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75 Jahre Oeuvre: 400 Millionen für den guten Zweck
Lokales 5 Min. 05.12.2019

75 Jahre Oeuvre: 400 Millionen für den guten Zweck

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag wurde unter anderem das Programm für die Jubiläumsfeier der Oeuvre für das kommende Jahr vorgestellt.

75 Jahre Oeuvre: 400 Millionen für den guten Zweck

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag wurde unter anderem das Programm für die Jubiläumsfeier der Oeuvre für das kommende Jahr vorgestellt.
Foto: Chris Karaba
Lokales 5 Min. 05.12.2019

75 Jahre Oeuvre: 400 Millionen für den guten Zweck

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Die Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte feiert im Januar ihr 75. Jubiläum. Es begann 1945 mit dem Aufruf an die Bevölkerung, einen Tageslohn für den guten Zweck zu spenden. Heute ist die öffentliche Einrichtung der philanthropische Schirm über Luxemburg.

"Es ist eine Zahl, die mit Vorsicht zu genießen ist", so Pierre Bley, Präsident der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte, als er sich am Donnerstag während einer Pressekonferenz auf die 400 Millionen Euro bezieht, die laut Léon Losch, Direktor der Loterie nationale, geschätzt während der vergangenen 75 Jahren an die Oeuvre gingen. 

"Früher hatten wir eine andere Währung, auch der Wert des Geldes war natürlich ein anderer. Demnach ist es schwer, eine offizielle Gesamtsumme für 75 Jahren Arbeit zu nennen", erklärt Pierre Bley weiter. Klar sei aber, dass die Oeuvre bis dato unzählige Projekte, Vereinigungen, Organisationen, Stiftungen, Künstler aber auch geschätzt circa 10.000 Weltkriegsopfer im Großherzogtum  finanziell unterstützt hat.

Einen Tageslohn für den guten Zweck

Die Gründung der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte, die am kommenden 23. Januar offiziell 75 wird, wurde an Weihnachten des Kriegsjahres 1944 per großherzoglichem Erlass beschlossen. Damals waren Grande-Duchesse Charlotte und die großherzogliche Familie noch im Exil in den Vereinigten Staaten. Ziel war es, Geld und Hilfsgüter für die Opfer des Zweiten Weltkrieges zu sammeln. 

Der Präsident der Oeuvre Pierre Bley blickt auf die Zeit zurück, in der es vor allem darum ging, Kriegsopfern beizustehen.
Der Präsident der Oeuvre Pierre Bley blickt auf die Zeit zurück, in der es vor allem darum ging, Kriegsopfern beizustehen.
Foto: Chris Karaba

Da der Staat zu diesem prekären Zeitpunkt finanziell nur wenig zur Hilfe der Bevölkerung beisteuern konnte, wurde am 23. Januar 1945, dem Geburtstag von Großherzogin Charlotte, ein Aufruf gestartet. Der Bevölkerung wurde ans Herz gelegt, "einen Tageslohn" für die Missionen der Oeuvre zu spenden.

"In schwierigen Zeiten scheinen die Menschen noch solidarischer zu sein. Die Anteilnahme an dieser ersten Spendensammelaktion war sehr groß, somit konnte die Hilfsarbeit der Oeuvre ihren Zweck endlich erfüllen", erzählt Pierre Bley.   

Seither sind fast 75 Jahre vergangen - und das muss auch gebührend gefeiert werden, so der Präsident. Demnach sind für das Jahr 2020 mehrere Veranstaltungen geplant. "Anhand der verschiedenen Veranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen wollen wir dem Publikum die Arbeit der Oeuvre, aber vor allem auch die Projekte der vielen Künstler und Vereinigungen, die wir in diesem Jahr und auch in den letzten Jahren unterstützt haben, vorstellen", erklärt Beryl Koltz, Kommunikationsbeauftragte der Oeuvre. 

Wie viele Projekte insgesamt in den vergangenen 75 Jahren finanziert oder selbst ins Leben gerufen wurden, kann Präsident Pierre Bley so nicht sagen: "Es sind sehr viele, wenn man bedenkt, dass wir derzeit jährlich circa 200 verschiedene Projekte in den Bereichen Sozialwesen, Kultur, Sportwesen, Umwelt und künftig auch in der Kategorie 'Mémoire' unterstützten." 


Neuer Direktor bei der "Oeuvre"
Der 51-jährige Jurist Emile Lutgen leitet künftig die Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte.

