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Änder Urbing hat ausgepfiffen
Lokales 2 Min. 07.12.2019

Änder Urbing hat ausgepfiffen

In 34 Jahren hat Schiedsrichter Änder Urbing zahlreiche  Auszeichnungen, Trophäen, Urkunden, Erinnerungsfotos und Diplome gesammelt.

Änder Urbing hat ausgepfiffen

In 34 Jahren hat Schiedsrichter Änder Urbing zahlreiche Auszeichnungen, Trophäen, Urkunden, Erinnerungsfotos und Diplome gesammelt.
Foto: Nico Muller
Lokales 2 Min. 07.12.2019

Änder Urbing hat ausgepfiffen

Nico MULLER
Nico MULLER
Nach 34 Jahren und über 4 700 Spielen hängt Schiedsrichter Änder Urbing die Pfeife an den Nagel. Am Samstag hat er seinen letzten Einsatz.

Interview: Nico Muller

André Urbing, Sie hängen nach 34 Jahren die Schiedsrichterpfeife an den Nagel. Sind Sie stolz auf ihre Karriere als Unparteiischer?

Ja schon. Dreieinhalb Jahrzehnte sind eine sehr lange Zeit. Nicht viele halten so lange durch. Aber ich habe es immer gerne gemacht, obwohl ich, wie viele meiner Kollegen auch, es auf dem Spielfeld nicht immer einfach hatte. Dort muss man nämlich manchmal ein dickes Fell haben und Beschimpfungen einfach überhören. Doch nun bin ich auch froh, als dienstältester Schiedsrichter aufzuhören, und zwar zu einem Zeitpunkt, den ich selber bestimmt habe.

Eine Vitrine, voll gepackt mit Auszeichnungen, Trophäen, Urkunden, Erinnerungsfotos und Diplomen, ist der ganze Stolz von Änder Urbing
Eine Vitrine, voll gepackt mit Auszeichnungen, Trophäen, Urkunden, Erinnerungsfotos und Diplomen, ist der ganze Stolz von Änder Urbing
Foto: Nico Muller

Seit Januar 1995 spenden Sie alle Aufwandsentschädigungen, die Sie als Schiedsrichter bekamen, der Hilfsorganisation Médecins sans frontières. Was war Ihre Motivation, dies zu tun?

Nun, vom fünften bis zum 19. Lebensjahr war ich im Kannerschlass Suessem untergebracht. Dort war ich sehr gut umsorgt, erlebte viel Liebe und Zuneigung, was ich nie vergessen habe. An meinem 50. Geburtstag beschloss ich dann, der Gesellschaft so viel wie möglich davon zurückzugeben, indem ich alle Schiedsrichter-Honorare spende. Bei MSF war ich mir sicher, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie auch tatsächlich gebraucht wird. Nämlich bei Menschen, die, um es einmal in der Fußballersprache auszudrücken, eher als Außenseiter im Spiel des Lebens gelten.

In 25 Jahren ist sicher eine beträchtliche Spendensumme zusammengekommen?

In der Tat. Seit dem 7. Januar 1995 habe ich über 3.900 Spiele gepfiffen. Die dabei erhaltenen Aufwandsentschädigungen belaufen sich auf knapp 200 .000 Euro, die ich alle auf das Konto von MSF überwiesen habe.

Für Ihren selbstlosen Einsatz sind Sie öfters geehrt worden. Welche Auszeichnungen erfüllen Sie mit besonderer Genugtuung?

Ganz besonders stolz bin ich auf den World Fair Play Award für das Jahr 2014, der mir vom Internationalen Fair-Play-Komitee verliehen wurde. Aber auch der Fair-Play-Preis der Europäischen Akademie des Rheinland-Pfälzischen Sports oder die Trophée Prosper Link des Luxemburger Olympischen Komitees haben mir viel Freude bereitet.

Als Spieler und Schiedsrichter haben sie in vielen Jahrzehnten so manches erlebt. Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Was ich nie vergessen werde, ist ein Spiel zwischen den Poussins-Mannschaften aus Grevenmacher und Mertzig vor zwölf Jahren. In einer für mich undurchsichtigen Spielszene habe ich auf Abstoß entschieden, doch ein paar Zuschauer forderten Ecke. Da kam ein neunjähriger Spieler aus Mertzig auf mich zu und meinte, es gebe Geschäfte, wo man Brillen kaufen könne. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht zu lachen, und sagte zum Jungen, er solle für fünf Minuten vom Spielfeld. Nach dem Spiel kam der Spieler dann zu mir und entschuldigte sich. Er hatte die Lektion also schnell gelernt.

Heute gibt es solche Anekdoten wohl eher selten ...

Das stimmt. Es macht mich traurig, dass die Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern, selbst bei Jugendmannschaften, kontinuierlich zunimmt. Das muss sich in Zukunft ändern, genauso wie die Aggressivitäten auf und rund um die Spielfelder eingedämmt werden müssen.


Lokales, Anne-Marie Justen-Pirsch, CIPA, Fussballfan, Foto: Anouk Antony/Luxemburger Wort
Ein Leben für den Fußball
Die 79-jährige Anne-Marie Justen-Pirsch aus Oberkorn widmet ihr ganzes Leben der beliebten Ballsportart.

16 Jahre nach ihrem Eintritt in den beruflichen Ruhestand treten Sie nun auch als Schiedsrichter zurück. Wie wird Ihr Alltag in Zukunft aussehen?

Nun, ich werde jetzt zunächst einmal mit meiner Lebensgefährtin drei Monate lang die Sonne in Malaga genießen. Reisen wird denn auch in Zukunft eine wichtige Rolle in meinem Leben einnehmen. Für den Rest halte ich mich fit, unter anderem mit Spazieren und Joggen. An Fußballplätzen werde ich aber wohl nicht mehr so oft anzutreffen sein.

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