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Altenheim Niederanven: „Das Vertrauen ist weg“
Lokales 2 Min. 15.03.2012

Altenheim Niederanven: „Das Vertrauen ist weg“

Der Vertrag zwischen der Gemeinde und Servior läuft Ende 2012 aus. Die Gemeinde arbeitet ein neues Lastenheft aus, in dem sie mehr Mitspracherecht für sich beansprucht.

Altenheim Niederanven: „Das Vertrauen ist weg“

Der Vertrag zwischen der Gemeinde und Servior läuft Ende 2012 aus. Die Gemeinde arbeitet ein neues Lastenheft aus, in dem sie mehr Mitspracherecht für sich beansprucht.
Foto: Gerry Huberty
Lokales 2 Min. 15.03.2012

Altenheim Niederanven: „Das Vertrauen ist weg“

Zwischen der Gemeinde Niederanven und dem Betreiber des Altenheims „Gréngewald“, in dem derzeit 185 Senioren betreut werden, herrscht kein Vertrauen. Deshalb soll der Vertrag zwischen Servior und der Gemeinde gekündigt werden.

(MiG) - Zwischen der Gemeinde Niederanven und dem Betreiber des Altenheims „Gréngewald“, in dem derzeit 185 Senioren betreut werden, herrscht kein Vertrauen. Deshalb soll der Vertrag zwischen Servior und der Gemeinde gekündigt werden. Die Gemeinde wirft Servior ungenügende Pflege trotz ständig steigender Pensionspreise und mangelnde finanzielle Transparenz vor. Servior weist die Vorwürfe zurück und zieht sich freiwillig, „aber ungern“, wie Serge Eberhard von Servior einräumt, als Betreiber zurück.

Servior habe in Niederanven in den ersten Jahren schwarze Zahlen geschrieben. Doch seit der Einrichtung eines Fonds vor zweieinhalb Jahren, in dem Überschüsse als Reserve angelegt werden sollten, sei das anders, sagte gestern Bürgermeister Raymond Weydert gegenüber dem „Luxemburger Wort“. „Auf einmal schreibt Servior rote Zahlen.“ Die Pensionspreise seien innerhalb dieser Zeitspanne um 350 Euro pro Bewohner auf heute knapp 1 975 Euro gestiegen. Parallel dazu sei aber die Pflege nicht erkennbar besser geworden.

Finanzielle Intransparenz

Die Gemeinde wirft dem Betreiber außerdem finanzielle Intransparenz vor. „Jedes Jahr zieht Servior mehrere hunderttausend Euro aus der Einrichtung. In dem letzten Bericht waren es eine Million Euro. Aus den Büchern geht aber nicht hervor, was mit dem Geld gemacht wird“, ärgerte sich der Bürgermeister. „Bis heute konnte Servior diese Frage nicht zu unserer Zufriedenheit beantworten.“ Servior habe in den Jahren 2003 bis 2009 knapp 5,7 Millionen Euro für Wartungs- und Reparaturarbeiten ausgegeben. „Mit diesem Geld kann man eine neue Einrichtung finanzieren“, beschwerte sich Schöffe Jean Schiltz.

Serge Eberhard, Verwaltungsratspräsident von Servior, sagte, von finanzieller Intransparenz könne keine Rede sein. Die Gemeinde habe Einblick in sämtliche Konten. Die oben erwähnten Arbeiten seien ein Amalgam aus verschiedenen Bereichen, im Wesentlichen ein „Contrat d'entretien“, den Servior im Jahr 2000 von der Gemeinde übernommen habe und ein Vertrag mit einer Putzfirma. Die Anhebung der Pensionspreise sei normal. „Sie sind in allen Einrichtungen gestiegen“, erklärte Eberhard, nicht zuletzt wegen der steigenden Personalkosten, die immerhin 82 Prozent der Gesamtkosten ausmachten.

Dazu kämen etwa zehn Prozent Fixkosten. „Auf diese 92 Prozent der Gesamtkosten haben wir keinen Einfluss“, bekräftigte Serge Eberhard. Allein die Zahl der Pflegeposten habe sich in zehn Jahren von 20 auf heute 55,5 quasi verdreifacht. Nun läuft der Vertrag Ende 2012 aus und die Gemeinde muss sich nach einem neuen Betreiber umsehen. Sie wird in den nächsten Tagen ihre Kündigung an Servior schicken und vor der Ausschreibung ein neues Lastenheft ausarbeiten, in dem sie sich mehr Mitspracherecht einräumt.