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ADR-Präsident Kartheiser tritt zurück - Colombera verlässt Partei
Gehen in verschiedene Richtungen: ADR-Parteipräsident Fernand Kartheiser (links) und der Abgeordnete Jean Colombera.

ADR-Präsident Kartheiser tritt zurück - Colombera verlässt Partei

Foto: Guy Jallay
Gehen in verschiedene Richtungen: ADR-Parteipräsident Fernand Kartheiser (links) und der Abgeordnete Jean Colombera.
Lokales 3 Min. 19.12.2012

ADR-Präsident Kartheiser tritt zurück - Colombera verlässt Partei

Am 25. März war er beim Parteikongress mit 91 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der ADR gewählt worden, knapp neun Monate später nimmt er nun  seinen Hut. Nach teils heftigen Debatten im Nationalvorstand erklärte Fernand Kartheiser am Mittwochmorgen seinen Rücktritt  als Präsident der Reformpartei.

(DS) - Am 25. März war er beim Parteikongress mit 91 Prozent der Stimmen zum neuen Vorsitzenden der ADR gewählt worden, knapp neun Monate später nimmt er nun  seinen Hut. Nach teils heftigen Debatten im Nationalvorstand erklärte Fernand Kartheiser  heute Morgen seinen Rücktritt  als Präsident der Reformpartei.

Bis zum nächsten ADR-Kongress am 17. März nächsten Jahres wird Kartheisers Vorgänger und ADR-Ehrenpräsident Robert Mehlen den Vorsitz  interimsmäßig übernehmen. Ihm zur Seite steht Jean Schoos  als Generalsekretär. Fernand Kartheiser erklärte seinen Rücktritt damit, dass „Ruhe in die Partei“ einkehren müsse. Der Nord-Abgeordnete Jean Colombera, der durch sein Ultimatum den  Sturz des Parteivorsitzenden eingeläutet hatte, will noch einige ihm wichtige Dossiers, wie etwa die Homo-Ehe, abschließen, bevor er die Partei im Laufe des kommenden Jahres, spätestens aber sechs Monate vor den Parlamentswahlen endgültig verlässt. 

Déi Lénk oder Déi Gréng

Colombera will sich aber weiterhin politisch am linken Parteienspektrum engagieren. Ob dies Déi Lénk oder etwa Déi Gréng sein könnten, wollte er vor der Presse nicht kommentieren: „Die Parteien haben ja meine Telefonnummer“, meinte er lediglich. Bei der anstehenden Abstimmung zur Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren, erhielt Jean Colombera die Zusage, dass er dafür stimmen darf. Sein Ultimatum hob er denn auch auf, wenn auch mit einem „b-mol“, wie er meinte.

Die Auseinandersetzungen  im Nationalverstand seien nämlich „sehr verletzend“ gewesen. Auf jeden Fall will der erste Vizepräsident der ADR  bei seinem angekündigten Parteiaustritt sein Abgeordnetenmandat abgeben. Sein Nachfolger wird Jeff  Engelen sein, der bei den Nationalwahlen 2009  hinter Colombera den zweiten Platz auf der ADR-Liste im Bezirk Norden belegte. Ausgelöst wurde die Personaldiskussion durch den Parteiaustritt von Jacques-Yves Henckes am vergangenen Freitag.

Kritik an konservativer Linie

Henckes, wie auch Colombera, hatten die streng konservative Linie von  Parteipräsident Kartheiser in gesellschaftspolitischen Fragen heftig kritisiert. Ausschlaggebend für Henckes' Rücktritt war letztendlich die Haltung des ADR-Vorsitzenden beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Jacques-Yves Henckes macht als unabhängiger Abgeordneter weiter. Dass Colombera im Gegensatz zu dem Zentrumsabgeordneten nicht als unabhängiger Volksvertreter weitermacht, hängt auch mit der finanziellen Situation der ADR-Fraktion zusammen.

Das Parteienfinanzierungsgesetz sieht vor, dass die Zuwendungen an die Fraktionen in Abhängigkeit ihrer Mitgliederzahl erfolgen. Durch den Austritt von Jacques-Yves Henckes steht der ADR-Fraktion nun also weniger Geld zu. Hätte auch Colombera als unabhängiger Mandatsträger weitergemacht, hätten sich die Zuwendungen also halbiert. Die Arbeitsplätze der Fraktionsmitglieder wären in Gefahr gewesen. Dass Henckes und Colombera der Partei den Rücken zu kehren, habe hingegen keine Auswirkungen auf die Finanzsituation der Partei, erklärte Gast Gibéryen.  

Robert Mehlen war gegenüber der Presse auf Ausgleich bedacht. Man könne heute in der Politik nicht mehr unbedingt von „rechts“ oder „links“ reden. Bei der ADR habe dies ohnehin nie eine große Rolle gespielt. Die ADR habe stets einen „pragmatischen Ansatz“ verfolgt. Auf die Frage, ob er beim Parteikongress im März für das Amt des Parteivorsitzenden zur Verfügung stehe, meinte der Ehrenvorsitzende, er hoffe, dass „die junge Generation“ weitermache. Auf jeden Fall werde die ADR weiterhin eine gute Oppositionsarbeit leisten, betonte der scheidende Präsident Kartheiser.


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