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„Es ist wie ein kleines Pflänzchen“
Lokales 6 Min. 19.06.2021
ALUC-Präsident Michel Dauphin

„Es ist wie ein kleines Pflänzchen“

Michel Dauphin ist seit Ende 2020 Präsident der ALUC. Um den Neustart des Vereins zu besiegeln, hat die Organisation unter anderem mit einem neuen Logo an ihrer visuellen Identität gearbeitet.
ALUC-Präsident Michel Dauphin

„Es ist wie ein kleines Pflänzchen“

Michel Dauphin ist seit Ende 2020 Präsident der ALUC. Um den Neustart des Vereins zu besiegeln, hat die Organisation unter anderem mit einem neuen Logo an ihrer visuellen Identität gearbeitet.
Foto: Guy Jallay
Lokales 6 Min. 19.06.2021
ALUC-Präsident Michel Dauphin

„Es ist wie ein kleines Pflänzchen“

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Präsident Michel Dauphin von der Association Luxembourgeoise des Universitaires Catholiques (ALUC) im Interview über die Ziele und wieso sie einen Neustart wagen möchte.

Die Association Luxembourgeoise des Universitaires Catholiques (ALUC) zählt rund 100 Mitglieder. Die Studierenden und Universitätsabsolventen haben sich bereits seit 1910 zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Debatten mit anzustoßen und zu begleiten – vor dem Hintergrund einer christlichen Wertvorstellung. Doch wie bei vielen christlichen Vereinen ist die Gewinnung neuer Mitglieder schwierig. Michel Dauphin (58) ist seit Ende 2020 Präsident der Vereinigung, die sich selbst einen Neustart verordnet hat. Im Interview erklärt der Mathematiker, wie diese Erneuerung aussieht, welche Ziele die ALUC verfolgt und wie sie diese erreichen will.

Michel Dauphin, was ist die Hauptaufgabe der ALUC?

Wir haben Aufgaben und Aktivitäten. Aufgabe ist einerseits, das christliche Leben und den christlichen Glauben unserer Mitglieder zu fördern, die Menschen in ihren Überlegungen zu unterstützen, das christliche Gedankengut auf Niveau des Landes zu fördern und auch dazu beizutragen, dass es Eingang in die Kultur findet. Es geht uns auch um die Förderung der Freundschaft zwischen unseren Mitgliedern und darum, die nationale Gemeinschaft zu unterstützen, als deren Mitglieder wir uns betrachten.

Und mit welchen Aktivitäten arbeiten Sie an diesen Aufgaben?

Wir organisieren in religiöser Hinsicht Messen, etwa anlässlich der Oktave oder zu Weihnachten. Dieses Jahr hatten wir während der Oktave einen Gebetsabend mit Themen der Enzyklika „Fratelli Tutti“. Auf kultureller Ebene veranstalten wir Vorträge, Debatten, Ausflüge und Reisen. Was die Freundschaftsbasis angeht, haben wir in der Avenue Marie-Thérèse ein Vereinslokal, wo Leute sich treffen, zusammen essen und sich unterhalten können. Wir versuchen auch, Konferenzen über Themen zu organisieren, die unsere nationale Gemeinschaft interessieren und zu schauen, was wir aus einem christlich-moralischen Ansatz heraus zu diesen Themen beitragen können. Und wir veröffentlichen vierteljährlich die Zeitschrift „ALUC Contact“ für unsere Mitglieder.

Wir wollen nicht unbedingt durch soziale, sondern strukturelle Aktivitäten helfen, die Gesellschaft zu verbessern.

Welche Aktivitäten haben sie aktuell geplant?

Am 1. Juli haben wir einen Vortrag von Victor Weitzel, einem bekannten Publizisten. Er spricht über die Zeit nach Corona. Wir wollen auf akute Probleme hinweisen, etwa die Wohnungskrise: junge Paare, die sich verschulden müssen, um zu bauen … Herr Weitzel wird uns ein paar Alternativen erklären, was man machen könnte. Das wird ganz interessant, denn über manche Probleme wird nicht unbedingt immer offen geredet. Wenn man aber nicht darüber spricht, kann man sie auch nicht angehen. Das soll unser bescheidener Beitrag sein, um auf die Probleme hinzuweisen. Und dabei kommen vielleicht auch Ideen zutage, was unsere nächsten Aktivitäten sein könnten. Wir wollen uns etwa auf Anregung eines Pastoralreferenten auch mit Jugendlichen treffen, die aus benachteiligten Verhältnissen kommen. Junge Leute, die studieren wollen, aber keine Referenzperson haben, die ihnen ein bisschen vom studentischen Leben erzählt. Natürlich wollen wir keine zweite Caritas sein. Als Vereinigung von Universitätsabsolventen können wir eher auf analytischem Niveau arbeiten, wobei manche unserer Mitglieder auch in konkreten Hilfswerken aktiv sind.

Die ALUC hat sich selbst einen Neustart verordnet. Wieso?

