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50. Todestag von Winston Churchill: Churchill - ein Staatsbesuch, eine Bronzestatue, ein schwarzer Hund
Ein Bild, das wohl noch einige Luxemburger in Erinnerung haben. Churchill, die Zigarre im Mund im offenen Wagen des Prinzen Felix.

50. Todestag von Winston Churchill: Churchill - ein Staatsbesuch, eine Bronzestatue, ein schwarzer Hund

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Ein Bild, das wohl noch einige Luxemburger in Erinnerung haben. Churchill, die Zigarre im Mund im offenen Wagen des Prinzen Felix.
Lokales 21 1 3 Min. 23.01.2015

50. Todestag von Winston Churchill: Churchill - ein Staatsbesuch, eine Bronzestatue, ein schwarzer Hund

Churchill - ein Politiker, der in keine Schablone passte. Zum 50. Todestag des britischen Politikers an diesem 24. Januar Rück- und Ausblick auf all das, was uns Luxemburger mit diesem außergwöhnlichen Menschen verbindet.

von Marc Thill

Wenn in Luxemburg der Name Winston Churchill fällt, dann denkt so mancher an die helle Begeisterung der Luxemburger, als jener Politiker, der eigentlich in keine feste Schablone passte, unser Land besuchte. Das war im Jahr 1946. Einige haben vielleicht auch die Bronzestatue von Winston Churchill auf dem nach ihm benannten Platz am westlichen Rand des Stadtparks vor Augen. Andere wiederum denken an einen ganz anderen Churchill. Juncker hatte seinem Hund den Namen Churchill gegeben...

Als Churchill kam, war ganz Luxemburg auf den Beinen

"Noch nie hat sich einem Gast die Seele unsres Volkes so spontan und vollständig offenhart, wie dem großen englischen Staatsmann, dessen Worten, wir in Zeiten bitterster Not gierig lauschten und auf den wir unsre große Hoffnung setzten, als all unser Sehnen nach Glück und Freiheit in nachtdunkles Nichts zu zerfließen drohte.“ So beschrieb das „Luxemburger Wort“ am 16. Juli 1946 den außergewöhnlichen Staatsbesuch von Winston Churchill in Luxemburg. Von Metz kommend überquerte er im Wagen stehend, die Zigarre rauchend und mit dem V-Zeichen grüßend, die Grenze in Frisingen. Am Bahnhof wurde der "Retter Europas" von Prinz Félix und Prinz Jean in Empfang genommen und zum großherzoglichen Palais geführt. Dort erschien er später zusammen mit Großherzogin Charlotte auf dem Balkon.

"Ihm jubelte Luxemburg zu wie es vorher noch niemand zugejubelt hatte, es war wie ein Rauschder Freude und überschäumenden Begeisterung, der sich über Stadt und Land legte und die Herzen aufjauchzen ließ", frohlockte damals das "Luxemburger Wort".

Und auch der damalige Staatsminister Joseph Bech sparte nicht mit Lobeshymnen in seinem Toast, den er auf den außergewöhnlichen Staatsgast hielt.

"Jamais il n'a été donné à notre peuple d'acclamer un hôte plus illustre, jamais un accueil plus affectueux et plus enthousiaste n'aura été fait à un homme dans les murs de notre vieille capitale. La grandeur de votre destin, Sir, est émouvante. Vous avez été, dans la tempête, où toutes les forces du Mal étaient déchaînées, l'imperturbable pilote. Vous avez vaincu la tempête et vous avez ramené sain et sauf à bon port, le bateau qui portait le bien le plus précieux de l'Humanité: La Liberté."

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Zwei Monate nach dieser Staatsvisite, am 19. September 1946, gerade anderthalb Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, rief Winston Churchill in Zürich zu einem geeinten Europa, zur Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa, auf. Churchills Aufruf sollte Geschichte machen, auch wenn dies später unter Führung von Frankreich und Deutschland, jedoch unter Ausschluss Großbritanniens, geschah.

Die Statue von Oscar Nemon und Junckers Hund

Die Begeisterung der Luxemburger für Churchill hielt auch in den Folgejahren an. Und so kam es, dass die Luxemburger zur Erinnerung an den verstorbenen Winston Churchill im Jahre 1973 eine Bronzestatue des kroatischen Künstlers Oscar Nemon am westlichen Rand des mittleren Stadtparks errichten und die ehemalige Place Joseph II in Place Winston Churchill umbenennen ließen.

Ein grimmiger Blick. Dabei war Winston Churchill ein sehr lebensfroher Mensch. Die Statue an der Place Winston Churchill stammt vom kroatischen Künstler Oscar Nemon.
Ein grimmiger Blick. Dabei war Winston Churchill ein sehr lebensfroher Mensch. Die Statue an der Place Winston Churchill stammt vom kroatischen Künstler Oscar Nemon.
Foto: Tania Bettega

Churchill blieb vielen ein politisches Vorbild. Das wohl auch unserem früheren Premierminister Jean-Claude Juncker. Verehrt hat er ihn, ja, sogar seinem Hund gab Juncker den Namen Churchill. Das kann man jedenfalls im Buch "Zitate von Jean-Claude Juncker“, das Albin Wallinger zusammengestellt hat, nachlesen. Darin erfährt man auch folgende lustige Episode: Als Juncker den ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer empfing, soll plötzlich Junckers Frau angerufen und die Schreckensnachricht überbracht haben: "Churchill ist tot." Juncker soll hierauf zu Gusenbauer gesagt haben: "Du Alfred, ich muss Dich alleine lassen, Churchill ist tot". Worauf dieser überrascht geantwortet haben soll: "Na, der ist doch schon lange tot."

Im April 2005 besuchte Großherzog Henri als erster ausländischer Staatschef das „Winston Churchill Museum“, das im Februar desselben Jahres von der britischen Königin eröffnet wurde.
Im April 2005 besuchte Großherzog Henri als erster ausländischer Staatschef das „Winston Churchill Museum“, das im Februar desselben Jahres von der britischen Königin eröffnet wurde.
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