planung ist. Dieses will die Stadt sich drei Millionen Euro kosten lassen. Doch seit fast anderthalb Jahren bleibt die Einigung über den Fortgang des Projektes aus.

Die beiden Straßen, mit etwa 80 Häusern und Mehrfamilienhäusern, sind renovierungsbedürftig, das ist klar. Der Asphalt und die darunterliegenden Gasleitungen aus dem Jahr 1980 müssen erneuert werden. Im Zuge dessen möchte die Gemeinde auch alle anderen Infrastrukturen, wie Gas, Wasser und Elektrizität, ersetzen.

Angst vor fehlenden Parkmöglichkeiten

So weit klingt das alles ganz verlockend, könnte man denken – steigert eine schöne Straße doch die Lebensqualität der Anwohner. Genau bei dem Thema ist jedoch der Streit entbrannt. Lebensqualität bedeutet für die Anwohner auch, Parkmöglichkeiten im Viertel zu haben. „Im Moment gibt es 100 Parkplätze. Nach Erneuerung der Straße sollen es 42 sein“, erklärt Anna Ruscitti, eine Einwohnerin, während der Versammlung.


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Das neue Projekt beinhaltet außerdem, dass beide Straßen Einbahnstraßen werden, mit durchgehenden Bürgersteigen und Bäumen – die es bis dato dort nicht gibt.

Dass die Bürger die Neugestaltung ihrer Straßen so lange blockieren konnten, liegt an der Besonderheit des rund 100 Jahre alten Viertels. Abschnitte der Straße und des Bürgersteigs, von einer Größe zwischen einem und 20 Quadratmetern, gehören nämlich ihnen. Die Gemeindeverantwortlichen hoffen, dass diese an die Stadt abgegeben werden, damit mit den Arbeiten begonnen werden kann. Doch mit dieser Forderung haben sie die Rechnung ohne die Anwohner gemacht.

„Das neue Konzept ist nicht durchdacht“, sagt Fred Heinen, der in dem Viertel lebt. „Wir wollen keine Bäume, der Wald ist direkt am Ende der Straße.“ Wenn die gesamte Parkreihe auf die andere Straßenseite verlegt werde, wie in den Plänen vorgesehen, würde so manch einer sehr manövrieren müssen, um noch aus seiner Garage zu kommen, meint er. Die Bäume würden die Straße nur noch enger machen und hindern.

Einigung mit einem Drittel der Anwohner

Anders sieht das Bautenschöffe Tom Ulveling (CSV). Die Bäume sollen dorthin kommen, wo niemand parken soll. An unübersichtlichen Punkten, wie etwa in Kurven. „Wir wollen nicht ihre Garageneinfahrt oder ihren Vorgarten“, betont er. „Lediglich ein Stück der Straße oder des Bürgersteigs.“ Er versteht nicht, wieso die Anwohner nicht bereit sind, auf diese zu verzichten, um so einen Mehrwert für alle zu schaffen.

Darüber hinaus würde es bei dem Projekt nicht nur 40 Parkplätze geben, sondern 55 sowie zwei Plätze für Personen mit eingeschränkter Mobilität. Eine Reduzierung der Plätze sei nötig, damit etwa der Müllwagen durchkomme.


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Der Oppositionspolitiker Erny Muller (LSAP) versteht die Sorge der Betroffenen. „Die Gemeinde bietet den Anwohnern lediglich an, im neuen Parkhaus Stellplätze zu erhalten. Dieses ist jedoch etwa 400 Meter entfernt.“ Er schlägt vor, zu prüfen, ob Grundstücke im Viertel erworben werden können, um Parkmöglichkeiten zu schaffen. Ein ökologischer Parkplatz am Ende der beiden Straßen kann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht gebaut werden, da es sich um eine Natura-2000-Zone handelt.

Anwohner können sich im Gemeindehaus informieren

Tom Ulveling unterstreicht, dass viele Falschinformationen kursieren würden. Betroffene könnten jederzeit ins Gemeindehaus kommen, wo sie Antworten auf ihre Fragen erhalten. Mit einem Drittel der Anwohner ist bereits eine Einigung gefunden. Die Stadt sei jedoch nicht bereit, die besagten Grundstücksteile abzukaufen. Aber sie sei bemüht, einen Kompromiss zu finden.

Die Opposition bemängelt, der Schöffenrat gehe nicht auf die Sorgen der Bürger ein. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Roberto Traversini (Déi Gréng) war bereits eine Einigung gefunden worden: Die Straße und die Infrastrukturen sollten lediglich restauriert werden. Nun zielt der Schöffenrat darauf ab, sein Projekt zu realisieren. Solange es zu keiner Einigung kommt, wird also nichts unternommen werden.

Viele Haustüren führen direkt auf die Straße.
Viele Haustüren führen direkt auf die Straße.
Foto: Diana Hoffmann