Wählen Sie Ihre Nachrichten​

2.000 Quadratmeter machen satt
Lokales 3 Min. 09.07.2019

2.000 Quadratmeter machen satt

Auf rund 2.000 Quadratmetern wird alles angebaut, was der Mensch in einem Jahr verzehrt.

2.000 Quadratmeter machen satt

Auf rund 2.000 Quadratmetern wird alles angebaut, was der Mensch in einem Jahr verzehrt.
Foto: Pierre Matgé
Lokales 3 Min. 09.07.2019

2.000 Quadratmeter machen satt

Jacques GANSER
Jacques GANSER
Ein Feldversuch in Kockelscheuer zeigt die Auswirkungen moderner Essgewohnheiten.

 Rund 2 000 Quadratmeter Ackerfläche reichen im Schnitt aus, um einen Menschen zu ernähren. Fakt ist aber, dass ein Durchschnittseuropäer laut Berechnungen der Vereinten Nationen bis zu 4.000 Quadratmeter Ackerfläche verbraucht. Dass weniger möglich ist, soll das Projekt „2.000 m2“ in der Nähe vom Haus vun der Natur in Kockelscheuer aufzeigen. Um die für jeden einzelnen benutzte Fläche sichtbar zu machen, haben Mitarbeiter von natur & ëmwelt, Colabor und dem Institut für Biologesch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg (IBLA) dort ein Feld dieser Größe angelegt.

Finanziert wird das Projekt, das sich über mehrere Jahre hinziehen soll und ausgebaut werden kann, vom Nachhaltigkeitsministerium. Es geht dabei in erster Linie darum, die menschlichen Konsumgewohnheiten zu veranschaulichen und aufzuzeigen, wie man sich durch Verhaltensveränderungen nachhaltiger ernähren kann. Aktuell ist der nationale Flächenbedarf wegen Importen von Pflanzen zur Futter- und Energiegewinnung, Baumwolle, Kaffee und Tabak sogar noch erheblich größer als die Versuchsfläche. Auf dieser Fläche also muss so ziemlich alles wachsen, was genutzt wird: Weizen für Brot, Kartoffeln, Kohl, Karotten, dazu Grünland, Mais und Soja als Futterpflanzen für Tiere, aber auch Zuckerrüben für den Zucker im Tee oder Kaffee, Baumwolle für T-Shirts, Sonnenblumen für Speiseöl sowie Raps für Biodiesel. Für Luxemburg als Grünlandstandort kommen dabei auf 1.000 Quadratmeter Grünland für die Viehhaltung rund 1 000 Quadratmeter Ackerland.


Glückliche Schweine auf dem Biohof Kass-Haff.
Besuch beim Biobauern
Die Biolandwirtschaft in Luxemburg hat trotz Förderprämien einen schweren Stand. Viele konventionelle Landwirte zögern vor einer Umstellung.

Nachhaltig und lokal

Der Anbau auf dem 2.000-Quadratmeter-Feld in Kockelscheuer soll zeigen, dass eine nachhaltige Ernährung auf Basis der natürlichen Ressourcen möglich ist. Aktuell spielt die landwirtschaftliche Produktion für die direkte menschliche Ernährung eine geringe Rolle in Luxemburg. Daher soll das Projekt den Wert des Obst-, Gemüse- und Feldfruchtanbaus für die Ernährungskultur verdeutlichen. Im Konkreten bedeutet dies: Apfel und Birne statt Mango und Kiwi. Linsen, Erbsen und Soja aus regionalem Anbau statt Kichererbsen aus subtropischen Gebieten. Sonnenblumen- und Rapsöl statt Kokosöl. Heimische Produkte können also ohne Weiteres Importprodukte aus Übersee ersetzen: Dies gilt insbesondere für Futtermittel und Soja. Der Kohlendioxid-Abdruck wird damit deutlich kleiner.

Fleisch und Flächenverbrauch

Als Grünlandstandort spielt die Tierhaltung in der luxemburgische Landwirtschaft eine bedeutende Rolle. Sie stellt laut IBLA ein wichtiges Bindeglied zur Agrarkultur dar, denn die Fruchtbarkeit des Bodens wird durch die organischen Dünger aus der Tierhaltung besonders gefördert. Das Versuchsfeld zeigt aber auch auf, welche riesigen Flächen alleine für die Tierhaltung notwendig sind: „Wir benötigen 1 000 Quadratmeter für die Rindfleisch- und Milchproduktion, 200 Quadratmeter für die Produktion von Schweinefleisch und 150 Quadratmeter für Geflügel und Eier. Damit produzieren wir theoretisch 40 Kilo Rindfleisch, 2,5 Kilo Schweinefleisch und 1,4 Kilo Geflügel. Dabei liegt der tatsächliche jährliche Verbrauch in Luxemburg aber deutlich höher“, so Sabine Keßler, wissenschaftliche Beraterin der IBLA. „Doch auch die 120 Quadratmeter für Öl und 34 Quadratmeter für Zuckerrüben sind eigentlich zu hoch angesetzt: Sie entsprechen zwar dem tatsächlichen Verbrauch in Luxemburg, der aber laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu hoch und damit ungesund ist.“

Die Anzeigetafeln an den einzelnen Sortenfeldern zeigen aber nicht nur die empfohlene Menge an Lebensmitteln, die notwendig wäre, sondern auch den Importanteil. Insgesamt macht diese Fläche 700 Quadratmeter aus, hauptsächlich durch Soja besetzt. „Diese Fläche nehmen wir den Menschen in anderen Regionen als Ackerfläche weg, um unser Vieh zu füttern“, so Keßler. Das Modell zeigt also auch die globale Vernetzung der Lebensmittelproduktion auf. Eines der Hauptanliegen ist denn auch die Promotion von lokalen Eiweißlieferanten wie Soja oder Körnerleguminosen.

Ursprung in Deutschland

Das Feldprojekt entstand ursprünglich in der Nähe von Berlin und ging aus einer Informationskampagne zur europäischen Agrarreform hervor. Es wurde 2017 im Zuge der Gartenschau neu angelegt. Der sogenannte Weltacker diente Studenten des Fachgebiets Bodenkunde und Pflanzenanbau als Versuchsobjekt. Festgestellt wurde am Ende des Experiments, dass auf 2.000 Quadratmetern deutlich mehr wachsen kann, als ein Mensch braucht, um satt zu werden.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Mehr Bio für Luxemburg gefordert
In der Chamber ist man sich einig, dass die Biolandwirtschaft ausgebaut werden soll. Um wie viel und wie schnell, daran scheiden sich die Geister.
Bio Landwirtschaft - Hühner - Foto: Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Besuch beim Biobauern
Die Biolandwirtschaft in Luxemburg hat trotz Förderprämien einen schweren Stand. Viele konventionelle Landwirte zögern vor einer Umstellung.
Glückliche Schweine auf dem Biohof Kass-Haff.
Natürliche Lebensräume in schlechtem Zustand
Die Umweltschutzorganisation natur&ëmwelt sorgt sich um die Artenvielfalt und um die Qualität der Gewässer, der Luft- und der Böden. Sie hat einen Forderungskatalog erstellt. Er richtet sich an die Parteien und an die nächste Regierung.
Der Ziel der Natura-2000-Gebiete ist der Erhalt der einheimischen Pflanzen- und Tierarten.