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Abschlussexamen: Der Kampf um die Bestnote hat begonnen

Abschlussexamen: Der Kampf um die Bestnote hat begonnen

Abschlussexamen: Der Kampf um die Bestnote hat begonnen

Abschlussexamen: Der Kampf um die Bestnote hat begonnen


von Rosa CLEMENTE/ 20.05.2019

Foto Anouk Antony

Im Lycée de garçons in Esch (LGE) haben am Montag 158 Primaner ihr Können unter Beweis gestellt. Nach dem Examen konnten alle erleichtert aufatmen.

Montag, 7.30 Uhr. 

Vor den gläsernen Türen des Préau im Escher Lycée de garçons (LGE) haben sich bereits Dutzende Schüler versammelt. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft. Hastig überfliegen einige Primaner noch die mit bunten Post-its markierten Seiten in ihren Lehrbüchern, andere tauschen Notizblätter untereinander aus und reden durcheinander. 

Foto: Anouk Antony

Einige wenige rauchen noch schnell eine letzte Zigarette, bevor sie sich ins zweite Stockwerk begeben. Denn dort, im Festsaal, finden die alles entscheidenden Abschlussexamen für die Sektionen Sprachen (A), Mathematik (B), Natur- (C) und Wirtschaftswissenschaft (D) statt. Die Schüler der Musik- (F) und Kunstklassen (E) schreiben ihre Prüfungen in der Salle polyvalente. 

In diesem Jahr nehmen landesweit 3.479 Abiturienten an den mehrstündigen Examen teil – im LGE sind es insgesamt 158 Schüler, 82 davon sind junge Frauen, 76 Jungs. Bob Rossi ist einer von ihnen. Der Schüler der C-Sektion schreibt ein Examen in Biologie, sein Hauptfach. Im Gegensatz zu vielen Mitschülern sieht der 21-Jährige den Prüfungen eher gelassen entgegen: „Ich habe gut geschlafen und bin auch nicht aufgeregt. Schließlich haben wir den Stoff bereits seit September wiederholt. In den vergangenen drei Wochen habe ich zudem intensiv gelernt. Somit glaube ich, dass es klappen wird“, meint der junge Mann entschlossen. Dennoch ist er sich seiner Sache nicht absolut sicher. 

Foto: Anouk Antony

Gehetzt laufen Primaner an ihm vorbei, um in einen Klassenraum mit offen stehender Tür zu gelangen. „Das ist heute die Garderobe. Die Schüler müssen dort ihre Sachen ablegen. Außer Stiften, einem Taschenrechner, einem Lineal sowie etwas zu trinken und zu essen dürfen die Primaner kaum mehr etwas mit in den Examensraum nehmen“, erklärt Schulleiter Pascal Bermes und betont, dass vor allem die Handys und Smartuhren verboten sind. 

Der Countdown läuft 

7.45 Uhr: Einige Minuten dauert es noch bis zum Beginn des Fragenmarathons. Im Flur ist es alles andere als still: Man hört nervöses Gelächter, einige jüngere Mitschüler kommen vorbei, um den Älteren viel Glück zu wünschen. „Allez, elo hu mir d'Joer bal gepackt. Just nach eng Kéier op d'Zänn bäissen“, motiviert eine Schülerin ihre Freundin und umarmt sie dabei ganz fest. 

Yannick hat dafür gesorgt, dass er während dem Mathematik-Examen keinen Hunger bekommt.
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Die meisten Schüler scheinen mit dem Stress klarzukommen, ein wenig aufgeregt sind sie trotzdem. Noch schnell einen Blick auf den Zettel mit der Sitzordnung an der Tür des Festsaals und schon gewährt Direktor Bermes den Abiturienten Eintritt in den Examensraum. Es wird gedrängelt. Einige Primaner begeben sich schnell durch die Reihen auf ihre Plätze. Andere suchen mit vollgepackten Armen nach ihrer Sitzbank.   

So auch Yannick aus der Mathematikklasse: Der B-Schüler hat neben seiner Wasser- und Colaflasche auch noch eine große Tupperware-Box mit gekochten Kartoffeln mitgebracht: „Das Examen dauert insgesamt vier Stunden. Ich habe also vorgesorgt, falls ich Hunger bekomme“, witzelt der junge Mann mit grün gefärbten Haaren. 

Foto: Anouk Antony

8 Uhr: Allmählich füllt sich der Festsaal. Auf den blauen Bühnenvorhängen sind die ermutigenden Worte „Bonne Chance“ zu lesen. Auf und vor der Bühne warten Lehrer, Hilfslehrer und Mitglieder der Direktion darauf, die Fragebogen auszuteilen. Davor aber greift Direktor Pascal Bermes zum Mikrofon: „Ich bin froh, dass ihr heute alle pünktlich hier wart. Ich wollte euch noch kurz ein paar Worte zum ,knäipen‘ sagen. Wie ihr wisst, wird während des Examens weder gesprochen noch vom Nachbar abgeschrieben. Und auch Handys oder sonstige Kommunikationsmittel sind nicht gestattet.“   

Foto: Anouk Antony

Punkt 8.15 Uhr: „Et geet elo lass“, sagt Bermes und wünscht allen viel Erfolg. Die Schüler drehen sofort ihre Fragebögen um – das Examen kann beginnen. Einige werfen sich noch kurz verzweifelte Blicke zu, andere beginnen sofort, ihr Wissen niederzuschreiben. 

