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33 Maßnahmen vorgesehen: Selbstmordfälle sollen dank Aktionsplan sinken
Die Selbstmordrate bei Männern liegt deutlich höher im Vergleich zu Frauen.

33 Maßnahmen vorgesehen: Selbstmordfälle sollen dank Aktionsplan sinken

Foto: Marc Wilwert
Die Selbstmordrate bei Männern liegt deutlich höher im Vergleich zu Frauen.
Lokales 3 Min. 29.07.2015

33 Maßnahmen vorgesehen: Selbstmordfälle sollen dank Aktionsplan sinken

85 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Luxemburg das Leben genommen. Vermutlich liegt die Dunkelziffer darüber. Um Selbstmorde zu verhindern, hat das Gesundheitsministerium nun einen Aktionsplan vorgestellt.

(stb) - Gesundheitsministerin Lydia Mutsch hat am Mittwoch mit Dr. Juliana d'Alimonte aus dem Gesundheitsministerium und Dr. Fränz d'Onghia vom „Centre d'Information et de Prévention“ den ersten „Plan National de Prévention du Suicide pour le Luxembourg“, kurz PNPSL, vorgestellt.

Dass es bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen nationalen Plan gab, liegt auch daran, dass das Thema Suizid in der Öffentlichkeit meist als Tabuthema behandelt wurde. Der Plan ist zunächst auf den Zeitraum von 2015 bis 2019 angelegt.

Diesem ersten Plan sollen in Zukunft weitere folgen und immer wieder punktuell angepasst werden. Der PNSPL orientiert sich am australischen Modell, übernimmt aber auch Elemente von Suizidpräventionsplänen aus unseren Nachbarländern. Das australische Modell wurde mittlerweile auch in Irland und in Neuseeland appliziert. 

Suizidprävention ein gesamtgesellschaftliches Thema

Die Suizidrate hat auf globalem Niveau innerhalb der vergangenen 45 Jahre um 60 Prozent zugenommen und ist jährlich für den Tod von fast einer Million Menschen weltweit verantwortlich. Damit ist der Suizid die zehnthäufigste Todesursache im Allgemeinen.

Im Jahr 2014 gab es in Luxemburg 85 Todesfälle durch Suizid. Diese Zahlen beruhen allerdings auf Schätzungen. Vermutlich liegt die Dunkelziffer weitaus höher. Es wurde von allen Seiten immer wieder darauf hingewiesen, dass das Thema nur dann Früchte tragen kann, wenn alle betroffenen Akteure zusammenarbeiten. 

Fränz D'Onghia, Lydia Mutsch und Juliana D'Alimonte (v.l.n.r.) stellten den Plan am Mittwoch vor.
Fränz D'Onghia, Lydia Mutsch und Juliana D'Alimonte (v.l.n.r.) stellten den Plan am Mittwoch vor.
SIP

Es handelt sich um ein Thema, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Dies gilt auch und vor allem auf der politischen Ebene. Denn es ist kein Thema, das sich für parteipolitisches Geplänkel eignet. Sowohl das Parlament in seiner Gesamtheit wie auch die unterschiedlichen Ministerien müssen an einem Strang ziehen.

Prävention im Vordergrund

Wichtigstes Standbein des Fünfjahresplans, der 33 konkrete Maßnahmen enthält, ist die Prävention. Deswegen soll verstärkt der Fokus darauf gelegt werden herauszufinden, aus welchen Gründen sich Menschen das Leben nehmen, um die Maßnahmen gezielt auszurichten. Es ist vorgesehen, dazu mehrere Studien in Auftrag zu gegeben.

Geplant ist auch, die breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, damit das Umfeld von Suizidgefährten leichter erkennt, in welcher Lage sich ein Freund oder Angehöriger befindet. Auch spezifische Berufsgruppen, wie Lehrer, Hebammen und Pflegekräfte in Seniorenheimen sollen Informationen erhalten oder geschult werden, um gefährdete Personen zu erkennen. Für die Umsetzung der 33 Maßnahmen ist ein Budget von knapp einer Million Euro vorgesehen.

Die Gründe für Suizid sind sehr vielschichtig, die unterschiedlich stark miteinander interagieren und lassen sich demzufolge nicht auf eine kurze Formel reduzieren. Dafür ist das Thema zu komplex. Erst die Häufung und das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben einer Person macht eine Suizidgefährdung möglich oder imminent. Dabei wirken die Gesellschaft, die Kultur, das Gemeinwesen, der Arbeitsplatz, die Beziehung und die Familie auf unterschiedliche Art und Weise auf das Individuum ein.

Risikogruppen

Suizid ist die dritthäufigste Todesursache bei Menschen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren. Auffällig ist außerdem, dass die Selbstmordrate bei Männern deutlich höher liegt als bei Frauen, in etwa im Verhältnis drei zu eins. Auch ältere Menschen sind überproportional stark betroffen.

Aus diesem Grund beziehen sich auch ungefähr die Hälfte der angedachten Maßnahmen auf die Zielgruppe älterer Personen. Grundsätzlich sind in erster Linie isolierte Menschen gefährdet, ob jung oder alt, da ihnen ein Ansprechpartner fehlt, mit dem sie über ihre Probleme sprechen können.

Weitere Informationen zum Thema:

- www.prevention-suicide.lu

- Hotline SOS Détresse: 45 45 45 (täglich von 15-23 Uhr, Freitag und Samstag nachts von 23-7 Uhr)


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