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Affenpocken-Fälle in mehreren Ländern - Santé ruft zur Wachsamkeit auf
Lokales 2 6 Min. 21.05.2022
Ansteckungen in Europa

Affenpocken-Fälle in mehreren Ländern - Santé ruft zur Wachsamkeit auf

Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop.
Ansteckungen in Europa

Affenpocken-Fälle in mehreren Ländern - Santé ruft zur Wachsamkeit auf

Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop.
Foto: Essbauer/Sanitätsdienst der Bundeswehr/dpa
Lokales 2 6 Min. 21.05.2022
Ansteckungen in Europa

Affenpocken-Fälle in mehreren Ländern - Santé ruft zur Wachsamkeit auf

Die Fälle von Infektionen mit Affenpocken häufen sich. Noch gibt es keinen bestätigten Fall im Großherzogtum, doch die Behörden sind alarmiert.

(jt/mab/dpa) - Das Gesundheitsministerium hat am Samstag in einer Pressemitteilung betont, dass noch keine Verdachtsfälle oder bestätigten Infektionen mit Affenpocken in Luxemburg registriert wurden. „Die Situation wird zusammen mit den europäischen Partnern sehr genau beobachtet“, so die Behörde. Im Moment gehe es darum, das Bewusstsein für die potenzielle Verbreitung des Affenpockenvirus zu schärfen.

Jeder Verdachtsfall und jede Person mit Symptomen, die auf Affenpocken hindeuten, sollte die Abteilung für Infektionskrankheiten des Centre Hospitalier de Luxembourg (CHL) aufsuchen, empfiehlt die Santé. Zudem sollten potenziell Betroffene auf sexuelle Aktivitäten oder andere Aktivitäten mit engem Kontakt verzichten, bis eine Infektion mit Affenpocken definitiv ausgeschlossen wurde oder die Infektion abgeklungen ist.  

Infektionen mit dem Affenpocken-Virus werden mittlerweile aus immer mehr Ländern gemeldet. Nachweise aus Europa gibt es nun in mindestens acht Ländern.

Nach einem ersten Fall in München sind nun auch in Berlin zwei Infektionen mit dem Affenpocken-Virus nachgewiesen. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Samstag mit. 

Außer Deutschland sind Spanien, Frankreich, Italien, Belgien, Portugal, Schweden und Großbritannien betroffen. Auch in Australien, Kanada und den USA wurden Fälle bestätigt - und damit in weiteren Weltregionen außerhalb Afrikas, von wo das Virus stammt. Am Samstag wurde in der Schweiz ein erster Fall nachgewiesen, wie das Kanton Bern mitteilte.  

Nach dem Bekanntwerden eines zweiten Falls von Affenpocken in den Niederlanden hat der staatliche Gesundheitsdienst RIVM eine Meldepflicht für die Krankheit erlassen. Das teilte das Gesundheitsministerium in Den Haag am Samstag mit.

Lauterbach: „Ausbruch kann eingegrenzt werden“

„Es war nur eine Frage der Zeit, bis Affenpocken auch in Deutschland nachgewiesen werden“, teilte der deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu dem Fall mit. Durch die Meldungen aus anderen Ländern seien Ärzte und Patienten in Deutschland sensibilisiert. „Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse gehen wir davon aus, dass das Virus nicht so leicht übertragbar ist und dass dieser Ausbruch eingegrenzt werden kann.“ Dafür sei aber schnelles Handeln nötig. „Wir werden jetzt das Virus genauer analysieren und prüfen, ob es sich um eine ansteckendere Variante handelt.“

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hat erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen.
Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hat erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen.
Foto: Martin Bühler/Bundeswehr/dpa

Experten gehen bei der Vielzahl von Fällen in westlichen Ländern davon aus, dass das Virus schon seit einer Weile unbemerkt im Umlauf war. Durch die gestiegene Aufmerksamkeit sei mit vermehrten Nachweisen zu rechnen.

In Frankreich ist Behördenangaben zufolge ein 29-Jähriger im Großraum Paris betroffen, der zuvor nicht in ein Land gereist war, in dem das Virus zirkuliert. Kontaktpersonen würden ermittelt und bekämen Verhaltensregeln genannt, um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern, hieß es. In Australien wurde der Erreger bei einem etwa 30 Jahre alten Mann bestätigt, der kürzlich aus Großbritannien zurückgekehrt war, wie es von der zuständigen Gesundheitsbehörde hieß. Er befinde sich in einem Krankenhaus in Isolation, seine Kontakte würden nun ermittelt.

Großteils Männer unter Infizierten

Zuvor waren bereits aus zahlreichen anderen Ländern wie Großbritannien, Spanien, Schweden, Belgien und den USA Fälle gemeldet worden. Ein Großteil oder womöglich sogar alle Fälle bisher betreffen Männer, vielfach hatten sie den Angaben zufolge sexuelle Kontakte zu Männern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bereits am Mittwoch zu einer rigorosen Nachverfolgung aller Kontakte von Betroffenen aufgerufen. Kliniken und Bevölkerung müssten für die Symptome sensibilisiert werden.

