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31 Jahre alter Mord: Polizei in Trier bittet Hunderte Männer zum Test
Lokales 4 Min. 12.08.2020

31 Jahre alter Mord: Polizei in Trier bittet Hunderte Männer zum Test

Beatrix Hemmerle wurde 1989 brutal ermordet.

31 Jahre alter Mord: Polizei in Trier bittet Hunderte Männer zum Test

Beatrix Hemmerle wurde 1989 brutal ermordet.
Foto: Polizei Trier
Lokales 4 Min. 12.08.2020

31 Jahre alter Mord: Polizei in Trier bittet Hunderte Männer zum Test

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Vor fast genau 31 Jahren ermordete ein bis heute unbekannter Mann eine 32-jährige Triererin in deren Wohnung nahe der Uni. Jetzt gibt es neue Hinweise - und einen groß angelegten DNA-Test.

Am 11. August 1989 geschieht nachts in Trier ein grausamer Mord: Die 32-jährige Beatrix Hemmerle wird in ihrer Erdgeschosswohnung in der Straße „Am Weidengraben“, nahe der Universität Trier, mit zahlreichen Messerstichen in den Hals getötet. Wegen der sommerlichen Temperaturen hatte die Balkontür offen gestanden, durch die der bis heute unbekannte Täter eindringen und nach der Tat fliehen konnte.

Der 12-jährige Sohn des Opfers, der im Nebenzimmer geschlafen hatte, findet seine sterbende Mutter blutüberströmt in ihrem Bett. Der Täter entkommt über den Parkplatz an der Kohlenstraße, hier findet die Polizei später eine blutverschmierte Lederjacke. Die Ermittler sind sicher, dass der Täter sie getragen hat. Doch die DNA-Analytik ist damals noch nicht soweit, aus diesen Spuren handfeste Ermittlungserfolge ableiten zu können.

Die Lederjacke vom Parkplatz.
Die Lederjacke vom Parkplatz.
Foto: Polizei Trier

Auf diesem Gebiet hat sich in den vergangenen 30 Jahren allerdings fast alles geändert - und daher rollt die Trierer Kriminalpolizei den Fall seit 2017 erneut auf. Mit neuen technischen Möglichkeiten ergab sich eine „heute möglicherweise bahnbrechende Spur“, wie die Polizei am Mittwoch mitteilt.  Dabei soll es sich um eine DNA-Spur an einem damals sichergestellten Beweisstück handeln. Mit einem neuen, spezialisierten Verfahren konnten nun Kriminalbiologen des Hessischen Landeskriminalamtes diese auswertbare DNA sichtbar machen. 

Berechtigte Hoffnung dank neuer Technik

„Es bestehen berechtigte Hoffnungen, dass die Tat geklärt werden kann“, sagt der heutige Leiter der Trierer Mordkommission, Christian Soulier, der von einem sexuellen Motiv ausgeht - der Täter habe Beatrix Hemmerle vermutlich getötet, als sie sich wehrte. Auch ist aus Zeugenaussagen schon kurz nach der Tat bekannt, dass in den Wochen zuvor ein Mann öfters auf dem Balkon des Opfers gesehen wurde - ein „Spanner“. 


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Ob der Mann auf dem Balkon der Täter ist oder nicht, könnte sich bald klären, denn mit der neuen Spur als Grundlage wird die Polizei jetzt eine sogenannte DNA-Reihenuntersuchung durchführen. Alle Männer, die seit 1989 als Freunde, Bekannte, Kollegen, Kontaktpersonen von Beatrix Hemmerle Teil der bisherigen Ermittlungen waren, sollen zum DNA-Test geladen werden.

Dazu kommen weitere Personen, auf die die Polizei während der Ermittlungen gestoßen ist. In einem ersten Schritt werden die Ermittler 80 bis 100 Männer anschreiben, es könnten aber auch mehr werden: Soulier spricht gegenüber dem SWR von einigen hundert Personen. So sollen bisherige männliche Zeugen als Verdächtige ausgeschlossen und - im Idealfall - der Täter identifiziert werden.  

„Die Resonanz auf die verschickten Einladungsschreiben ist recht hoch“, erklärte ein Polizeisprecher der dpa am Donnerstag. Ersten Proben seien bereits entnommen worden und es stünden bereits weitere Termine fest. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass der Täter aus dem persönlichen oder räumlichen Umfeld von Beatrix Hemmerle stammt.

Anonym und zweckgebunden

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei weisen dabei ausdrücklich darauf hin, dass die erhobenen Daten zweckgebunden ausschließlich zum Abgleich mit den Spuren in dem Mordfall Beatrix Hemmerle verwandt werden. Dass mit den Erkenntnissen aus diesem Reihentest in anderen Fällen ermittelt wird, ist rechtlich ausgeschlossen - negative Proben und alle persönlichen Daten werden gleich im Anschluss vernichtet. 

Die Polizei sucht weiterhin Zeugen der Tat: Wer etwas zum Mord an Beatrix Hemmerle am 11. August 1989 weiß, soll sich unter der Nummer 0049-651-97792480 melden. Auf Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. 

Fragen und Antworten zum DNA-Test

  • Wer wird angeschrieben?
    Mit Beschluss des Amtsgerichts Trier werden alle Personen um eine Speichelprobe gebeten, die dem Täterprofil entsprechen. Das heißt, dass nur männliche Personen eingeladen werden, die einen Bezug zu Beatrix Hemmerle oder den damaligen Ermittlungen hatten und zum Tatzeitpunkt im relevanten Alter waren - damals zwischen 18 und 50, heute zwischen Ende 40 und 80. 
  • Müssen die angeschriebenen Männer teilnehmen?
    Nein, es besteht keine Verpflichtung. Die Kriminalpolizei bittet um Mithilfe. Nur wer eine Einverständniserklärung unterschreibt, nimmt teil. 
  • Was geschieht mit den Daten, die erhoben werden?
    Die Speichelproben werden anonymisiert zum Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz gesandt. Nach dem Abgleich mit der tatrelevanten DNA werden die Speichelprobe und die persönlichen Daten vernichtet. Das jeweilige DNA-Profil wird nur für diesen Einzelfall verwendet.  
  • Welche Informationen können aus der DNA entnommen werden?
    Das im Labor erstellte DNA-Profil lässt die direkte Spurenzuordnung sowie die Feststellung von Verwandtschaftsverhältnissen zum Spurenverursacher zu. Informationen über körperliche Merkmale (z. B. Haut- oder Haarfarbe) oder Erbkrankheiten der Teilnehmer werden daraus nicht abgeleitet.  
  • Warum passiert das erst jetzt?
    Zum Zeitpunkt des Verbrechens waren die wissenschaftlichen Methoden noch nicht so weit ausgereift, um den Spurenverursacher oder eine mit ihm verwandte Person identifizieren zu können. Dies ist erst jetzt möglich. Zudem hat sich die deutsche Gesetzeslage geändert. Erst seit 2017 dürfen Verwandtschaftsverhältnisse erhoben und für die weiteren Ermittlungen verwertet werden.  

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