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Acht Fragen und Antworten zur Notrufzentrale 112
Lokales 5 Min. 11.02.2016 Aus unserem online-Archiv
"11.2.": Europäischer Tag des Notrufs

Acht Fragen und Antworten zur Notrufzentrale 112

Bei drei von vier Anrufen, die beim „112“ eingehen, liegt keine Situation vor, die den Einsatz von Ambulanz, Samu oder Feuerwehr erforderlich macht. Oft wollen die Anrufer eine Auskunft. Was jedoch nicht die Mission des 112 ist.
"11.2.": Europäischer Tag des Notrufs

Acht Fragen und Antworten zur Notrufzentrale 112

Bei drei von vier Anrufen, die beim „112“ eingehen, liegt keine Situation vor, die den Einsatz von Ambulanz, Samu oder Feuerwehr erforderlich macht. Oft wollen die Anrufer eine Auskunft. Was jedoch nicht die Mission des 112 ist.
Foto: Chris Karaba
Lokales 5 Min. 11.02.2016 Aus unserem online-Archiv
"11.2.": Europäischer Tag des Notrufs

Acht Fragen und Antworten zur Notrufzentrale 112

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
In einer Notsituation bekommen Bürger rund um die Uhr bei der Notrufzentrale in Cloche d'Or schnelle Hilfe. Dort klingelt das Telefon im Minutentakt. Meist liegt aber gar kein Notfall vor.

(DL) - Ob bei einem Unfall, einem gesundheitlichen Problem, einem Feuer: In einer Notsituation ist schnelle Hilfe lebenswichtig. Diese bekommen Bürger rund um die Uhr bei der Notrufzentrale, die nicht nur in Luxemburg, sondern europaweit unter der Durchwahl 112 zu erreichen ist. In der Notrufzentrale in Cloche d'Or klingelt das Telefon im Minutentakt. Meist liegt aber gar kein Notfall vor. Ein Überblick in acht Punkten.

1) Wer ruft beim 112 an?

Innerhalb von 24 Stunden gehen beim 112 im Schnitt 1 046 Anrufe ein. Doch nur in jedem vierten Fall liegt tatsächlich eine Notsituation vor. Darunter sind wiederum Zwischenfälle, die mehrfach gemeldet werden. 198 von den 1 046 durchschnittlichen Anrufen münden schließlich in einen Einsatz von Ambulanz, Samu, Feuerwehr oder Rettungshelikopter.

2) Wann wähle ich den Notruf?

  • eine oder mehrere Personen sind verletzt oder erkrankt
  • bei Unfällen mit Verletzten, die zum Beispiel im Straßenverkehr oder zu Hause passiert sind
  • bei Bränden
  • bei Überschwemmungen
  • bei Vergiftungen -bei Verschmutzungen
  • bei jeder anderen Situation, die für Menschen gefährlich sein kann
  • wenn eine Person zwischen Mitternacht und sieben Uhr morgens auf einen Hausarzt angewiesen ist – die Notrufzentrale vermittelt in diesem Fall einen Hausbesuch durch den diensthabenden Arzt. Zwischen 20 Uhr und Mitternacht sollen Patienten sich hingegen direkt in eine „maison médicale“ begeben.

3) Wann wähle ich nicht den Notruf?

  • wenn ich wissen möchte, welche Krankenhäuser, Apotheken, Zahnärzte oder Tierärzte gerade Dienst haben
  • um einen nicht dringenden Ambulanz-Transport anzufragen 
(Ambulanz-Taxi)
  • für andere Auskünfte, die nichts mit den Rettungskräften
zu tun haben
Informationen zu diensthabenden Krankenhäusern, Tierärzten und 
Apotheken bekommt man in der Zeitung, im Internet (www.112.lu, www.pharmacie.lu, www.amvl.lu), beim Infotel (9007-1234). Wer einen Schlosser, ein Ambulanz-Taxi oder etwas ähnliches benötigt, soll die nationale Auskunftsstelle anrufen (11817).

4) Was sage ich dem Mitarbeiter des 112?

Folgendes sollten Sie dem Mitarbeiter der Notrufzentrale mitteilen:

  • Wer ist am Telefon?
  • Wo ist es zu einem Zwischenfall gekommen?
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen sind verletzt?
  • Welche Details sind noch zu nennen? Zum Beispiel: Atmet die betroffene Person normal? Wurde jemand eingeklemmt?

Der Mitarbeiter des 112 wird Ihnen weitere Fragen stellen. Bleiben Sie am Telefon, bis die Notrufzentrale bestätigt, dass sie alle benötigten Informationen hat. Kehren Sie dann zu dem Opfer zurück und leisten Sie wenn möglich Erste Hilfe. Helfen Sie den Rettungsdiensten den Ort des Geschehens zu finden.

5) Was sind das für Einsätze, die vom 112 koordiniert werden?

