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60 Jahre "Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ : Zuerst fragen, dann helfen
Lokales 3 Min. 26.09.2015 Aus unserem online-Archiv

60 Jahre "Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ : Zuerst fragen, dann helfen

Das neue Gebäude der „Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ in Mersch.

60 Jahre "Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ : Zuerst fragen, dann helfen

Das neue Gebäude der „Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ in Mersch.
Foto: FLB
Lokales 3 Min. 26.09.2015 Aus unserem online-Archiv

60 Jahre "Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ : Zuerst fragen, dann helfen

Am Freitag wurde ein neuer Wohnkomplex der „Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ (FLB) eingeweiht. Zwölf Menschen mit einer Sehbehinderung werden hier Platz finden. Das Jahr der Fertigstellung ist zugleich der 60. Geburtstag der FLB.

(dho) - Roger Hoffmann ist seit 31 Jahren Direktor der „Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ (FLB) und selbst blind. Wie man mit einer Behinderung leben soll, davon hat er eine klare Vorstellung: „Man muss seine Behinderung aktiv leben und offen auf die Menschen zugehen. Wichtig ist dabei die gegenseitige Rücksichtname“, so der Direktor.

Blinde Menschen können ein fast autonomes Leben führen. Vor allem der technische Fortschritt ist eine große Hilfe für Blinde meint Roger Hoffmann und zeigt wie er sein Smartphone bedient. Dabei streicht er mit seinem Finger über den Schirm, eine Stimme liest vor.

Wie viele Menschen in Luxemburg sehbehindert sind, darüber gibt es lediglich Schätzungen. Es wird davon ausgegangen, dass insgesamt 2 150 Menschen sehbehindert sind, davon 650 hochgradig bis komplett blind.

Neue Wohnstruktur

Das rasante Wachstum der „Fondation Lëtzebuerger Blannevereenegung“ über die letzten 60 Jahre zeigt, dass die Nachfrage nach Betreuungsstrukturen und Beratung gebraucht und in Anspruch genommen wird. Gestern wurde in Mersch ein neues Gebäude der FLB eingeweiht. Es bietet Platz für zwölf bis maximal 14 sehbehinderte Menschen. Sechs sind bereits eingezogen. „Es handelt sich um eine moderne Wohnstruktur, in der die Bewohner versorgt und betreut werden. Sie sollen ihre Autonomie im Alltag bewahren“, so Roger Hoffmann, Direktor der FLB. Das letzte Projekt der FLB reiht sich somit in die 60-jährige Erfolgsgeschichte ein.

In 60 Jahren gewachsen

Bei der Gründung im April 1955 hatte eine kleine Gruppe von Enthusiasten sich in den Kopf gesetzt, nach ausländischem Vorbild eine Vereinigung zu gründen, um die Bedingungen im Alltag für Blinde und sehbehinderte Menschen zu verbessern.

Eine konkrete Richtung nahm die Arbeit der Gründer 1968 durch die Schenkung des „Weißen Schlösschens“ von Berschbach durch Frau Herta Winandy. Vier Jahre später zogen hier dreizehn Erblindete ein. Nicht lange, dann musste das Gebäude bereits vergrößert werden, und es wurde zum Wohn- und Ferienheim für Blinde. Da die Nachfrage nach Wohnraum für alte Menschen immer größer wurde, wurde es 1984 zum Altenheim für Blinde und Sehbehinderte. Als Folge steigender Nachfrage wurde vor 14 Jahren ein zusätzliches Gebäude eingeweiht.

Das „Blannenheem“

Beim „Blannenheem“ handelt es sich heute um eine soziale Institution der Altenbetreuung mit rund 140 Mitarbeitern. Zielaufgabe ist immer noch die Blinden- und Sehbehindertenbetreuung. In besonderen Fällen ist es auch möglich, dass Menschen unter 65 Jahren aufgenommen werden. Das neue Gebäude der Fondation ist für Menschen gedacht, die eine geschützte Wohnstruktur benötigen und möglichst viel Autonomie bewahren sollen. Dieses Angebot richtet sich an Menschen allen Alters.

Zu einem autonomen Leben gehört auch arbeiten. Mit dem „Bierschbecher Atelier“ wurde 2003 eine Behinderten-Werkstätte geschaffen, wo Menschen mit einer Behinderung einen Arbeitsplatz finden. In der Hörbücherei der Stiftung befindet sich ein Angebot von mehr als 3 300 auf CD gesprochene Bücher und einige Wochenzeitschriften. Der Versand sowie das Ausleihen der CDs sind gratis. Darüber hinaus bietet die Fondation aber auch Freizeitgestaltung an wie zum Beispiel Ausflüge, Sport und Abwechslung durch kreatives Arbeiten in der Töpferei.

Die Zukunft

Roger Hoffmann sieht den Fortschritt, der im Umgang mit und für sehbehinderte Menschen gemacht wurde vor allem in der Sensibilisierungsarbeit und im technischen Fortschritt. Verschiedene speziell entwickelte Geräte und Hilfsmittel sind ebenfalls bei der FLB erhältlich.

Laut dem Direktor ist es wichtig, dass nicht nur die sehbehinderten Menschen lernen, sich im Alltag zurechtzufinden, sondern auch, dass die Gesellschaft lernt wie das Miteinander funktioniert. Um die persönliche Freiheit eines blinden Menschen zu respektieren, sollte man ihn zuerst fragen, ob man ihm helfen kann, bevor man etwas für ihn tut. 

www.flb.lu