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Alles zu Mühlen, Wasserkraft und Senf
Lokales 11 4 Min. 08.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Die „Muerbelsmillen“ in Pfaffenthal

Alles zu Mühlen, Wasserkraft und Senf

 Die wuchtigen Mahlsteine dienten einst zum Zermahlen von Getreide und Senfkörnern.
Die „Muerbelsmillen“ in Pfaffenthal

Alles zu Mühlen, Wasserkraft und Senf

Die wuchtigen Mahlsteine dienten einst zum Zermahlen von Getreide und Senfkörnern.
Foto: Guy Jallay
Lokales 11 4 Min. 08.10.2017 Aus unserem online-Archiv
Die „Muerbelsmillen“ in Pfaffenthal

Alles zu Mühlen, Wasserkraft und Senf

Rita RUPPERT
Rita RUPPERT
Seit kurzem ist der Stadtteil Pfaffenthal um eine Attraktion reicher. Nach der Renovierung der "Muerbelsmillen", erfährt der Besucher dort alles zu den Themen Mühlen, Wasserkraft und Senf.

Von Rita Ruppert

Kein Museum, sondern ein Erlebnisraum erwartet die Besucher der renovierten „Muerbelsmillen“ in Pfaffenthal, in der bis vor 32 Jahren Senf hergestellt wurde. Dort ist anschaulich dargestellt, wie eine Mühle funktioniert und wie die würzige Paste produziert wird.

Betritt der Besucher die renovierte Mohrfelsmühle, ist er sofort mit dem Mühlenrad im Innenraum konfrontiert. Was laut Hans Fellner, der für das Ausstellungskonzept verantwortlich zeichnet, ungewöhnlich, aber nicht einzigartig ist. „Wir haben einen Mühlbauer aus den Niederlanden mit der Instandsetzung beauftragt. Der Wassergraben ist auch noch da. Die Mühle kann ans Laufen gebracht werden“, erklärt der Kurator.

Und: „Bis vor 100 Jahren war es eine Mühle, danach eine Senffabrik. Das Positive daran ist, dass man eine Mühle nutzen kann, um Senf herzustellen.“ Und betont sogleich, dass es sich um kein Museum handelt.

Leichte Umbauten waren nötig, um die Themen Senf und Mühle zu behandeln. Daraus ergeben sich auch die pädagogischen Programme: zum einen Ernährung (Schärfe, Würze), zum anderen Wasserkraft, oder Wasser insgesamt“, erzählt Fellner.

Leere Räume mit Leben gefüllt

Zusammen mit Anouk Schiltz (Szenografie) hat er den historischen Bereich bearbeitet, begleitet von Mitarbeitern des „Lëtzebuerg City Museum“.

„Die Mechanik war noch da, sie wurde restauriert und in Teilen ergänzt. Aber: Die Räume waren leer, es gab nichts. Auch die Firma Munhoven, welche die Mühle 1976 übernahm und jährlich bis zu 450 000 Kilogramm Senf herstellte, verfügt über fast keine historischen Gegenstände, bedingt durch die Umzüge – erst nach Howald, dann nach Münsbach – im Laufe der Jahre“, erläutert Hans Fellner.

Die renovierten Gebäude auf Nummer 69 in der Rue Mohrfels in Pfaffenthal. Rechts im Hintergrund ist ein Teil des Zivilhospizes zu sehen.
Die renovierten Gebäude auf Nummer 69 in der Rue Mohrfels in Pfaffenthal. Rechts im Hintergrund ist ein Teil des Zivilhospizes zu sehen.
Foto: Pierre Matgé

Ein großes Glück sei, dass es einen Film aus der Endphase der Produktion aus den 1980er-Jahren und aus dem Jahr 2007 gebe, die auch beide gezeigt werden. Hauptakteur ist der Müller René Flohr, der erklärt, wie Senf hergestellt wird. Nicht zu vergessen die Schwarz-Weiss-Fotos von Vic Fischbach und Léon Doemer, welche in Großformat die Wände in der „Muerbelsmillen“ zieren.

