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„Ären Auto huet dach näischt“
Lokales 27.03.2018 Aus unserem online-Archiv

„Ären Auto huet dach näischt“

„Es war doch kein Unfall, ich bin nur aufgefahren“, meinte der Angeklagte vor Gericht.

„Ären Auto huet dach näischt“

„Es war doch kein Unfall, ich bin nur aufgefahren“, meinte der Angeklagte vor Gericht.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 27.03.2018 Aus unserem online-Archiv

„Ären Auto huet dach näischt“

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Ein 85-jähriger Mann musste sich vor Gericht wegen Fahrerflucht verantworten und setzte dabei ganz auf seinen Charme.

„Ich habe fünf Autos besessen, seit 1954 den Führerschein und nie ein Problem gehabt“, erklärte ein 85-jähriger Angeklagter aus der nahen französischen Grenzregion vor Gericht. Nun hat er aber eines und das hat ihn auf die Anklagebank geführt.

Er soll im Oktober 2016 im Süden des Landes in einen Unfall verwickelt gewesen sein und sich, ohne Namen und Anschrift zu hinterlassen, von der Unfallstelle entfernt haben.

Da der überaus freundliche Mann stark schwerhörig ist, gestattete der vorsitzende Richter ihm, näher zu treten. Und so legte er die Ellbogen auf das Richterpult und hörte leicht verunsichert, aber aufmerksam zu, als der Richter ihm die Tatvorwürfe erklärte.

Als der Vorsitzende dann von ihm wissen wollte, ob er denn geständig sei, meinte er „Mais oui, oui, j'avoue!“, um dann in astreinem Luxemburgisch fortzufahren, „Ma do war guer keen Akzident, je l'ai juste tamponnée“. Die Fahrerin sei dann aber gleich ausgestiegen und habe sich tierisch aufgeregt. „Dunn hunn ech hir gesot, ma Madame, Ären Auto huet dach guer näischt. An si esou, dach, dach, dach. Alors je suis parti.“

Die Menschen heute seien ach so pingelig. Er habe ja mit der Frau geredet, aber die habe nichts hören wollen. Als der Richter ihm dann erklärte, dass ihm nicht der Unfall, sondern eben nur sein Umgang damit vorgeworfen werde, meinte der Angeklagte etwas verschmitzt: „Jo, ech hunn eppes falsch gemaacht, wann Der esou wëllt.“

Als dann die Vertreterin der Staatsanwaltschaft dann zur Anklagerede überging, stellte der Beschuldigte sich auch direkt an ihr Pult, stützte sich mit den Armen ab und sah sie mit großen Augen an. Auch sie erläuterte ihm noch einmal geduldig und ausführlich, warum er sich nun vor Gericht wiederfinden würde.

Beim Strafantrag bat sie die Richter zunächst um Vorsicht bei der Urteilsfindung und forderte eine Geldbuße und ein Fahrverbot von sechs Monaten. Daraufhin stockte der Beschuldigte einen Sekundenbruchteil, und sah die Anklägerin mit einem etwas traurigen Blick an. Als sie dann „zur Bewährung“ hinzufügte, zwinkert er ihr mit einem Lächeln zu und winkte ihr zum Abschied.

Das Urteil der 12. Strafkammer ergeht am 20. April.


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