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Aktenzeichen xy ungereimt
Lokales 5 Min. 01.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord an Luxemburger in Brasilien

Aktenzeichen xy ungereimt

Abgelegene Sandpiste Rua do Telégrafo: Der Leichnam von Henri Z. wurde weitab seines angeblichen Fußwegs gefunden.
Mord an Luxemburger in Brasilien

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Abgelegene Sandpiste Rua do Telégrafo: Der Leichnam von Henri Z. wurde weitab seines angeblichen Fußwegs gefunden.
Screenshot: Google
Lokales 5 Min. 01.05.2015 Aus unserem online-Archiv
Mord an Luxemburger in Brasilien

Aktenzeichen xy ungereimt

Henri Z. musste seinen Heimflug verpassen, nachdem er einem ersten Mordanschlag entgangen war. Schließlich sollte er auf der Hochzeitsreise in Brasilien sterben. Für den 71-jährigen Mann aus Senningerberg gab es kein Entrinnen. Ein weiterer Tag vor Gericht offenbarte erschreckende Schussfolgerungen aus der Mordakte Z.

Henri Z. musste seinen Heimflug verpassen, nachdem er einem ersten Mordanschlag entgangen war. Schließlich sollte er auf der Hochzeitsreise in Brasilien sterben. Für den 71-jährigen Mann aus Senningerberg gab es kein Entrinnen. An einem weiteren Gerichtstag kam im Mordprozess erstmals einer der Ermittler zu Wort – und der offenbarte erschreckende Schussfolgerungen aus der Mordakte Z.

Von Steve Remesch

Wenn die Tathypothese von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft zutrifft, dann dürfte das Verbrechen im brasilianischen Porto Seguro und dessen Vorbereitung an Kaltherzigkeit kaum zu überbieten sein: Henri Z. – ein Opfer bösartiger Intrigen und einer scheinbar grenzenlosen Geldgier.

Dass sie seit Montag wegen dem Mord in Südamerika überhaupt in Luxemburg vor Gericht stehen, verdanken die drei Beschuldigten, die frisch angetraute Ehefrau Brigitte D., deren beste Freundin Tania M. und der Sohn der Freundin, Diego M., vor allem sich selbst.

Fast unbemerkt...

Es war ein Gemeindesekretär, durch den die Luxemburger Polizei überhaupt auf den Fall aufmerksam wurde. Brigitte D. hatte den Totenschein ihres Mannes im Rathaus in dessen Wohnort eingereicht und dabei davon erzählt, wie ihr Gatte auf der Hochzeitsreise in Brasilien bei einem Überfall erschossen worden war. Einem Nachbarn, einem Bekannten des Sekretärs, hatte sie die Abwesenheit ihres Mannes jedoch ganz anders erklärt: Er sei noch immer in Brasilien. Man habe ihm den Pass gestohlen und er habe Schwierigkeiten mit der Botschaft. Der Sekretär fand dies sehr verdächtig und erstattete Meldung.

Erste Nachfragen der Kriminalpolizei, zeigten, dass selbst in Brasilien der Fall als „merkwürdige Geschichte“ betrachtet wurde. 
„Verlassene Gassen in brasilianischen Städten gelten nachts als durchaus gefährlich“, erklärt Ermittler Christian K. im Zeugenstand. „In Brasilien werden jedes Jahr viele Menschen getötet, wie überall in Südamerika. Dass ein Tourist gewaltsam umkommt, ist aber sehr selten. Die werden schon mal überfallen und ausgeraubt – aber nicht getötet.“ Und das dann auch eher nicht nach einem Exekutionsszenario, wie ihn der Tatort zweifelsfrei offenbarte. Henri Z. war aus nächster Nähe mit fünf Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. 

Amtshilfe? Negativ!

Von den brasilianischen Behörden gab es kaum bis gar keine Unterstützung für die Luxemburger Polizisten. In Brasilien war man zwar auch sehr an Diego M. interessiert, aber das eher im Zusammenhang mit lokalen Drogengeschäften – nicht mit dem Mord. Das Telefon von Diego M. wurde tatsächlich zu einem für die Ermittler durchaus interessanten Zeitpunkt angezapft. Um dessen Akte und die Abhörprotokolle baten die Ermittler jedoch vergeblich. Auch sonst blieb ihnen der Zugang zu vielen für die Mordermittlungen relevanten Informationen verwehrt.