Hoffnung auf Erfolg 

Nach rund zwei Stunden müssen die Schüler der Musik-, Kunst- und Literaturklassen ihre Kopien abgeben. Sie haben die erste Hürde des Prüfungsmarathons bestanden und verlassen sichtlich erleichtert den Examensraum. 

Kelly Rodrigues (18) und Lisanne Furtado (19) finden, dass das Werk "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann eine gute Wahl war für das Première-Examen.
Kelly Rodrigues (18) und Lisanne Furtado (19) finden, dass das Werk "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann eine gute Wahl war für das Première-Examen.
Foto: Rosa Clemente

So auch Kelly Rodrigues und Lisanne Furtado, Schülerinnen der A-Sektion, die gerade in ihrem Hauptfach Deutsch geprüft wurden. „Die Dissertation über das Werk von Thomas Mann ,Der Tod in Venedig‘ war nicht sehr schwer. Wir hatten uns ja auch gut vorbereitet“, meint Lisanne mit einem schüchternen Lächeln im Gesicht. Ihre Mitschülerin Kelly fügt dann etwas selbstbewusster hinzu: „Ich habe insgesamt sogar acht Seiten vollgeschrieben. Für eine gute Note müsste das ausreichen.“ 

(v.l.n.r.) Louis Elsen (19), Leonardo Capus (19), Denis Hill (19) und Keano Matteagi (18). Dir Truppe aus der E-Sektion ist sich sicher, dass sie das Kunstgeschichte-Examen geschafft haben.
(v.l.n.r.) Louis Elsen (19), Leonardo Capus (19), Denis Hill (19) und Keano Matteagi (18). Dir Truppe aus der E-Sektion ist sich sicher, dass sie das Kunstgeschichte-Examen geschafft haben.
Foto: Rosa Clemente


Leonardo Capus, aus der E-Sektion, hat genau ausgerechnet, wie viel er braucht, um durchzukommen: "Nur 13 im Examen und dann 40 im Oral, dann bin ich durch. Natürlich gebe ich aber mein Bestes, um mehr als nur das Minimum zu erreichen." Der 18-jährige Kunstschüler erklärt, dass er nicht einfach alles nur auswendig lernen mussten, sondern: "Man muss Kunstgeschichte verstehen und das Fachjargon beherrschen. Jedes einzelne Wort auswendig dahin schreiben machen aber nur noch die wenigsten."


David Mentz (19), Nora Huss (19) und Deborah Minelli (19) waren zufrieden mit ihrer Leistung beim ersten Sprachexamen.
David Mentz (19), Nora Huss (19) und Deborah Minelli (19) waren zufrieden mit ihrer Leistung beim ersten Sprachexamen.
Foto: Rosa Clemente

Auch der 19-jährige David Mentz war vom Deutsch-Examen positiv überrascht: „Es war wirklich nicht so schwer, wie ich gedacht hatte.“ Viel schwieriger soll ihm zufolge die Prüfung am 6. Juni werden: „Italienisch wird der blanke Horror.“ Nora Huss stimmt kopfnickend ihrem Klassenkameraden zu und bedauert: „Ich verstehe nicht, warum der Prüfungsplan der A so aufgeteilt wurde. Vor den Ferien schreiben wir sieben Examen, nach der Pfingstwoche aber nur zwei. Das ist nicht sehr ausgeglichen.“ 

Kevin Morais (20) (l.) und Sam Maquet (19) waren vorzeitig mit dem Ecopol-Examen fertig.
Kevin Morais (20) (l.) und Sam Maquet (19) waren vorzeitig mit dem Ecopol-Examen fertig.
Foto: Rosa Clemente

Ein bisschen früher als geplant verlässt Sam Maquet, 19, den Prüfungsraum, Der Première-D-Schüler hätte eigentlich bis 11.15 Uhr schreiben dürfen, war aber bereits gegen 10.30 Uhr fertig. „Ich mache das Ecopol-Examen zum zweiten Mal. Dieses Jahr klappt es“, meint er zuversichtlich und erklärt, dass er die Kopie lieber abgibt, sobald er fertig ist, anstatt bei einem zweiten Überlesen aus Versehen dann noch Fehler zu machen. 

Direktor Bermes wünscht sich auf jeden Fall, dass alle Primaner den Weg bis zum Abi-Diplom mit Bravour meistern und keiner „auf der Strecke bleibt“.  



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