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16 Jahre auf der Flucht: Das neue Leben des Sirichai Kiesch
Lokales 4 1 5 Min. 11.08.2020

16 Jahre auf der Flucht: Das neue Leben des Sirichai Kiesch

Ein Video zeigt den Festgenommenen bei der Überführung in ein Polizeirevier

16 Jahre auf der Flucht: Das neue Leben des Sirichai Kiesch

Ein Video zeigt den Festgenommenen bei der Überführung in ein Polizeirevier
Foto: Screenshot Video Policia Nacional
Lokales 4 1 5 Min. 11.08.2020

16 Jahre auf der Flucht: Das neue Leben des Sirichai Kiesch

Steve REMESCH
Steve REMESCH
Seit 2016 stand er auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher Europas. Am Montagabend ging Jean-Marc Sirichai Kiesch nun spanischen Zielfahndern in der Nähe von Sevilla ins Netz.

Nach vier Jahren an der Spitze der europäischen Fahndungslisten ist am Montagabend in Spanien der wegen Totschlags verurteilte Luxemburger Jean-Marc Sirichai Kiesch festgenommen worden. Der heute 39-Jährige befindet sich zu diesem Zeitpunkt seit 16 Jahren auf der Flucht vor der Polizei – wegen einer Bluttat in einem beschaulichen Luxemburger Ort.


Mord in Befort: Am 5. Januar 1999 entdeckt eine Nachbarin die Leiche der alleinstehenden 69-jährigen Frau.
Tödliches Fernweh
Jüngst hat die Kriminalpolizei die Fahndung nach dem seit 13 Jahren untergetauchten Mörder Jean-Marc Kiesch wieder neu ausgeschrieben. Doch worum ging es eigentlich bei der Tat?

 Am 5. Januar 1999 wird in einem Wohnhaus in Eppeldorf die Leiche einer 69-jährigen Frau entdeckt. Die ältere Dame ist nach stumpfer Gewaltanwendung an ihrem eigenen Blut erstickt. 

Schnell führt die Spur zu zwei Teenagern, von denen einer an diesem Tag seine Volljährigkeit erreicht: Jean-Marc Kiesch, genannt Siri, der asiatischstämmige Adoptivsohn einer Familie aus einem Nachbarort.  

 Mord am 18. Geburtstag  

Wie die Ermittlungen ergeben, wollen er und ein minderjähriges Mädchen aus dem Umfeld des Opfers gemeinsam das Land verlassen, da sie sich hier nicht wohlfühlen. Da ihnen das Geld fehlt, entscheiden sie, die alleinstehende Frau auszurauben.

Im Jahr 2018 hatten deutsche Spezialisten im Auftrag der Luxemburger Kriminalpolizei ein Foto von Jean-Marc Kiesch künstlich gealtert.
Im Jahr 2018 hatten deutsche Spezialisten im Auftrag der Luxemburger Kriminalpolizei ein Foto von Jean-Marc Kiesch künstlich gealtert.
Foto: LW-Archiv

Jean-Marc Sirichai dringt nachts in deren Haus ein und als die Frau morgens aufsteht, schlägt er sie - scheinbar im Streit -  mit einem mitgebrachten Holzhammer nieder und fesselt sie. Sie wird qualvoll an ihrem eigenen Blut ersticken. Der Versuch, per Brandstiftung Spuren zu verwischen, misslingt. 

Flucht bei erster Gelegenheit

Ein Jahr später wird Jean-Marc Sirichai Kiesch wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von 20 Jahren, davon fünf Jahren auf Bewährung, verurteilt. Als ihm im Oktober 2004  erstmals Hafturlaub gewährt wird, taucht er unter. 


Neue Fahndungsfotos: Luxemburger Mörder seit 13 Jahren auf der Flucht
Seit 13 Jahren sucht Interpol nach dem verurteilten Mörder Jean-Marc Sirichai Kiesch. Die Zielfahndungseinheit der Luxemburger Polizei will ihm nun mit neuen Fahndungsfotos auf die Spur kommen.