Dennoch erfuhren die Polizisten, dass Diego M. schon zwei Monate vor dem Opfer von der Brasilienreise wusste und, dass diese ihm einen Geldsegen bescheren würde. Wie sich zeigte, wurde die Kreditkarte während der Hochzeitsreise vor allem dann belastet, wenn das Opfer längst im Bett lag und schlief. 25000 Euro wurden bei 56 Transaktionen abgebucht. Stets wurde versucht, das Maximum von 492 Euro abzuheben. 72 Mal ohne Erfolg. Die Ermittler konnten im Nachhinein Ausgaben in Höhe von 5000 Euro nachvollziehen. 20000 Euro blieben verschollen.

Ermittler: "Sehr verdächtig"

In beeindruckendem Maß gilt für die Ermittler auch das Benehmen der Ehefrau beim ersten Überfall am 21. Oktober 2011 verdächtig. Henri Z. und Brigitte D. wurden bei einem Strandspaziergang überfallen – Henri Z. mit einem Messer in den Hals gestochen. Um zu überleben, stellte sich der 71-jährige tot. Brigitte D. kehrte zu Fuß zum Hotel zurück, ohne sich weiter um ihren mutmaßlich verblutenden Mann zu kümmern. Unweit des Tatorts kam sie dabei an einer Straßensperre schwer bewaffneter Polizisten vorbei. Sie blickte im Vorbeigehen zu Boden und dennoch kreuzte sich ihr Blick mit jenem eines Beamten. Zu dem Minuten zuvor geschehenen äußerst brutalen Überfall sagte sie nichts. Erst später kehrte sie per Anhalter zur Polizeikontrolle zurück.

Henri Z. hatte nur oberflächliche Verletzungen an Kopf und Hals erlitten. Er wurde in einem Krankenhaus versorgt. „Auf Drängen der Familie“ wurde er dann in ein Privatkrankenhaus eingeliefert. Zwar war klar, dass der Mann nur leicht verletzt war, dennoch blieb er drei Tage auf Krankenstation – bis er schließlich regelrecht aus dem Krankenhaus flüchtete. Für die Ermittler besteht kein Zweifel daran, dass der erzwungene Krankenhausaufenthalt als einzigen Zweck hatte, dafür zu sorgen, dass Henri Z. seinen Rückflug verpassen sollte.

Kuriose Fahrten durch die Nacht

Am Abend des gleichen Tages erfolgt der zweite, tödliche Angriff auf Henri Z.. Auch hier sind die Umstände laut den Ermittlern mehr als nur verdächtig. Der Aussage der beschuldigten Ehefrau zufolge habe man an jenem Abend in einer Pizzeria die Entlassung aus dem Krankenhaus gefeiert. Später sei man dann am Hotel vorbei nach Porto Seguro gefahren und dann ein weiteres Mal am Hotel vorbei zurück zum Restaurant. Henri Z. habe darauf bestanden zur Gaststätte zurückgefahren zu werden, weil er von dort aus fünfeinhalb Kilometer zu Fuß zum Hotelzimmer zurückgehen habe wollen. Das habe er auch getan, während Diego M. und Brigitte D. mit dem Auto zum Hotel zurückkehrten. Im Hotel waren es dann Fremde, Hotelangestellte, die sich Sorgen machen, als der ältere Mann auch nach Stunden nicht zurückkehrte, und die dann eine Suche einleiteten.

Der Leichnam von Henri Z. wurde schließlich an einer Sandpiste gefunden. Die Spurenlage lässt den Ermittlern zufolge darauf schließen, dass er nicht zu Fuß dorthin gelangte. Dass er dort erschossen wurde, sei aber eindeutig. Am Morgen danach brachte Diego M. den Mietwagen zum Verleih zurück. Es kommt zu einem Gespräch mit dem Angestellten, während dessen sich ergab, dass Henri Z. der zu dem Zeitpunkt noch nicht identifizierte getötete Tourist sein musste. Diego M. entschließt eigenen Aussagen nach, dieses Gespräch für sich zu behalten. Als die Polizei ihn später informiert, tut er überrascht. 

SMS ohne Todesnachricht?

Auch seine Mutter, die zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in Luxemburg war, gab an, erstmals von der Ehefrau vom Tod des Mannes erfahren zu haben. Die Ermittlungen ergaben, dass sie allerdings bereits zuvor SMS von ihrer Schwester aus Brasilien erhalten hatte – die ihr den Ermittlern zufolge wohl kaum den brutalen Mord am Mann ihrer besten Freundin verschwiegen hätte.

Am Montag werden weitere Zeugen angehört, bevor am Dienstag Ermittler Christian K. seine Ausführungen fortsetzt.


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