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Allround-Talent für die Armee
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Allround-Talent für die Armee

Gemeinsame europäische Militärgeschichte: Luxemburg, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und die Türkei stehen an der Wiege des A400M.

Allround-Talent für die Armee

Gemeinsame europäische Militärgeschichte: Luxemburg, Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und die Türkei stehen an der Wiege des A400M.
AFP
Lokales 3 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Allround-Talent für die Armee

Luxemburg muss sparen. Viel sparen. Nicht wenige Bürger würden den Rotstift beim A400M ansetzen. Jean-Marie Halsdorf erklärt, weshalb das Großherzogtum ein Militärflugzeug erwirbt. Luxemburgs Beteiligung an dem europäischen Militärprojekt bezeichnet der Armeeminister als eine einmalige Chance, die dem Land eine politische Präsenz gewährleiste.

Luxemburg muss sparen. Viel sparen. Nicht wenige Bürger würden den Rotstift beim A400M ansetzen. Jean-Marie Halsdorf erklärt, weshalb das Großherzogtum ein Militärflugzeug erwirbt. Luxemburgs Beteiligung an dem europäischen Militärprojekt bezeichnet der Armeeminister als eine einmalige Chance, die dem Land eine politische Präsenz gewährleiste.

Vor zehn Jahren wurde der Grundstein für diese „politische Präsenz“ gelegt. Am 27. Juli 2000 sprachen sich die Verteidigungsminister aus sieben Nato-Staaten, darunter Luxemburgs damaliger Armeeminister Charles Goerens, für die Entwicklung und den Erwerb der Militärmaschine vom Typ A400M aus. Fünf Jahre später, am 22. Februar 2005, stimmten die Deputierten von CSV, DP und LSAP der Gesetzvorlage zu, mit der der Ankauf des A400M eine gesetzliche Grundlage erhielt. Ressortminister Luc Frieden (CSV) begründete die Investition mit den neuen Gefahren, denen die Weltgemeinschaft gegenüberstehe. Die Armeen müssten schnell eingreifen können, um Krisen zu bewältigen oder zu vermeiden. Dabei dürfe Luxemburg nicht abseits stehen, sondern müsse Verantwortung übernehmen.

„Der A400M ist ein Stück Solidarität“

Was 2005 galt, ist auch 2010 noch wahr. „Der A400M ist ein Stück Solidarität und Bestandteil der Verteidigungspolitik“, steht für Minister Halsdorf fest, dass Luxemburg seinen Beitrag zu leisten hat. Indem sich Luxemburg von Beginn an an diesem ambitiösen europäischen Vorhaben beteiligt habe, „haben wir gezeigt, dass es uns gibt“. Jean-Marie Halsdorf weist darauf hin, dass Luxemburg mit einem Anteil von 0,6 Prozent am BIP Schlusslicht aller 26 Nato-Länder ist, was den budgetären Aufwand für die Armee anbelangt. Die Nato-Empfehlung liegt bei zwei Prozent.

Mit der A400M-Beteiligung bewege sich Luxemburg auf Augenhöhe mit militärischen Schwergewichten wie Frankreich oder Großbritannien. „Wir werden ernst genommen.“

Wieso aber benötigt Luxemburg den A400M? Das Transportflugzeug soll bei den Auslandsmissionen der luxemburgischen Armee zum Einsatz kommen und den hiesigen Streitkräften ein Stück weit mehr Unabhängigkeit verleihen. Zurzeit sind rund 38 Soldaten an sechs militärischen Operationen beteiligt.

Einsatz auch auf humanitärem Feld

Der A400M kann auch auf humanitärem Feld eingesetzt werden. Als Beispiel nennt der Armeeminister Haiti. Hätte Luxemburg über eine eigene Maschine verfügt, wäre die materielle und personelle Hilfe aus dem Großherzogtum für den im Januar von einem schweren Erdbeben heimgesuchten Karibikstaat rapider und noch wirkungsvoller zu bewerkstelligen gewesen.

Mit Blick auf die vielseitige Nutzung würden auch Überlegungen angestellt, das flexible Fluggerät medizinisch einzurichten, so Halsdorf, der schlussfolgert, dass der A400M die 3-D-Politik der luxemburgischen Außenpolitik widerspiegele – „Diplomatie-Défense-Développement“ – und für die Kontinuität in der luxemburgischen Verteidigungspolitik stehe, denn: „Die Reform der Armee, die Beteiligung an friedenserhaltenden Einsätzen und die Anschaffung von adäquatem Material sind als ein Ganzes zu sehen.“

In den vergangenen Wochen und Monaten war die Anschaffung des A400M in Gefahr geraten, weil sich die Frage der Finanzierung stellte. Anfang März verständigten sich die sieben A400M-Kunden darauf, weitere zwei Milliarden Euro für die 180 bestellten Maschinen bereitzustellen – was für Luxemburg eine Mehrausgabe von zehn bis zwölf Prozent ausmacht. Im Staatshaushalt für 2010 sind 1,58 Millionen Euro eingeschrieben.

Ausbildung der Piloten läuft bereits

„Die Finanzierung ist gesichert“, hält Minister Halsdorf fest. Wäre das ehrgeizige Vorhaben gescheitert, wäre dies einem schweren Schlag für die europäische Rüstungsindustrie gleichgekommen, weist er auf die weit reichenden Konsequenzen eines möglichen Bau- und Entwicklungsstopps hin. Halsdorf ist sich sicher, dass mit dem A400M ein Stück europäische Industrie- und Militärpolitik geschrieben werde. Bis dato war der Kontinent immer auf amerikanische und russische Flugzeuge angewiesen. In absehbarer Zeit sollen Militärkunden aus aller Welt auf das europäische Allroundtalent zurückgreifen.

Als Vorzüge werden Propellerantrieb, Ladevermögen (37 Tonnen oder 116 Personen), Reichweite (mindestens 4 500 Kilometer) und kurze Start- und Landebahnen angegeben. Luxemburg soll seinen A400M, der am 11. Dezember 2009 zu seinem Jungfernflug abhob, 2019 erhalten. Die Maschine soll innerhalb des belgischen Kontingents gewartet werden. Die Ausbildung der Piloten läuft bereits.