Den eigenen Bezug zum Senf abfragen

Im ersten Stockwerk befindet sich der Mahlraum. Früher standen hier Dutzende Mühlsteine. Einige können noch hier bewundert werden. Redewendungen über Senf sind auf senfgelbem Hintergrund im Treppenhaus zu lesen. Zum Beispiel: „E läit am Moschter“ oder „Dir sidd awer schéi gemoschtert“. Fellner schmunzelt: „Auch das gehört zur Ausstellung, den eigenen Bezug zum Senf abfragen.“

Der Mahlraum wird fast ganz von der noch erhaltenen und restaurierten Mühlentechnik, den Mahlsteinen und den Treibriemen ausgefüllt.
Der Mahlraum wird fast ganz von der noch erhaltenen und restaurierten Mühlentechnik, den Mahlsteinen und den Treibriemen ausgefüllt.
Foto: Pierre Matgé

Allgemeine Informationen über Mühlen sowie die Geschichte der „Muerbelsmillen“ von 1083 – erste Nennung einer Mühle an diesem Ort in der Stiftungsurkunde des Grafen Konrad an die Abtei Münster bis heute – und über die soziale Rolle des Müllers erhält der Besucher in einem weiteren Raum.

Geteilte Erinnerungen

Dort, wo früher die Senfeinfüllmaschine stand, steht auch heute eine solche für Tuben. Sie stammt aus den frühen 1960er-Jahren und wurde von der Familie Munhoven, welche die „Moutarderie de Luxembourg“ heute in Münsbach betreibt, zur Verfügung gestellt.

Eine Urkunde erinnert indes daran, dass René Flohr einst eine Angestellte vor dem Ertrinken in der Alzette rettete und dafür mit einem Orden ausgezeichnet wurde.

„Wir haben versucht, mit den wenigen Objekten, die wir haben, eine sehenswerte Ausstellung zu schaffen. In den vergangenen Monaten habe ich außerdem Dinge gesammelt, die mit Senf zu tun haben; es geht um Tischkultur und Transport. Diese Gegenstände werden bald in einer neuen Vitrine gezeigt“, erzählt Fellner.

Damit nicht genug: Vor der Eingangstür könnte sich das Erscheinungsbild bald ändern. Fellner hat vorgeschlagen, dort Senf anzupflanzen.

Entlausungsanlage in der Dependance

Ein Kuriosum zum Schluss: In der Dependance auf der gegenüberliegenden Seite, die ebenfalls renoviert wurde, befindet sich eine Desinfizierungsanlage oder auch Entlausungsanlage.

Die Desinfizierungs- oder Entlausungsanlage in der Dependance der Mohrfelsmühle.
Die Desinfizierungs- oder Entlausungsanlage in der Dependance der Mohrfelsmühle.
Foto: Pierre Matgé

Was es damit auf sich hat, erklärt Fellner so: "Die Anlage wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom Hospiz, das sich neben der Mühle befindet, in Betrieb genommen. Kleider wurden in die Schleuse gelegt oder gehängt und mit kochendem Wasserdampf desinfiziert. Als die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg in Luxemburg war, hat sie plötzlich eine Entlausungsanlage gebraucht, was etwas ganz anderes ist. Aber die Anlage funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Während die Kleider in der Anlage behandelt wurden, mussten die Männer unter die Dusche, die sich im schmalen Korridor befindet. Belegt ist, dass die sowjetischen Kriegsgefangenen hier entlaust wurden."

Die Öffnungszeiten

Der Erlebnisraum (69, Rue Mohrfels) ist samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Geführte Besichtigungen werden auf Anfrage durchgeführt.

Schulklassen ab dem zweiten Grundschulzyklus können die „Muerbelsmillen“ besichtigen und anschließend in einem pädagogischen Raum selbst Senf herstellen. Dieses Angebot gilt für dienstags- und donnerstags morgens. Weitere Informationen unter Tel. 47 96 45 00 oder per E-Mail anvisites@2musees.vdl.lu.

Zusätzliche Infos zur "Muerbelsmillen" findet man hier:

www.citymuseum.lu


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