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633 Minderjährige in Pflegefamilien oder Erziehungszentren
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl derer, die untergebracht werden mussten, weitgehend unverändert.

633 Minderjährige in Pflegefamilien oder Erziehungszentren

Foto: Pixabay
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl derer, die untergebracht werden mussten, weitgehend unverändert.
Lokales 2 Min. 19.04.2019

633 Minderjährige in Pflegefamilien oder Erziehungszentren

Sarah CAMES
Sarah CAMES
Justizminister Félix Braz bemangelte, dass es aktuell noch keinen Service gibt, der rund um die Uhr verfügbar ist, um Kinder und Jugendliche aus ihrem prekären Umfeld heraus zu holen.

Eine parlamentarische Antwort von Justizminister Félix Braz an den ADR-Abgeordneten Roy Reding am Donnerstagabend gab der Öffentlichkeit einen seltenen Einblick in die Praxis der Unterbringung von Minderjährigen in staatlichen Institutionen oder bei Pflegefamilien.


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Am 31. Dezember 2018 lebten insgesamt 633 Kinder und Jugendliche in Luxemburg  in Erziehungszentren oder bei Pflegeeltern von ihren Familien getrennt. Der Großteil von ihnen, 526 um genau zu sein, kam bei Pflegefamilien unter.

In den Centres socio-éducatifs de l'État in Dreiborn und Schrassig zum Beispiel lebten Ende des Jahres 2018 insgesamt 107 Jugendliche. In diesen Erziehungszentren kommen vor allem Minderjährige unter, die Straftaten begangen haben.

Dreiborn ist eine der staatlichen Stellen, in der Jugendliche unterkommen können.
Dreiborn ist eine der staatlichen Stellen, in der Jugendliche unterkommen können.
Foto: Gerry Huberty

Im Vergleich zum Vorjahr ist die gesamte Zahl derer, die in Pflegefamilien oder in Erziehungszentren untergebracht werden mussten, weitgehend unverändert. Ende 2017 waren insgesamt 528 Kinder und Jugendliche registriert, fünf weniger als 2018.

Die gesamte Zahl aller Kinder und Jugendlichen, die von ihren leiblichen Eltern getrennt leben, liegt allerdings höher. Mehr als 1.300 Minderjährige sind in Heimen, Erziehungseinrichtungen oder Pflegefamilien in Luxemburg untergebracht (Stand Oktober 2018).


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Die Gründe die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche aus ihrem familiären Umfeld entfernt werden und in staatlichen Institutionen oder bei Pflegefamilien unterkommen, sind vielseitig. Oft hängen sie mit dem sozialen und familiären Umfeld der Minderjährigen zusammen, dem Verhalten oder der Entwicklung des Kindes. Auch die Kooperationsbereitschaft der jeweiligen Familien spielt eine Rolle, also in wie fern sie mit dem Jugendschutz oder der Kinderhilfe zusammen arbeiten wollen.

Die Entscheidung, Kinder aus ihren Familien herauszunehmen, wäre stark fallabhängig und müsste anhand einer Vielzahl an faktischen Umständen getroffen werden, so Félix Braz in seiner parlamentarischen Antwort.

Keine hinreichenden Unterbringungsdienste vorhanden

Gerichtlich angeordnete Unterbringungen von Minderjährigen machen rund 81 Prozent aller Placement-Fälle aus. Stimmen Eltern dieser Trennung zu, können sie ihre Kinder selbst in der jeweiligen Pflegefamilie oder Erziehungszentrum abgeben. Diese Lösung würde bevorzugt, so Justizminister Félix Braz, da sie sowohl im Interesse des Kindes ist, als auch in dem der Eltern.


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Häufig willigen die Eltern einer Vermittlung jedoch nicht zu und widersetzen sich dieser. Auch kommt es vor, dass die Familie selbst eine Gefahr für die Kinder darstellt, zum Beispiel bei Misshandlungen und sexuellem Missbrauch. In diesen Fällen wird die Polizei von der Staatsanwalt beordert, die Minderjährigen aus ihrem Umfeld zu entfernen. Diese Anweisungen werden überwiegend von Polizisten in Zivil durchgeführt. Nur äußerst selten käme es vor, dass uniformierte Beamte Kinder und Jugendliche aus ihrem Zuhause holen, zum Beispiel wenn keine spezialisierten Polizisten zur Verfügung stünden.


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In dem Zusammenhang strich Justizminister Félix Braz ausdrücklich hervor, dass es aktuell noch keinen Service gibt, der rund um die Uhr verfügbar ist, um Kinder und Jugendliche aus ihrem prekären Umfeld zu entfernen. Dies sei jedoch vor allem in Missbrauchsfällen absolut notwendig, man könne in solch dringenden Fällen nicht bis zum nächsten Tag oder nach dem Wochenende warten. Fakt sei es nun mal, dass sich vor allem solche dringenden Fälle oft außerhalb der Dienstzeiten abspielten, so Justizminister Braz.

Dieser Misstand sei sowohl der Familienministerin, dem Erziehungsminister und dem Justizminister bekannt und jede Initiative, ihn zu beheben, sei zu unterstützen.


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