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Abschied von der Plastiktüte
Lokales 4 Min. 27.12.2018

Abschied von der Plastiktüte

Die Papiertüte wird ihr Pendant aus Plastik zusehends ersetzen. Einwegbeutel aus Kunststoff dürfen zwar weiterhin vergeben werden, allerdings nur 
gegen eine Gebühr. Schon jetzt verlangen einige Geschäfte ein paar Cent dafür – nach dem 31. Dezember ist dies Pflicht.

Abschied von der Plastiktüte

Die Papiertüte wird ihr Pendant aus Plastik zusehends ersetzen. Einwegbeutel aus Kunststoff dürfen zwar weiterhin vergeben werden, allerdings nur 
gegen eine Gebühr. Schon jetzt verlangen einige Geschäfte ein paar Cent dafür – nach dem 31. Dezember ist dies Pflicht.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 4 Min. 27.12.2018

Abschied von der Plastiktüte

Diane LECORSAIS
Diane LECORSAIS
Weihnachten ist gerade erst vorbei, Silvester steht vor der Tür und viele Läden werben mit starken Rabatten. In den Fußgängerzonen und Einkaufszentren ist denn auch weiterhin Tütenschleppen angesagt. Tüten aus Plastik dürften jedoch künftig rar werden.

Seit 2007 müssen Kunden an der Supermarktkasse für Einwegtüten aus Plastik bezahlen. Drei Cent kosteten die sogenannten Behelfstüten (Sac de dépannage) in einer ersten Phase, seit Anfang 2018 werden fünf Cent fällig. Der Verbrauch dieser Art von Plastiktüten konnte seit Einführung der Gebühr erheblich gesenkt werden – von 138,4 pro Person im Jahr 2006 auf nur mehr 10,8 in 2016, wie entsprechende Zahlen von der Gesellschaft Valorlux zeigen.

In vielen Kleidergeschäften, an der Tankstelle, beim Metzger oder in der Apotheke wurde den Kunden bislang hingegen oft noch eine gratis Plastiktüte ausgehändigt. Doch damit ist im neuen Jahr Schluss. So sieht es das Gesetz vom 21. März 2017 vor, mit dem einer entsprechenden EU-Direktive Rechnung getragen wird, die darauf abzielt, den Plastikverbrauch EU-weit drastisch zu reduzieren.

Von Montag an dürfen Plastiksäcke mit einer Wandstärke über 15 Mikrometer demnach nirgends mehr kostenfrei über die Theke gehen. Händler, die dieses Verbot ignorieren, riskieren eine Geldstrafe zwischen 50 und 1 000 Euro. Von der Regelung ausgenommen sind sogenannte ultraleichte Tüten (weniger als 15 Mikrometer), wie man sie etwa in der Gemüseabteilung, beim Fleischhändler oder an der Käsetheke erhält.

Papiervariante als Alternative

Eine Änderung, auf die die Händler, so scheint es, gut vorbereitet sind. Die Confédération luxembourgeoise de commerce (CLC) beispielsweise hat ihren Mitgliedern im Juli eingehend das neue Gesetz erklärt, heißt es dort auf Nachfrage hin. Auch Astrid Freis, Präsidentin des Escher Geschäftsverbands, bestätigt, dass sich die meisten Ladenbetreiber längst nach Alternativen umgesehen haben: „Der Großteil unserer Mitglieder hat schon vor geraumer Zeit auf Papiertüten umgestellt.“

Preislich gesehen mache dies für die Händler kaum einen Unterschied, und: „Die Tragetaschen aus Karton eignen sich auch besser, um Werbung darauf abzudrucken. Es sieht viel besser aus“, so Freis. Ihrer Erfahrung nach hat bei den Verbrauchern aber ohnehin längst ein Umdenken eingesetzt: „Schon jetzt beobachten wir, dass viele Kunden eine Tüte ablehnen und stattdessen ihre eigene Tragetasche mitbringen.“

Vermutlich nicht im Sinne der neuen Gesetzgebung: Mit Plastikfolien vor Regen geschützte Tragetüten aus Papier.
Vermutlich nicht im Sinne der neuen Gesetzgebung: Mit Plastikfolien vor Regen geschützte Tragetüten aus Papier.
Foto: Pierre Matgé

Die allseits beliebte Öko-Tut

So zum Beispiel die vor 15 Jahren von Valorlux eingeführte Öko-Tut, die zum Preis von 50 (klein) beziehungsweise 70 Cent (groß) an den hiesigen Supermarktkassen erhältlich ist. „Wir stellen fest, dass der Eco-sac seit seiner Einführung im Jahr 2004 ein sehr populäres Produkt in Luxemburg geworden ist“, sagt Valorlux-Sprecherin Adeline Massolin-Toussaint. Die Öko-Tut überzeuge durch ihre Qualität, die Robustheit, den Umstand, dass sie praktisch ist, austauschbar, aus recycelbaren Materialien besteht und selbst recycelt werden kann, so Massolin-Toussaint.

Eine beschädigte Öko-Tut kann übrigens in allen teilnehmenden Läden kostenlos gegen ein neues Exemplar ausgewechselt werden. Nicht mehr benötigte Eco-sacs können im Recyclingcenter abgegeben werden. Dennoch sind in den Supermärkten auch weiterhin Einwegtüten erhältlich. Ob die Preiserhöhung von drei auf fünf Cent, die zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist, dazu geführt hat, dass deren noch weniger verbraucht werden, könne man zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen, so Adeline Massolin-Toussaint.

Die Botschaft auf den Tüten – „Please forget me“ – weist aber ganz klar auf das angestrebte Ziel hin, die Zahl der verwendeten Einwegtüten weiterhin zu reduzieren. Nationales Ziel ist es, dass jeder Einwohner bis Ende 2019 insgesamt nur mehr maximal 90 Plastiktüten pro Jahr verbraucht, Ende 2025 sollen es deren höchstens noch 40 sein. Aktuell kommt jeder Bürger im Durchschnitt auf 140 Plastikbeutel im Jahr. Diese Zahl betrifft die bereits kostenpflichtigen und die bislang kostenlosen Tüten.

Plastikbeutel in den grünen Sack

Übrigens werden nicht benötigte Einwegtüten in 20 Gemeinden des Landes inzwischen auch von Valorlux eingesammelt – dies über den grünen Sack, der dort den blauen Sack ersetzt hat.

Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt. Zusätzlich zu Plastikflaschen und Flakons, Dosen, Speiseschalen aus Aluminium, Getränkekartons sowie Kartons für Suppen, Soßen und Co. dürfen über den grünen Sack auch Kunststofffolien, Plastikbeutel und Plastiktüten entsorgt werden. „Dadurch, dass im grünen Sack auch Plastikfolien und Tüten eingesammelt werden, ist die Menge an gesammelten Materialien dort um zehn Prozent gestiegen“, erklärt die Valorlux-Sprecherin.

Der bevorstehende Abschied von den Einwegtüten aus Kunststoff ist dabei nur ein Schritt von mehreren, die auf EU-Ebene im Kampf gegen das Plastik unternommen werden. Erst vor wenigen Tagen hat die Europäische Union das Aus von anderen Wegwerfprodukten, darunter Plastikteller und -geschirr, Trinkhalme und Wattestäbchen, beschlossen. Besagte Artikel sollen von 2021 an nicht mehr im Handel erhältlich sein.


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