Am stärksten gefährdet für eine Ansteckung sind laut Experten Menschen, die sexuelle Kontakte zu vielen verschiedenen Menschen haben. Das Virus kann aber grundsätzlich auch bereits bei engem Körperkontakt übertragen werden, insofern halten Mediziner auch in der Allgemeinbevölkerung Vorsicht für ratsam. Anlass zu großer Sorge gibt es aber anscheinend nicht.


HANDOUT - 29.06.2001, Berlin: Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus. In Großbritannien sind vier weitere Fälle von Affenpocken erfasst worden. (zu dpa «Vier weitere Fälle von Affenpocken in Großbritannien bestätigt») Foto: Andrea Männel/RKI/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Immer mehr Affenpocken-Fälle - bisher keiner in Luxemburg
Seit 1980 gilt die Welt als pockenfrei. Ein verwandter Erreger sorgt nun für eine Infektionshäufung. In Luxemburg gebe es noch keinen Fall.

Die Pocken gelten seit 1980 als weltweit ausgerottet, seither wird nicht mehr dagegen geimpft. Weil ein guter Teil der Bevölkerung nicht gegen Pocken geimpft worden ist, ist das Potenzial an Infektionen durch den Erreger jetzt deutlich größer als etwa noch vor 20 Jahren. Je nach weiterer Entwicklung muss man laut Experten Pockenimpfungen in Erwägung ziehen. 

Aidshilfe warnt vor Stigmatisierung von schwulen Männern

Die Deutsche Aidshilfe warnte angesichts der Affenpocken-Fälle bei schwulen Männern vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung. „Natürlich gibt es bei den Affenpocken oberflächliche Ähnlichkeiten zu HIV damals – es ist wieder eine Erkrankung aus Afrika, die auch schwule Männer betrifft. Aber in vielen anderen Punkten passt der Vergleich nicht“, sagte Aidshilfe-Sprecher Holger Wicht.

Das Virus, das die Affenpocken auslöst, sei im Unterschied zu HIV in den 80er-Jahren länger bekannt, zudem heile die Erkrankung von selbst aus. „Uns ist sehr wichtig, dass hier nicht Panik und unangemessene Ängste entstehen.“ Es gebe bei der Einschätzung der Krankheitsschwere noch Ungewissheiten – etwa darüber, wie gut Immungeschwächte – dazu können zum Beispiel auch langjährig unbehandelte HIV-Infizierte zählen – die Erkrankung verkraften.

Erreger bereits 1958 nachgewiesen

Der Charité-Infektiologe Leif Sander beschrieb die Affenpocken bei Twitter als weniger krankmachend als die Pocken, es sei aber „dennoch eine ernste und in Einzelfällen tödliche Erkrankung“. Die Krankheit trägt den Namen Affenpocken, nachdem der Erreger 1958 erstmals bei Affen in einem dänischen Labor nachgewiesen wurde. Fachleute vermuten, dass das Virus eigentlich in Hörnchen und Nagetieren zirkuliert, Affen und Menschen gelten als sogenannte Fehlwirte.

Indes hat die Regierung von Schweden nach dem ersten bestätigten Fall einer Affenpocken-Infektion die seltene Viruserkrankung als für die Allgemeinheit gefährlich eingestuft. „Die Einstufung ermöglicht es, Maßnahmen zum Infektionsschutz zu ergreifen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern“, erklärte Sozialministerin Lena Hallengren. „Wichtig ist auch, dass die Informationen Risikogruppen erreichen und dass die Gesundheitsdienste darauf vorbereitet sind, Verdachtsfälle zu behandeln und zu verfolgen.“ In Schweden war am Donnerstag der erste Fall von Affenpocken im Großraum Stockholm registriert worden. 

Spanien: Sauna als möglicher Hotspot

In Spanien ist die Zahl der nachgewiesenen Affenpocken-Fälle nach einem Medienbericht auf 30 gestiegen. Zudem gebe es weitere 23 Verdachtsfälle, berichteten die Zeitung „La Vanguardia“ und andere spanische Medien am Freitag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Madrid. Zur Situation in Portugal schrieb die dortige Zeitung „Público“, dass inzwischen 23 Fälle bestätigt seien.  

Von den insgesamt 53 bestätigten und Verdachtsfällen in Spanien wurden 40 in der Hauptstadt Madrid registriert. Als einen möglichen Ansteckungsort hätten die Behörden in Madrid eine Sauna identifiziert, die vor allem von jungen Männern und auch vielen Ausländern frequentiert worden sei, berichtete der Radiosender Onda Cero. Diese Sauna wurde am Freitag von den Behörden geschlossen, wie mehrere spanische Medien übereinstimmend berichteten. 

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