Als die Planierraupe anrückte
Als die Planierraupe anrückte
(asc) - Die Sauerstadt Echternach ist bis weit über die Grenzen Luxemburgs bekannt für die Abtei, die im siebten Jahrhundert vom Wandermönch Willibrord gegründet wurde und das Skriptorium, in dem die Mönche reich geschmückte Werke wie den „Codex Aureus“ und den „Codex Epternacensis“ anfertigten. Die Benediktinermönche lebten und arbeiteten bis ins Jahr 1764 in dem Benediktinerkloster.
Damit die Mönche sich außerhalb der Klostermauern erholen konnten, ließ Abt Philipp de la Neuforge eine Sommerresidenz im Ort genannt „in den Löschen“ am Standort des heutigen Sees errichten. Im Mai 1676 erwarb er dafür ein Grundstück in diesem Ortsbereich.
„Das Gebäude wurde im Stil des Barocks gebaut. Charakteristisch für diese Architektur sind die betonte Mittelachse und die zwei Ecktürme an den beiden Enden des Gebäudes“, erklärt Georges Calteux, der einstige Direktor des Denkmalschutzamtes. Dieselbe Architektur findet man beispielsweise noch bei anderen Echternacher Bauten wie dem Prälatenflügel des Lyzeums und dem Bauernhof Melick wieder.
Schicksal wurde besiegelt
Während der künstliche See schon langsam mit Wasser gefüllt wird, rückt am 17. Mai 1977 – also heute vor 40 Jahren – im Morgengrauen die Planierraupe an. Gegen 4.30 Uhr wurde mit dem Abriss des historischen, 300 Jahre alten Gebäudes begonnen. Auch die Proteste von Echternacher Bürgern nützten nichts mehr.
Der damalige Bürgermeister Robert Schaffner hatte zuvor mit den DP-LSAP-Mehrheitsparteien im Gemeinderat der Sauerstadt das Schicksal des Gebäudes besiegelt und für dessen Abriss sowie den späteren Wiederaufbau an einem anderen Ort gestimmt. „Und dies obschon sich die Unesco-Kommission gegen den Abriss ausgesprochen und das Kulturministerium Gelder für die Renovierung des Hauses eingeplant hatte.
Der Echternacher Verschönerungsverein hatte den Ausbau der alten Ferienresidenz der Mönche vorgeschlagen. Im alten Gebäude hätte ein Konzertsaal für das Echternacher Festival eingerichtet werden können. Nach den damaligen Plänen der Vereinigung hätten das Barockgebäude und der Anbau auf einer Insel erhalten bleiben und rund herum der See angelegt werden können“, erinnert sich Georges Calteux.
Zum Wiederaufbau der Residenz kam es nie. Die Steine seien verschollen. Heute wisse niemand, ob und wo Überreste aufbewahrt wurden, so Georges Calteux.
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