31. Dezember 1944
Das Leben in den Kellern
Bilderreihe über die Ardennenoffensive (XI)
Das Leben im Keller. Dieses Foto aus der Bilderreihe über die Ardennenoffensive knüpft an jenes an, das wir am vergangenen Freitag, dem 19. Dezember, veröffentlicht haben. Damals zeigten wir die Luxemburger Kriegsflüchtlinge, Menschen, die mit ihren Karren vor den einfallenden Armeen flüchten mussten. Es ist dies ein Aspekt, den man in der Geschichtsschreibung über die „Battle of the Bulge“ weniger berücksichtigt hat.
Und auch das heutige Foto findet man in der Fülle der Kriegsbilder eher selten: Es zeigt das Leben in dunklen Kellern, die Suche nach Schutz vor Bomben und Geschützen. Drei Personen haben sich hier im Bild notdürftig im Keller ihres Hauses auf Matratzen eingekauert ... und das vermutlich an vielen langen Wintertagen und -nächten. Noch bis Ende Januar dauert die Ardennenschlacht. Einige Dörfer und Städte werden früher, andere später befreit.
So auch Vianden, deren Einwohner bis zum 22. Februar 1945 warten müssen, bevor sie sich wieder auf die Straße trauen können. Nach dem Gegenangriff der Amerikaner ist die Frontlinie aufgesprengt, die einzelnen Soldatenverbände sind von ihren Einheiten abgetrennt: Es herrscht Chaos, es gibt kein hinter und auch kein vor der Frontlinie mehr. Die Bilanz der furchtbaren Schlacht ist unermesslich. Neben den militärischen Verlusten gibt es viele zivile Opfer in den Ardennen. In Belgien sterben 2000 bis 2500 Menschen, in Luxemburg wird die Zahl der Toten auf 500 geschätzt.
Aus dem "Luxemburger Wort" vom 30. Dezember 1944
„Noch einmal brachten die letzten Tage des Jahres einen überraschenden feindlichen Schlag, der glücklicherweise nicht zur vollen Wirkung kam ohne es aber verhindern zu können, dass größeren Teilen der Bevölkerung und der wirtschaftlichen Kapazität wiederum schwere Wunden geschlagen wurden. Am Ende der großen Entwicklung dieses Jahres merken die Luxemburger, dass sie in ihren Wünschen und Bestrebungen gewandelt sind, dass Selbstverständlichkeiten von gestern heute ohne Zögern fallen gelassen werden, und der Geist des Kleinlichen, weltumfassenderen Gesichtspunkten den Platz räumen. Die Neutralität, wie. wir sie in der Vergangenheit hegten, müsste uns in Zukunft zur unerträglichen Last werden. Mit der Aufstellung einer kleinen Militärmacht wird die Wandlung, am besten dokumentiert. Die Luxemburger sind heute mehr denn je überzeugt, dass nach innen nur eine enge, solidarische Zusammenarbeit aller Stände und Parteien den zukünftigen Aufbau gewährleisten kann.“ (LW 30. 12. 1944)