Binnen 24 Stunden werden im Schnitt 198 Einsätze vom 112 koordiniert. Sie teilen sich wie folgt auf:

  • 56 Prozent: Rettungsdienst
  • 15 Prozent: technische Hilfeleistungen
  • 11 Prozent: Notarzteinsätze
  • 9 Prozent: Technische Rettung
  • 4 Prozent: Brände
  • 3 Prozent: International und Verschiedenes
  • 2 Prozent: Ärztlicher Bereitschaftsdienst

6) Wie funktioniert die Notrufzentrale?

Rund um die Uhr sind hier mindestens drei Personen im Einsatz. In Zukunft werden es sogar vier sein, erklärt Christopher Schuh, Leiter des CSU (Central des Secours d'Urgence). Diese Mitarbeiter haben alle eine spezielle Ausbildung absolviert. Gearbeitet wird in Zwölf-Stunden-Schichten.

Liegt eine Notsituation vor, so organisiert der 112 umgehend Hilfe. Bei einem medizinischen Notfall wird zunächst abgewogen, ob eine Ambulanz ausreicht, oder ob auch ein Notarzt und/oder die sogenannten „First Responder“ an einen Ort geschickt werden. Bei den „First Respondern“ handelt es sich um Mitglieder der lokalen Feuerwehrsektion, die über eine Zusatzausbildung verfügen und die zum Beispiel im Falle eines Herzstillstands eine lebenswichtige Erstversorgung in Form einer Herzmassage durchführen können – bis der Notarzt eintrifft. Aktuell bieten 46 lokale Feuerwehrsektionen den „First Responder“-Dienst an. Vor allem in den ländlichen 
Regionen spielen diese „First Responder“ eine extrem wichtige Rolle, zählt doch im Ernstfall jede Minute.

Christopher Schuh, Leiter der Notrufzentrale 112.
Christopher Schuh, Leiter der Notrufzentrale 112.
Foto: Chris Karaba

„Heute gibt es landesweit 25 Stellen, an denen eine Ambulanz bereitsteht, sowie um die 110 lokale Feuerwehrkorps, erklärt Christopher Schuh. Diese lokal präsenten Einsatzkräfte werden dann sofort an den Ort des Geschehens beordert. Dieser Prozess soll aber in zwei Monaten mit der Einführung eines neuen „Einsatzleitsystems“ optimiert werden. „In Zukunft wird nicht mehr prinzipiell jene Ambulanz oder jene Feuerwehr eingesetzt, die eigentlich, der territorialen Aufteilung zufolge, zuständig wäre – sondern jene, die am schnellsten vor Ort sein kann“, so Schuh.

Befindet sich eine Ambulanz also beispielsweise auf der Rückfahrt von einem Einsatz, und es passiert in der Nähe ein akuter Notfall, so kann sie gleich für diesen Zwischenfall eingesetzt werden. Dies wird zwar schon heute teilweise getan – dank des neuen Systems soll dieser Vorgang aber noch verbessert werden.

7) Was versteht man unter Telefonreanimation?

Weil die ersten Minuten die wichtigsten sind, hat die Notrufzentrale 112 vor zwei Jahren mit Telefonreanimation begonnen. Wird bei einem Notruf erkannt, dass ein Herzstillstand vorliegt, dann bleibt der Disponent des 112 am Telefon und gibt dem Anrufer Anweisungen, wie er das Opfer reanimieren soll.

Hierzu wurde eigens ein Protokoll ausgearbeitet, das in drei Sprachen vorliegt und an welchem sich die Mitarbeiter der Notrufzentrale orientieren, wenn sie einem Anrufer erklären, wie er vorgehen soll. Im Falle eines Herzstillstands spielen aber auch sogenannte Defibrillatoren eine zentrale Rolle, die an immer mehr Standorten zu finden sind. Ziel der Notrufzentrale ist es, dem Anrufer in Zukunft sagen zu können, wo in der Nähe ein Defibrillator hängt.

8) Sieht die Zentrale, von wo aus ich anrufe?

Gerade bei Verkehrsunfällen ist es nicht immer einfach, den genauen Ort des Geschehens zu bestimmen. Ein Anliegen der Notrufzentrale ist es daher, Menschen in Gefahr zukünftig via ihr Telefon orten zu können, erklärt Christopher Schuh, Leiter der Notrufzentrale 112. Momentan erfahren die Mitarbeiter des 112 lediglich, von welchem Sendemast aus ein Anruf eingeht – eine Information, die in der Regel nicht ausreicht, um zum Beispiel ein Unfallopfer zu finden.

„Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene setzen wir uns derzeit dafür ein, dass wir die Telefone, von denen aus wir alarmiert werden, künftig orten können“, unterstreicht Schuh. Bis dieses Ziel erreicht wird, schafft die Gratis-App „Echo112“ Abhilfe, die speziell für Anrufe bei der Notrufzentrale konzipiert wirde. Ruft eine verunfallte Person via besagte Smartphone-Anwendung beim 112 an, so werden auch gleich die GPS-Daten des Aufenthaltsorts mitgeliefert.


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