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46 Hausdurchsuchungen: Kripo gelingt Schlag gegen Kinderpornografie
Lokales 3 4 Min. 10.07.2020

46 Hausdurchsuchungen: Kripo gelingt Schlag gegen Kinderpornografie

Binnen einer viertägigen Aktion wurde umfangreiches informatisches Material sichergestellt. Bis zur Hausdurchsuchung wissen die Beamten zumeist nicht, wer sich hinter der IP-Nummer verbirgt.

46 Hausdurchsuchungen: Kripo gelingt Schlag gegen Kinderpornografie

Binnen einer viertägigen Aktion wurde umfangreiches informatisches Material sichergestellt. Bis zur Hausdurchsuchung wissen die Beamten zumeist nicht, wer sich hinter der IP-Nummer verbirgt.
Foto: Alain Piron
Lokales 3 4 Min. 10.07.2020

46 Hausdurchsuchungen: Kripo gelingt Schlag gegen Kinderpornografie

Steve REMESCH
Steve REMESCH
In mehreren Landesteilen hat die Kriminalpolizei seit Montag Hausdurchsuchungen im Kontext von Verbreitung von pädopornografischen Bildern durchgeführt.

„Bei dieser Art von Ermittlungen muss man sehr schnell feststellen, dass die Realität die Vorstellungskraft und das Verständnis weit übertrifft“, betont der Direktor der Kriminalpolizei Steve Schmitz am Freitag zu Beginn einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Staatsanwaltschaft infolge einer koordinierten Aktion, bei der in Luxemburg binnen vier Tagen 46 Hausdurchsuchungen im Kontext der Pädopornografie durchgeführt wurden.  

„Es ist jedes Mal die Geschichte eines Menschen, eines kleinen Menschen, eine Geschichte, welche die Folge eines schändlichen Dramas ist, in dem Kinder Opfer von sexuellen Taten eines anderen ausgesetzt sind“, fährt Steve Schmitz fort. „Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft, deshalb ist der Kampf gegen den Missbrauch definitiv eine Priorität.“ 

„Null Toleranz“ 

Auch wenn bei einzelnen Verdächtigen nur wenige Bilder gefunden würden, seien es bei anderen ganze Harddisks voller Bilder, betont der beigeordnete Staatsanwalt David Lentz, der im Bezirk Luxemburg die Jugendschutzabteilung leitet. „Das Schreckliche daran ist, dass es sich bei jedem dieser Bilder, um Fotos und Videos von einem Kind handelt, das sexuell ausgebeutet oder misshandelt wurde.“ 

Kripochef Steve Schmitz: "Bei dieser Art von Ermittlungen muss man sehr schnell feststellen, dass die Realität die Vorstellungskraft und das Verständnis weit übertrifft."
Kripochef Steve Schmitz: "Bei dieser Art von Ermittlungen muss man sehr schnell feststellen, dass die Realität die Vorstellungskraft und das Verständnis weit übertrifft."
Foto: Alain Piron

Täglich würden in diesem Bereich Strafverfahren vor Luxemburger Gerichten geführt. Bei der Strafverfolgung setze man auf eine Null-Toleranz-Politik

„Wer sich pornografische Bilder von Kindern auch nur ansieht, macht sich schon strafbar“, betont David Lentz. Das Gesetz sieht für Konsum, Besitz, Vertrieb und Herstellung von kinderpornografischem Material Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und Geldbußen bis 100.000 Euro vor

In den vergangenen fünf Jahren wurden im Großherzogtum jährlich zwischen 28 und 40 neue Ermittlungsverfahren im Kontext von Kinderpornografie eingeleitet. 

In diesem Jahr waren es bis zum 17. Juni bereits 72. 

Viele minderjährige Täter 

Bei den 46 Fällen von dieser Woche gibt es eine Besonderheit: Mehr als ein Drittel der Tatverdächtigen sind selbst auch minderjährig. Der jüngste Verdächtige ist gerade einmal elf Jahre alt.

