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Am Anfang stand ein kleiner Hopser
Das Luxemburger Luftfahrtmuseum im Mondorfer Park lässt die Geschichte der Fliegerei lebendig werden.

Am Anfang stand ein kleiner Hopser

Foto: Chris Karaba
Das Luxemburger Luftfahrtmuseum im Mondorfer Park lässt die Geschichte der Fliegerei lebendig werden.
Lokales 9 3 Min. 09.04.2018

Am Anfang stand ein kleiner Hopser

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Drei Monate war die Ausstellung geschlossen. Jetzt erzählen neue Schautafeln von mutigen Pionieren und ihren fliegenden Kisten.

Wenn Gaston Kohn in Schwung kommt, merkt man ihm die Begeisterung über die Fliegerei an. Vor allem über die Fliegerei aus früheren Zeiten, als von Hektik noch nicht viel zu spüren war und ein Flugzeug ein Synonym von grenzenloser Freiheit war.

Kohn, ehemaliger Instrukteur des Fliegerclubs Avialux, wandert durch die Ausstellung des Flugmuseums in Bad Mondorf. Nach einer Renovierungspause von drei Monaten hat das Museum seit Ostern nun wieder geöffnet. Kohn, der diese Woche 67 Jahre alt wird, spricht mit Respekt über die Luftfahrtpioniere der Anfangszeiten vor dem Ersten Weltkrieg, als die Flugzeuge noch wackelige Konstruktionen aus Holz und lackiertem Stoff waren.

Wiege der Luftfahrt in Luxemburg

„Mondorf ist die Wiege der Luftfahrt in Luxemburg“, sagt Kohn und deutet auf ein Bild von Jacques Wiesenbach. Der Mechaniker aus Diekirch ist der erste Luxemburger, der einen Flugversuch unternommen hat – auf einer Wiese in Mondorf. Er stand in Diensten des Mondorfer Unternehmers Charles Bettendorf, Besitzer einer Mineralwasserquelle, der mit Begeisterung die neue Technik förderte und sich eine „Voisin Standard“, das erste funktionsfähige europäische Flugzeugmodell, zulegte. Als Pilot kann man Jacques Wiesenbach freilich nicht bezeichnen. Er hatte nie eine Fluglizenz erworben und sein Verhältnis zu dem Flugzeug seines Chefs war offenbar von ängstlicher Skepsis geprägt. Bei der ersten Flugwoche in Mondorf drückte er sich jedes Mal davor, die „Voisin“ zu fliegen, bis ihn Bettendorf schließlich entließ.

Letztendlich zahlte sich die Vorsicht für Jacques Wiesenbach schließlich aus. Sein wesentlich mutigerer Bruder, ein ausgebildeter Pilot und Flugpionier, half im Kaiserreich Österreich-Ungarn mit, eine Luftwaffe aufzubauen. Er starb mit 31 Jahren bei einem Absturz, während Jacques 83 Jahre alt wurde.

Gaston Kohn, der als Kurator für die Ausstellung im „Fligermusée“ zuständig ist, deutet auf die Schautafeln, die die Geschichte der Luftfahrt in Luxemburg ins Bild setzen. Sie stehen erst seit einigen Tagen im Erdgeschoss des Kind-Pavillons. „Die Tafeln haben wir uns viel Geld kosten lassen“, sagt Kohn. Das Erdgeschoss wirkt nun aufgeräumter und der Besucher kann die Schlüsseljahre der Luxemburger Fliegerei von 1909 bis heute bei einem Rundgang erkunden. René Thill und Rol Schleich haben den Parcours konzipiert.

Der ganze Stolz von Gaston Kohn ist im Obergeschoss zu sehen. Die in glänzendem Rot lackierte Klemm L 25, ein Eindecker von 1935.

Die Maschine in Holzbauweise mit ihrem 60-PS-Motor, von denen heute nur noch wenige Exemplare erhalten sind, hat Kohn einige Male selbst geflogen: „Einer dieser Flüge wäre beinahe mein letzter gewesen. Fast wäre ich abgestürzt. Ich hatte einfach ein paar Kilos zu viel für dieses Flugzeug.“

Viel vorgenommen

Hölzerne Schränke mit Verglasung bewahren allerlei ausrangiertes Gerät vom Flughafen Findel auf. Hier stehen zum Beispiel meteorologische Messapparate, die lange vor dem Einzug von Computertechnik im Einsatz waren. Die Holzschränke sollen nach dem Willen der Museumsleitung in nächster Zeit verschwinden und durch Glasvitrinen ersetzt werden. Für das Ende des Jahres hat sich das Museumsteam eine große Modellflieger-Austellung vorgenommen, die die Entwicklung des Flugzeugbaus der letzten hundert Jahre dokumentiert.

Gaston Kohn tut es jedes Mal leid, wenn Erinnerungsstücke aus der Luftfahrt – meist aus Unkenntnis oder Desinteresse- weggeworfen werden. „Die Leute sollten die Sachen lieber bei uns abgeben“, meint er. Schon oft sei er auf diese Weise an Sammerstücke gelangt.

Die gute alte Zeit – für Gaston Kohn ist sie in der Fliegerei endgültig vorbei. Er erinnert sich noch, als er sich auf dem Findel beim Tower als Fluglehrer anmeldete und dann mit dem Schüler so viele Touch-and-Go-Übungen machen durfte wie er wollte – bis ein Linienflugzeug kam und die Landebahn brauchte. Heute sei die Luftfahrt von Zeitdruck und strengen Sicherheitsvorschriften geprägt. Im „Fligermusée“ ist davon noch nichts zu spüren.

Das Museum im Mondorfer Park ist von Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.