Wir waren kurz vorm Ende. Vergangenes Jahr gab es einen Vortrag, der organisiert worden war, zu dem nur zwei Personen kamen. Das war so demotivierend, dass der Präsident und der Sekretär gesagt haben, dass sie so nicht weitermachen wollen. Sie haben vorgeschlagen, die ALUC in eine Amicale umzuwandeln, die sich einfach nur noch einmal im Jahr trifft. Wir waren aber innerhalb der ALUC eine kleine Gruppe, die das sehr schade fand. Viele von uns sind schon als Studenten dazugekommen, man schließt Freundschaften, die bis heute andauern. Daher haben wir gesagt, wir versuchen es noch einmal. Wir wollten natürlich nicht einfach so weitermachen und haben überlegt, was man anders machen muss. Bei einem Seminar haben wir geschaut, was nicht funktioniert und wo unsere Möglichkeiten liegen weiterzukommen. Das haben wir dokumentiert und hoffen jetzt, dass wir anhand der Ergebnisse die richtige Formel finden, um das Ganze wieder zum Laufen zu bringen.

In einer pluralistischen Gesellschaft muss sich auch die ALUC anpassen.

Welche konkreten Neuerungen sind vorgesehen?

Begonnen haben wir jetzt erst einmal mit der visuellen Identität. Es ist wichtig, dass es etwas gibt, womit die Leute sich identifizieren können. Wir haben ein Logo definiert. Vier Buchstaben, ALUC, denn Buchstaben sind unser Werkzeug, mit dem wir uns ausdrücken. Der Rahmen darum ist an ein Kreuz angelehnt, das eine ist mehr die wissenschaftliche weltliche, das andere die spirituelle, religiöse Achse. Der Rahmen ist aber an zwei Seiten offen, denn wir sind offen für die Welt. Auf unseren Flyern und unserem Roll-up sind daneben vier Bilder abgedruckt: eine Ikone, die für den Glauben steht, ein Globus für die Wissenschaft und Weltoffenheit, zwei Personen, die sich gegenseitig helfen und für die Freundschaft stehen, und ein Bild von Luxemburg, das die nationale Gemeinschaft verdeutlicht. Aktuell sind wir auch dabei unsere Webseite www.aluc.lu neu einzurichten. Letztlich wollen wir uns auch sprachlich öffnen. Hier in Luxemburg in einer pluralistischen Gesellschaft mit Menschen verschiedener Herkunft muss sich auch die ALUC anpassen. Traditionell war es ein luxemburgischer Verein, es wurde Luxemburgisch gesprochen. Aber wir versuchen uns anzupassen, die nächste Konferenz ist auf Französisch. Unser Heft, das einmal im Trimester erscheint, enthält Beiträge auf Französisch, es können aber auch luxemburgische und deutsche Texte eingereicht werden. Wir wollen auch für Leute offen sein, die keine Luxemburger sind.

Hat sich auch inhaltlich etwas geändert?

An unseren Grundsätzen und Statuten haben wir nichts geändert, die Aufgaben bleiben gleich. Wir bleiben im katholischen Glauben verankert, Freundschaft ist weiter ein wichtiger Wert. Wir wollen nicht unbedingt durch soziale, sondern strukturelle Aktivitäten helfen, die Gesellschaft zu verbessern.


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Was muss man tun, um Mitglied zu werden?

Es reicht im Prinzip, den Beitrag zu überweisen. Man muss nichts Bestimmtes studiert haben, es sind unter den Mitgliedern viele verschiedene Fachrichtungen vertreten: Juristen, Historiker, Mathematiker, Sprachwissenschaftler, Mediziner, Volkswirte ... Wir fragen auch nicht nach dem Diplom. Und grundsätzlich sind wir offen: Wir sind zwar katholisch, aber wenn etwa ein Protestant oder ein Muslim Mitglied werden möchte, ist das auch kein Problem. Aber natürlich organisieren wir katholische Messen. Wir sind offen für den Dialog, aber als Mitglied muss man sich mit unseren Statuten identifizieren – und damit mit den Prinzipien der ALUC einverstanden sein.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Wir wollen natürlich Mitglieder anwerben, auch solche, die aktiv sind. Wir wollen die Menschen motivieren, damit sie bei Aktivitäten dabei sind – dazu müssen wir als Komitee Aktivitäten organisieren, die die Leute interessieren. Es ist ganz Verschiedenes möglich, es hängt davon ab, ob die Leute mitmachen. Wir könnten etwa auch öffentlich Position beziehen, zu gesellschaftlichen Themen, das könnten Arbeitsgruppen machen. Damit kann man versuchen, die luxemburgische Gesellschaft auf christlich moralische Prinzipien hinzuweisen – aber wir sind natürlich auch keine Fundamentalisten. Wir respektieren die laizistische Organisation der Gesellschaft. Schön wäre es auch, wenn die Leute sich besser kennenlernen, wir zusammen neue Reisen organisieren. Wir haben aber keinen strategischen Plan über drei oder fünf Jahre entworfen. Es ist mehr wie ein kleines Pflänzchen, das wir gießen und das hoffentlich sprießen wird. Ob ein großer Baum daraus wird, wissen wir jedoch jetzt noch nicht.

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