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240.000 Euro für Reinigungskosten : Der Kaugenuss und seine Folgen
Lokales 2 Min. 21.05.2014 Aus unserem online-Archiv

240.000 Euro für Reinigungskosten : Der Kaugenuss und seine Folgen

Kaugummi,  Schuh, Chewing-Gum,

240.000 Euro für Reinigungskosten : Der Kaugenuss und seine Folgen

Kaugummi, Schuh, Chewing-Gum,
Shutterstock
Lokales 2 Min. 21.05.2014 Aus unserem online-Archiv

240.000 Euro für Reinigungskosten : Der Kaugenuss und seine Folgen

Zuviel Zwiebeln oder Knoblauch gegessen? Da hilft nur eins, ein minzehaltiges Kaugummi. Nach einigen Minuten nimmt der Geschmack der schnellen Atemerfrischung jedoch ab und die fahle Kaumasse wird ausgespuckt und landet meist auf den Bürgersteig. Das ist doch nicht schlimm, oder?

(hip) - Wenn ein Fußgänger nicht gleich auf den augespuckten Kaugummi tritt, bleibt er für eine lange Zeit auf den Pflastersteinen der Einkaufsstraße kleben. Die Stadt Luxemburg hat beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren über 240 000 Euro nur zum Entfernen der ausgehärteten Kautschukflecken ausgegeben. 2003 wurde begonnen, mit der Firma Polygone aus Mersch zusammen zu arbeiten. Diese ist im Besitz eines sogenannten „Street Lasers“. Hier handelt es um eine industriellen Säuberungsmaschine, welche mit einer speziellen Düse zum Beseitigen von Kaugummi konzipiert wurde. Ihr Einsatz in der Hauptstadt limitiert sich auf die zwei Fußgängerzonen, die Avenue de la Gare und die Avenue de la Liberté.

Der „Hightech-Kasten“, mit dem Polygone in den Einsatz geht, funktioniert autonom mit einem Dieselaggregat und wird an einen Wasserbehälter, mit einem Fassungsvermögen von etwa 800 Litern, angeschlossen. Die Kaugummis werden nur mit reinem Wasserdampf, ohne zusätzliche Chemikalien, vom Boden entfernt. Das Wasser wird auf etwa 180 Grad erhitzt. Anschließend wird der Dampfstrahl gezielt auf die ausgehärtete Kaumasse ausgerichtet. Durch die enorme Temperatur des Dampfstrahls „karamelisiert“ der Kaugummi und löst sich auf der Stelle vom Bodenbelag. Übrig bleibt ein heller „Fleck“, da die gereinigte Stelle ja während Monaten oder Jahren vom Kaugummi bedeckt war. Die Reinigungsfirma säubert den Einsatzort zum Schluss großflächig mit einer „Hochdruckglocke“ mit zwei rotierenden Wasserstrahlen. So verschwinden dann auch die sauberen Tupfen. Die Mitarbeiter der Reinigungsfirma schaffen pro Tag etwa 150 Quadratmeter.

Das Gerät kann außerdem zum Entfernen von Graffitis, Plakatüberresten sowie zum Reinigen von von der Witterung verschmutzten Monumenten und Fassaden eingesetzt werden.
Das Gerät kann außerdem zum Entfernen von Graffitis, Plakatüberresten sowie zum Reinigen von von der Witterung verschmutzten Monumenten und Fassaden eingesetzt werden.
Foto: Paul Hinger

In Singapur wird das Ausspucken von Kaugummi mit einer Geldstrafe von bis zu satten 550 Euro geahndet. In Luxemburg gibt es eine derart harte Strafe bislang nicht. Doch auch bei uns drohen Bußgelder bei achtlosem Wegschmeißen von Müll. In Luxemburg sehen das Naturschutz- sowie das Abfallgesetz Strafen vor, die je nach Größenordnung bis vor dem Pult der Richters enden können. Ein „Règlement grand-ducale“, das erlaubt, sofortige Bußgelder auszuteilen, befindet sich zurzeit in der Endphase der Ausarbeitung und dürfte mittelfristig gesehen noch dieses Jahr zur Abstimmung im Regierungsrat kommen. Die Beträge des Bußgeldkatalogs des Abfallgesetzes müssen noch an die Bußgeldtarife der Polizei angepasst werden, damit die Ordnungshüter die auf frischer Tat erwischten Umweltverschmutzer bestrafen können. Ob nun wegen eines Zigarettenstummels, Kaugummi oder sonstigem Abfall drohen nach dem Inkrafttreten des Gesetztestextes Geldstrafen zwischen 24 und 250 Euro.

Den Tätern auf der Spur

Wo und wann schmeißen die Menschen ihren „Chewing-Gum“ weg? Wer sind die Täter? – In der Hauptstadt konnten die Gemeindeverantwortlichen feststellen, dass die klebrige Masse häufig in sogenannten Wartebereichen auftaucht. Dazu gehören die Rue Aldringen vor dem Post-Gebäude, vor den Türen von Fast-Food-Restaurants, aber auch in der Nähe von Straßenampeln, dies sowohl auf den Straßen als auch auf dem Bürgersteig vor den Fußgängerüberwegen. Nach den Erkenntnissen des städtischen Hygienedienstes gibt es auch auf den Trottoirs vor den Lyzeen und an den Bushaltestellen deutliche Spuren von einem hohen Kaugenuss und dies nur einige Zentimeter von einem Mülleimer entfernt.