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Am Ende der Kapazitäten
Lokales 3 Min. 25.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Bauschuttdeponien

Am Ende der Kapazitäten

Die Bauschutt Bauschuttdeponie in Colmar Berg.
Bauschuttdeponien

Am Ende der Kapazitäten

Die Bauschutt Bauschuttdeponie in Colmar Berg.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 3 Min. 25.08.2016 Aus unserem online-Archiv
Bauschuttdeponien

Am Ende der Kapazitäten

Jacques GANSER
Jacques GANSER
In zehn bis 15 Jahren wird Luxemburg keine Deponiekapazitäten für Bauschutt mehr haben. Trotzdem wird mit hoher Kadenz weiter gebaut und gebaggert. Mehr Deponien und besseres Planen sind die einzigen Mittel, um gegenzusteuern.

Von Jacques Ganser

Es wird gebuddelt und gebaut im ganzen Lande, zwischen 300 und 900 Hektar Land werden jedes Jahr verbraucht. Dabei entstehen enorme Mengen an Erdaushub, sauberer Boden, der meistens weggebracht werden muss. Aber wohin damit? Elf Deponien zählt Luxemburg, in Hosingen, Nothum, Folkendange, Colmar-Berg, Brouch, Schotterwerke Moersdorf, Bridel, Strassen, Gadderscheier, Altwies und Remerschen-Schengen. Einige sind nur phasenweise geöffnet, weil es sich um Steinbrüche handelt, die nach und nach verfüllt werden. Andere , wie jene in Strassen, sind bereits jetzt nach zwei Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen.

In Strassen können insgesamt bis zu 4,4 Millionen Aushub gelagert werden. „Hier wird spätestens Anfang 2017 Schluss sein, so Paul Faber, Administrator der Firma „Recyma“ welche insgesamt vier Deponien betreibt. „Es ist nicht erst fünf vor zwölf, sondern bereits fünf nach zwölf, so Faber. Ende des Jahres werden uns Deponiekapazitäten von 15.000 Tonnen täglich fehlen. Das Problem besteht seit Jahren, es ist nur der Kreativität der Unternehmer zu verdanken, dass das System noch nicht komplett zusammengebrochen ist. Wir brauchen permanent in sämtlichen Regionen eine funktionierende Bauschuttdeponie, wenn wir Kosten und lange Anfahrtswege verhindern wollen.“ Ein Transport ins Ausland steht für Faber wegen der Kostenfrage nicht zur Debatte.

Noch 10 bis 15 Jahre

10 bis 15 Jahre Kapazität stünden wohl noch zur Verfügung, heißt es aus dem Nachhaltigkeitsministerium. Dort ist man sich der Problematik wohl bewusst. Zum eine soll eine großangelegte Studie ermitteln, wo noch potenzielle Deponiestandorte zu finden sind. Ziel und Zweck ist das Anlegen eines Deponienetzes, welches der Bauwirtschaft langfristige Planung und kompetitives Arbeiten erlaubt. Des weiteren laufen Planungen, um bestehende Deponien auszubauen. Allerdings ist man sich auch hier bewusst, dass es davon höchstens eine Hand voll gibt. Dann ist Schluss. Naturschutzauflagen, geografische Lage, Verfügbarkeit des Geländes, Impakt auf die Anwohner und schließlich die Verkehrsanbindung schränken die Zahl der möglichen Standorte drastisch ein.

Die Deponie „Pafewee“ in Sassenheim war hingegen ein Glücksfall nachdem die Deponie in Monnerich wegen des Erdrutsches geschlossen werden musste. Es ist nicht davon auszugehen, dass diese jemals wieder in Betrieb gehen soll. Eine alternative Möglichkeit ist verändertes Planen und Bauen. Hier stehen in erster Linie auch die Gemeinden in der Verantwortung. Dichteres und höheres Bauen mit weniger Landverbrauch, weniger Unterkellerung und weniger unterirdische Parkplätze. 2015 veröffentlichte das Nachhaltigkeitsministerium eine Broschüre mit alternativen Vorschlägen. In ersterLinie geht es dort um das Vermeiden von Bauschutt.

Anders bauen

“Die Landesfläche ist begrenzt und die Bautätigkeit hoch: wir müssen daher anders bauen, wenn wir ernsthaft die Bauschuttmenge reduzieren wollen. Mehr in die Höhe, statt immer weiter in die Tiefe“, so Camille Gira, Staatssekretär für nachhaltige Entwiclung und Infrastruktur. Doch paul Faber bleibt eher skeptisch: „Dazu müssten aber erst eine ganze Reihe von Bautenreglements abgeändert werden. Das wird nicht von heute auf morgen passieren“. Vorgeschlagen werden Bebauungspläne, die genau festlegen, wie Erdaushub vor Ort verarbeitet wird.

Zudem sollen Flächen dichter bebaut werden, auch wenn hier noch viel Überzeugungsarbeit beim Bürger zu leisten sein wird. Unterirdische Parkplätze könnten nach niederländischem Vorbild auf's Dach der Gebäude wandern, alleine dadurch könnten bis zu 27.000 Lastwagenladungen Bauschutt eingespart werden.

„Alles gut und schön,“ so Paul Faber, „aber das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Projekt wie der neue Supermarkt in Esch/Lallingen produziert eine halbe Million Tonnen Bauschutt, das sind 25.000 Lastwagenladungen. Jeder will gerne gemütlich einkaufen, aber dann muss man auch an die Konsequenzen denken.“ Allgemein hängt die Entwicklung der Bauschuttmengen sehr stark von einzelnen Großprojekten ab, auch die Konjunktur spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Die Planung wird deshalb auch künftig ein schwieriges Unterfangen bleiben.


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