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Abus de faiblesse: Anklage fordert zwölf Monate Haft
Lokales 2 Min. 28.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Abus de faiblesse: Anklage fordert zwölf Monate Haft

Abus de faiblesse: Anklage fordert zwölf Monate Haft

Foto: Pierre Matgé
Lokales 2 Min. 28.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Abus de faiblesse: Anklage fordert zwölf Monate Haft

Maximilian RICHARD
Maximilian RICHARD
Drei Personen sollen unter anderem einen älteren Herrn um mehr als eine Viertelmillion Euro betrogen haben. Sie müssen sich zurzeit wegen Abus de faiblesse vor Gericht verantworten.

Alt, alleinstehend und kaum Familie: Nach diesem Muster soll sich Salomé V. dem Vertreter der Staatsanwaltschaft zufolge ihre Opfer ausgesucht haben. Die 62-Jährige muss sich zurzeit wegen Betruges, Geldwäsche und Abus de faiblesse vor Gericht verantworten. Sie soll den Zustand der Schwäche von drei älteren Herren in betrügerischer Absicht ausgenutzt haben. Über 150 000 Euro sollen auf dem Konto der Frau eingegangen sein – eines der Opfer soll ihr in mehreren Transaktionen 134 000 Euro überwiesen haben. Hinzu kommen diverse Bargeldbeträge. 


Abus de faiblesse: Dem Geld auf der Spur
Mehr als eine Viertelmillion Euro soll ein älterer Herr an die Angeklagten überwiesen haben. Sie müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Auch Cécile S. und Johnny G. sollen jenen Mann betrogen und ausgenutzt haben. Das Paar sitzt neben Salomé V. auf der Anklagebank. Der Busfahrer und die ausgebildete Krankenschwester sind ebenfalls wegen Betrugs, Abus de faiblesse und Geldwäsche angeklagt. Das Paar hatte den Mann im Jahr 2014 nach einem Schlaganfall gepflegt, nachdem der ältere Herr nicht mehr im Krankenhaus bleiben wollte. Er ließ sich damals gegen ärztlichen Rat entlassen.

 Für ihre Dienste sollten die beiden Angeklagten jeweils einen Stundenlohn von 50 Euro erhalten. Den Ermittlungen zufolge erhielt das Paar weitaus mehr Geld. Kurz nachdem der Mann im Juni 2014 entlassen wurde, flossen 135 000 Euro auf die Konten der Angeklagten. Auch erhielten sie mehrere Bargeldbeträge.

Im Zusammenhang mit den Überweisungen gibt es zudem ein Schreiben, dass eine Schenkung in dieser Höhe beglaubigt. Das Opfer kann sich aber nicht mehr daran erinnern, das Dokument verfasst zu haben. Ein Gutachter, der das Schriftbild des Dokuments untersuchte, fand jedoch Ähnlichkeiten mit der Handschrift von Johnny G. Dieser bestreitet, das Dokument gefälscht zu haben. 

Bewährung unter Auflagen

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah die Vorwürfe bei allen drei Angeklagten als gerechtfertigt. Sie hätten den Opfern falsche Tatsachen vorgespielt. So habe Salomé V. ihren Opfern erzählt, sie habe ernsthafte finanzielle Probleme. Die Ermittlungen hätten dies nicht bestätigt. Auch hätten zwei der Opfer geglaubt, Salomé V. wäre ihre feste Freundin. Die Angeklagte redete jedoch vor Gericht nur von guten Freundschaften. 

Das Paar habe sich gegenüber seinem Opfer als unentbehrlich aufgespielt. Sie hätten den Mann glauben lassen, dass nur ihre Pflege dafür sorgen könne, dass er nicht zurück ins Krankenhaus müsse. Davor habe der Mann panische Angst gehabt.


Paar pflegt alten Mann und bereichert sich
Mehrere Angeklagte sollen den Schwächezustand von älteren Männern ausgenutzt haben. Die Opfer sollen um hohe Geldsummen betrogen worden sein.

Mit ihrem Handeln hätten die drei Angeklagten ihren Opfern Schaden zugefügt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte für jeden von ihnen eine angemessene Geldstrafe sowie zwölf Monate Haft. Diese könne auf Bewährung ausgesetzt werden – unter der Bedingung, dass die Angeklagten ihren Opfern die Geldsummen zurückzahlen. 

Verteidigung fordert Freispruch

Der Verteidiger von Salomé V. sah die Anklagepunkte gegen seine Mandantin nicht als bestätigt. Keiner der Männer habe sich geschädigt gefühlt. Sie hätten aus freien Stücken gehandelt. Zudem habe keiner von ihnen Anzeige erstattet. Wie die mutmaßlichen Opfer mit ihrem Geld umgegangen seien, sei keine juristische Frage, sondern eine der Weltanschauung. 

Auch der Anwalt des Paars forderte einen Freispruch. Sie hätten sich gut um den Mann gekümmert. Zu keinem Zeitpunkt hätten sie Druck ausgeübt, um mehr Geld zu bekommen. Er habe freiwillig gehandelt.

Das Urteil ergeht am 14. Februar.


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