Jahre später greift das Fugitive Active Search Team der Kriminalpolizei den Fall wieder auf und macht die Suche nach dem verurteilten Mörder zu einer Priorität. Es werden sämtliche sich aus dem Dossier ergebenden Möglichkeiten überprüft und Kiesch wird auf die medienwirksame Fahndungsliste Europe's most wanted gesetzt. 

 2018 werden neue, künstlich gealterte Fotos veröffentlicht. Es wird immer wieder Hinweisen nachgegangen, doch die führen zumeist ins Leere oder sind nicht überprüfbar. Dabei werden auch Ermittlungen in seinem Geburtsland Thailand durchgeführt, wo er lange Zeit vermutet wird.

Festnahme nach Hinweis

Die ehrgeizige Suche führt zum Erfolg: Spanische Medien melden am Dienstag die Verhaftung von Jean-Marc Sirichai Kiesch am Montagabend in der Nähe von Sevilla, genauer in der Ortschaft Punta Umbria, an der Südspitze Spaniens.


Seit Februar 2018 suchen Luxemburger Kripo-Spezialisten hauptamtlich nach flüchtigen Straftätern.
Im Visier der Zielfahnder
Über Monate sammeln sie jedes Detail aus dem Leben ihrer Zielperson, bis sie jeden ihrer Schritte nachvollziehen können. Dann schnappt die Falle zu.

Wie das „Luxemburger Wort“ auf Nachfrage von der spanischen Polizei erfährt, ist kürzlich über die Europol-Fahndungsseite eumostwanted.eu ein Hinweis eingegangen, den im Anschluss luxemburgische und spanische Zielfahnder gemeinsam auswerteten. Der Zeuge gibt an, er habe jemanden in einem Ort an der spanischen Südküste gekannt, der dem gesuchten Jean-Marc Sirichai Kiesch sehr ähnlich sehe. Das sei aber bereits im Jahr 2013 gewesen. 

Diesem Hinweis gehen die Zielfahndungseinheiten nach, obwohl sie ihn eigentlich als nicht sehr vielversprechend einstufen: Die Information ist alt, flüchtige Verbrecher wechseln oft den Standort und in dieser Gegend, wo jeder jeden kennt, ist es sehr unüblich, dass sich gesuchte Verbrecher verstecken.   

Neues Leben mit Frau und Baby

Bei den Ermittlungen vor Ort treffen die Fahnder dann auf einen Beamten der Lokalpolizei, dem Kiesch auf einem Foto bekannt vorkommt. Nach umfangreichen Überprüfungen konzentriert sich die Suche schließlich auf das Umfeld einer Familie in Punta Umbria. Es werden Observierungen eingeleitet. 


Dabei zeigt sich, Jean-Marc Sirichai Kiesch lebt schon sehr lange in der Provinz Huelva und hat sich dort auf der Flucht ein neues Leben aufgebaut – mit einer spanischen Lebensgefährtin und seit kurzem einem gemeinsamen Kind. Sie arbeitet, er betreut das Baby. Im Ort kennt man ihn, er verhält sich ganz normal.

Als am Montagabend gegen 20 Uhr die Handschellen klicken, leistet er keinen Widerstand. Er gibt gleich zu, der Gesuchte zu sein. In einem am Dienstag von der Policia Nacional veröffentlichten Video ist er als schlanker, dunkelhaariger Mann in schwarzem T-Shirt, grauer Hose und Gesichtsmaske zu sehen, wie er aus einem Zivilfahrzeug in ein Polizeirevier überführt wird und ihm dann die Handschellen abgenommen werden.


Wie die Pressestelle der Luxemburger Justiz am Dienstagnachmittag betont, wird der Service  de l’exécution des peines der Generalstaatsanwaltschaft einen europäischen Haftbefehl an die spanischen Justizbehörden richten und eine Auslieferung beantragen. Jean-Marc Sirichai Kiesch soll seine Haftstrafe in Luxemburg verbüssen.   


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