Wichtig zu betonen sei, dass die Oeuvre seit rund zwölf Jahren eigene Initiativen ins Leben ruft - also Brennpunkte der Gesellschaft ausfindig macht, für die dann Projekte gesucht und lanciert werden. Die unterstützten Vereinigungen übernehmen die Exekution dieser Projekte, die Oeuvre finanziert und koordiniert das Ganze. Heute machen die Eigeninitiativen rund zwei Drittel der von der Einrichtung geförderten Projekte aus - ein Drittel sind Dienste, die  soziale Akteuren oder anderer Vereinigungen anbieten, die von der Oeuvre dann lediglich finanziell unterstützt werden.

Erinnerungskultur, ein neues Logo und eine Briefmarke

Mit dem neuen Tätigkeitsfeld "Mémoire", also der Förderung von Projekten in Sachen Erinnerungskultur, soll in Zukunft die soziale, historische und kulturelle Geschichte Luxemburgs an den Mann gebracht werden. Allerdings werden die ersten konkreten Projekte erst Anfang 2021 das Licht der Welt erblicken. 

Julie Conrad bei der Vorstellung des neuen, von ihr kreierten Logos.
Julie Conrad bei der Vorstellung des neuen, von ihr kreierten Logos.
Foto: Chris Karaba

Zur 75. Jubiläumsfeier bekommt die Einrichtung von Großherzogin Charlotte aber auch ein neues Markenbild: Ein buntes, florales Logo, das von der Designerin Julie Conrad konzipiert wurde, soll die Oeuvre künftig in voller Pracht repräsentieren. "Die Idee war es, das zu verbildlichen, was die Oeuvre mit den Hilfsideen und Projekten macht - Sie in ihrer Anfangsphase unterstützen, damit sie aufblühen und zum Erfolg kommen. So wie Knospen, die zu schönen Blumen werden", meint Julie Konrad. 

Und auch in Form einer Briefmarke wird das neue Logo der Oeuvre im kommenden Jahr zu sehen sein. "Wir sind sehr stolz darauf und sehr froh über die tolle Zusammenarbeit mit der Post", versichert Emile Lutgen, der seit Julie dieses Jahres der neue Direktor der öffentlichen Einrichtung ist. 

Die Briefmarke mit dem neuen Logo der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte kommt wird als Block erhältlich sein.
Die Briefmarke mit dem neuen Logo der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte kommt wird als Block erhältlich sein.
Foto: Chris Karaba

Eigene Spielautomaten in der Testphase

Aber nicht nur die Oeuvre selbst feiert im kommenden Jahr 75 Jahre, auch der Loterie nationale muss gratuliert werden. "Die Loterie wurde von der Oeuvre nur wenige Monate nach dem Spendenaufruf, im Juli im Jahr 1945, ins Leben gerufen. Der Großteil unseres Budgets geht aus deren Umsatz hervor", so Bley.  


Mains
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Die Leiterin der Loterie Nationale - Oeuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse - unterstützt mit 20 Millionen Euro die Bereiche Umwelt, Kultur, Sport und Soziales.

Und im vergangenen Jahr machte die Loterie denn auch einen historischen Umsatz von 104,3 Millionen Euro. Ein Viertel davon, also in etwa der Nettogewinn, ging an die Oeuvre.

Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang auch ein Problem, nämlich die mehr als 2.000 illegalen Spielautomaten in Luxemburgs Cafés und Bars, wie Léon Losch bei der Vorstellung der Jahresberichts 2018 in diesem Sommer zu bedenken gab. Man kann also nicht von Zufall reden, dass die Loterie nun auch eigene Spielautomaten in den Umlauf gebracht hat. "Diese sind jedoch legal und für den Kunden sicher. Derzeit haben wir Maschinen in sechs Gaststätten installiert. Die Testphase wird nun circa ein Jahr lang laufen. Wir denken, dass im kommenden Jahr etwa 20 Cafés oder Bars mit Maschinen ausgestattet sind, das sind circa 40 Spielautomaten - zwei pro Wirtschaft", erklärt Léon Losch. 


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Eigentlich sind sie nichts anderes als einarmige Banditen, so wie sie nur in Spielkasinos erlaubt sind. Dennoch stehen die Automaten in Gaststätten im ganzen Land und fristen ihr Dasein als Internetterminals in einer Grauzone.

Die Automaten der Loterie seien aber in keinem Fall nur eine Reaktion auf die illegalen Maschinen. "Gegen dieses illegale Vorhaben haben wir ja bereits im Sommer 2018 Klage eingereicht. Wir sind uns bewusst, dass  unsere 40 Spielautomaten nichts im Vergleich zu den anderen 2.000 sind. Allerdings wollten wir den Kunden so eine legale Alternative dazu bieten", schlussfolgert Losch. 



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