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Abriss der Ronn Bréck: "Für Esch 2022 ist Geld da, für unsere Kultur nicht"

Abriss der Ronn Bréck: "Für Esch 2022 ist Geld da, für unsere Kultur nicht"

Foto: Luc Ewen
Lokales 2 Min. 13.04.2017

Abriss der Ronn Bréck: "Für Esch 2022 ist Geld da, für unsere Kultur nicht"

Luc EWEN
Luc EWEN
Der Abriss der "Ronn Bréck" schreitet voran. Und nun, da das Verschwinden des Industriedenkmals sichtbar wird, macht sich im Neudorf Enttäuschung und etwas Wut breit.

(L.E.) - "Esch ändert sein Gesicht". Was in den Ohren eines unbedachten Passanten wie ein Werbespruch für die Kandidatur der einst als "Minettmetropole" betitelten Stadt Esch klingen könnte, ist ein Seufzer, der einem älteren Herrn am Donnerstag beim Escher Neudorf entfuhr. Der Mann, der vorher dem Treiben auf der Baustelle zum Abriss der "Ronn Bréck" zugesehen hatte,  wendet sich ab und geht langsam davon. Sein Gesichtsausdruck lässt erkennen, dass er seine Aussage keineswegs im positiven Sinne machte.

Derzeit laufen die Abrissarbeiten für die "Ronn Bréck". Die Brücke, die einst dem Stahlwerk "Arbed" gehörte, hat schon lange ausgedient. Eine kurze Zeit lang wurde über eine andere Nutzung nachgedacht. Eine Radpiste oder ein Wanderweg sollten über sie führen, doch eine Instandsetzung wäre zu teuer geworden, heißt es. Ein Argument das dieser Tage im Neudorf nur Kopfschütteln oder betretenes Schweigen hervorruft.

"Für eine Kandidatur als Kulturhauptstadt Esch 2022  ist Geld da, aber um unsere Industriekultur zu erhalten nicht", ruft eine Frau einer Bekannten auf den anderen Straßenseite zu. Die stimmt zu.

Ein erster Teil des Rundbogens wird entfernt
Ein erster Teil des Rundbogens wird entfernt
Foto: Luc Ewen

Auch Nicole Dillmann-Eck aus der Rue de Schifflange blickt auf die Arbeiten bei der „Ronn Bréck“. Unverständnis ist ihrem Blick zu entnehmen. Dies nicht nur wegen der Abrissarbeiten, sondern vor allem wegen der Frage des Journalisten.

Der wollte tatsächlich wissen ob sie sich freue, künftig freien Blick vom Haus aus auf Esch zu haben. „Nein!“ meint sie, als sie sich nach einer kurzen Atempause – die nach solch einer abstrusen Frage nötig war – wieder etwas gefasst hat. „Ich blicke seit 1959 aus diesem Fenster auf ,unsere‘ Brücke, und ich will das weiterhin 100 Mal lieber als eine freie Sicht.“

Die Brücke sei ein Symbol für die Vergangenheit der Region, die Stahlindustrie, die Arbeit der Eltern und Großeltern. Dass nach und nach alles, was daran erinnere, verschwinde, das verstehen Nicole und ihr Mann Robert nicht.

Einst wurde die "Ronn Bréck" wegen ihrer Bauweise auch als "Escher Eiffelturm" betitelt.
Einst wurde die "Ronn Bréck" wegen ihrer Bauweise auch als "Escher Eiffelturm" betitelt.
Foto: Luc Ewen

Der denkt auch an die Vögel, die in der Brücke nisten. „Da sind viele Nester, aber bei einem Industriedenkmal, da zählt so etwas nicht.“ In der Tat sind Tauben zu sehen. Doch die Arbeiten schreiten voran. So auch wenige Kilometer weiter in Schifflingen. Die zweiwöchige Sperrung der Eisenbahnstrecke bis Bettemburg wird genutzt, um mehrere Arbeiten durchzuführen. So wird nicht nur die „Ronn Bréck“ abgerissen, auch wird die Unterführung in der Ortsmitte von Schifflingen vorangetrieben.

Bis Ostersonntag einschließlich sollen die Abrissarbeiten im Neudorf andauern. Damit Einwohner aus dem Neudorf trotzdem ins Stadtzentrum gelangen können, gibt es einen Pendelbus. Dieser fährt  bis zum 15. April von 7 bis 19 Uhr den Escher Bahnhof an. Nachts ist der Durchgang für Fußgänger möglich.


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