„Das hatten wir bisher so noch nicht“, hebt der beigeordnete Staatsanwalt Lentz hervor. Wenn Informationen aus dem Ausland eingehen, sei zumeist kaum etwas über die Tatverdächtigen bekannt. Dann zeige sich zumeist erst bei der Hausdurchsuchung, wer sich hinter der IP-Nummer verstecke

Beigeordneter Staatsanwalt im Bezirk Luxemburg, David Lentz:  „Das Schreckliche daran ist, dass es sich bei jedem dieser Bilder, um Fotos und Videos von einem Kind handelt, das sexuell ausgebeutet oder misshandelt wurde.“
Beigeordneter Staatsanwalt im Bezirk Luxemburg, David Lentz: „Das Schreckliche daran ist, dass es sich bei jedem dieser Bilder, um Fotos und Videos von einem Kind handelt, das sexuell ausgebeutet oder misshandelt wurde.“
Foto: Alain Piron

Wie David Lentz unterstreicht, sind die Methoden der Strafverfolgungsbehörden bei einem Minderjährigen die gleichen wie bei einem Volljährigen. Es stehen ihnen auch die gleichen Rechte zu. Volljährigen wird immer der Prozess vor einem Strafgericht oder einer Kriminalkammer gemacht. 

Bei Minderjährigen stehe ein sehr umfangreiches Arsenal an Mitteln zu, um angemessen mit deren Verhalten umzugehen – und dieses gegebenenfalls zu bestrafen. Bei ab 16-jährigen Tätern besteht zudem die Möglichkeit, diese vor einem regulären Gericht wie Erwachsene anzuklagen

Eltern in der Verantwortung 

„Dass derart viele Minderjährige in solche Fälle verwickelt sind, ist eine Entwicklung, die uns sehr zu denken gibt“, unterstreicht auch Claude Weis, der Leiter der Abteilung für Jugendschutz und Sexualstraftaten der Kriminalpolizei. Es werde unter jungen Menschen recht gedankenlos mit derartigen Bildern umgegangen. 

Leiter des Dezernats für Jugendschutz und Sexualstraftaten, Claude Weis: "Wir stellen eine sehr bedenkliche Entwicklung fest.
Leiter des Dezernats für Jugendschutz und Sexualstraftaten, Claude Weis: "Wir stellen eine sehr bedenkliche Entwicklung fest.
Foto: Alain Piron

„Dabei geht es nicht einfach um Bilder eines nackten Jungen oder eines nackten Mädchens“, fährt Weis fort. „Das, worum es hier geht, das sind knallharte Sachen.“ Eltern seien hier auch in der Verantwortung, um sich einmal ein Bild davon zu machen, was ihre Kinder eigentlich so von ihrem Handy verschicken. Vieles von dem, was man so zu sehen bekomme, müsse der Gesellschaft eigentlich sehr zu denken geben. 

„Ohne Regeln, ohne Gnade“ 

Bei den 46 Fällen von dieser Woche stehe man noch ganz zu Beginn der Untersuchungen. Bei einem der Verdächtigen habe man aber bereits ein vielsagendes Chatprotokoll entdeckt, in dem sich zwei Erwachsene über ein Foto eines halb entkleideten zehnjährigen Mädchen unterhielten. 

Claude Weis zitiert aus einer Antwort auf die Frage eines der Beteiligten, wie weit der Andere mit der Zehnjährigen gehen würde: "Sie über ein Wochenende ohne Grenzen, ohne Rücksicht, ohne Regeln, ohne Gnade kaputt foltern und quälen."

Das sei das Gespräch von zwei erwachsenen Männern über ein zehnjähriges Kind, wiederholt Dezernatsleiter Weis. Andere Aussagen traue er sich gar nicht öffentlich wiederzugeben. 

Knackpunkt Datenschutz

In der Pressekonferenz wurde aber auch ein anderer Umstand angesprochen, der den Ermittlern in diesem Bereich das Leben schwer mache: Datenschutzbestimmungen würden dazu führen, dass beispielsweise Telefondaten nach sechs Monaten nicht mehr zur Verfügung stünden

Und das Recht auf Vergessenwerden entspräche im Bereich des Kindesmissbrauchs reinem Täterschutz – dann, wenn es den Ermittlern nicht mehr möglich sei, nachzuvollziehen, ob eine Verdächtiger bereits eine Vorgeschichte habe.  


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