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50 Tage Winteraktion mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen
Jeden Abend fährt der Bus während der Winteraktion aus der Hauptstadt in Richtung Findel.

50 Tage Winteraktion mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen

Foto: Guy Jallay
Jeden Abend fährt der Bus während der Winteraktion aus der Hauptstadt in Richtung Findel.
Lokales 3 Min. 15.01.2019

50 Tage Winteraktion mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen

Diana HOFFMANN
Diana HOFFMANN
Die Winteraktion in Findel läuft nur langsam an. Das ist aber jedes Jahr so. Anders sind dieses Jahr nur die strengere Regeln in der Notunterkunft. Doch es gibt Gründe für deren Einführung.

Der Bus, er kommt täglich am frühen Abend. Am Boulevard Roosevelt fährt er ab und hält nur wenige Male. Endstation ist eine ehemalige Bürohalle in Findel. Es steigen Menschen aus, deren Probleme und Sorgen verschieden sind, die Not aber ist die gleiche. Sie brauchen ein Bett für die Nacht und haben zumindest für heute eines gefunden, das sie noch bis Ende März nutzen dürfen. So lange dauert die Winteraktion mindestens noch.

Gemächlicher Start der Aktion

Im Schnitt hatten während der Winteraktion 2017/18 120 Personen pro Nacht das Angebot in Findel wahrgenommen. „Die Aktion, die Ende November startete, läuft bisher langsam an. Das Maximum waren diese Saison bis jetzt einmal 120 Personen, welche die Nacht dort verbracht haben“, sagt Stephanie Sorvillo, die bei der Cartias für die Notunterkünfte verantwortlich ist. Welche Rolle die doch milden Temperaturen dabei spielen, dass relativ wenige Personen bisher kamen, das kann sie nicht mit Sicherheit sagen. Das Wetter spielt im Allgemeinen aber eher eine untergeordnete Rolle.

In Findel entsteht ein neues Gebäude für die Winteraktion mit 200 
Betten, das nächste Saison bereits genutzt werden soll.
In Findel entsteht ein neues Gebäude für die Winteraktion mit 200 
Betten, das nächste Saison bereits genutzt werden soll.
Foto: Chris Karaba

Wo sich diese Menschen den Rest des Jahres aufhalten, um zu übernachten, wissen die Verantwortlichen in den meisten Fällen nicht. Viele werden wohl auf der Straße schlafen. Andere kommen möglicherweise bei Freunden und Bekannten oder in anderen Notunterkünften unter.

Die Suche nach dem Neuanfang

Eine große Anzahl der Nutzer sind den Mitarbeitern der Winteraktion nicht bekannt. Malou Kapgen, Koordinatorin der Winteraktion beim Familienministerium, erklärt: „Es gibt einen großen Wechsel bei den Besuchern von einer Saison zur nächsten. Auch übernachten nur wenige täglich  im Foyer in Findel.“ Viele kommen aus der Europäischen Union und Drittstaaten und suchen nach einer Arbeit.

Etwa 30 Personen, die die Aktion nutzen, gehen so auch einer täglichen Arbeit nach. Bei diesen Menschen handele es sich aber eher nicht um Luxemburger, weiß Kevin Oestereicher, Verantwortlicher für die Winteraktion bei Inter-Actions. Die Menschen kommen von überall aus Europa: etwa aus Italien, Spanien, Rumänien oder aus den ehemaligen Ostblockstaaten, bei anderen handelt es sich um anerkannte Flüchtlinge, die irgendwo in der Europäischen Union ihr Statut erhalten haben. Bei ihrer Arbeitssuche profitieren diese Personen von der Übernachtungsmöglichkeit während der Winteraktion.

Strengere Regeln im Nachtfoyer

Eine strengere Regelung sieht ab diesem Jahr vor, dass Personen ohne Papiere nur noch bei der Winteraktion unterkommen, wenn es draußen kälter als minus drei Grad ist. Bei der Regelung handele es sich um eine Sicherheitsmaßnahme, die auf Anraten der Polizei eingeführt wurde. Polizeiberichten und Berichten der Streetworker zufolge hätten vergangenen Sommer einige Personen, die als gewalttätig eingestuft wurden, versucht, die Angebote der Foyers zu nutzen. Die neue Regelung betreffe also nur diese Personen, erläutert Malou Kapgen.

„Die Personen, die zur Winteraktion kommen, erhalten einen Badge von den Verantwortlichen, der ihnen als Ausweis dient“, sagt Kevin Oestereicher. Dieser reicht dann für den Zugang. Laut Familienministerium wurde aber noch niemandem der Zugang zum Foyer aufgrund der neuen Regelung verwehrt.

Seit diesem Jahr wurden die Sicherheitsvorkehrungen zusätzlich erhöht und modernisiert. Dies etwa indem die Nutzer der Winteraktion mit einem Metalldetektor auf gefährliche Gegenstände untersucht werden.




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Winteraktion -  Centre d’accueil de nuit - Findel -  Photo : Pierre Matgé