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112 hat neues Zuhause
Lokales 4 Min. 16.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Rettungsdienste

112 hat neues Zuhause

In der neuen Zentrale laufen alle Notrufe des Landes zusammen.
Rettungsdienste

112 hat neues Zuhause

In der neuen Zentrale laufen alle Notrufe des Landes zusammen.
Fotos: Anouk Antony
Lokales 4 Min. 16.11.2021 Aus unserem online-Archiv
Rettungsdienste

112 hat neues Zuhause

Jean-Philippe SCHMIT
Jean-Philippe SCHMIT
Die Notrufzentrale ist in die neuen Räumlichkeiten in Gasperich umgezogen. Am Dienstag fand die feierliche Einweihung statt.

Um genau 8.44 Uhr klingelte am Dienstag der vergangenen Woche das Telefon in der neuen Notrufzentrale zum ersten Mal. Eine Person in Not hatte die 112 angerufen und bekam sofort Hilfe. Zu dem Moment war der Umzug in das neue Gebäude am Boulevard de Kockelscheuer bereits abgeschlossen. Dass der Notruf in der neuen Zentrale endete, bemerkte die Person in Not nicht. 


Déménagement du CIS Luxembourg vers le CNIS / Foto: Morris KEMP
Feierlicher Korso in die neue Kaserne
Die Feuerwehr zog in die neuen Räumlichkeiten in Gasperich ein. Nach fast 100 Jahren auf der route d'Arlon bricht eine neue Zeit an.

Ein relativ unspektakulärer Moment sei der Umzug gewesen, sagte Paul Schroeder, der Generaldirektor des CGDIS, gestern bei der offiziellen Einweihung. Es sei ein sehr wichtiger, seltener Moment gewesen. Seit am 17. Mai 1966 die erste Notrufzentrale Luxemburgs ihren Betrieb aufnahm, ist sie nur zweimal umgezogen. 

Der Umzug einer ganzen Notrufzentrale sei keine einfache Aufgabe, meinte der Generaldirektor des CGDIS. „Nicht ein Anruf durfte verloren gehen.“ Denn der klingelnde Apparat sei „das wichtigste Telefon des ganzen Landes“, sagte Lydie Polfer, die Präsidentin des Verwaltungsrates des CGDIS. 

Umzug klappte ohne Pannen 

Der Umzug klappte ohne Zwischenfälle. „Es gab keine Pannen“, freute sich Innenministerin Taina Bofferding (LSAP). „So sind wir es schließlich vom CGDIS gewohnt.“ Taina Bofferding unterstrich, dass das Wohl der Rettungsdienste die „oberste Priorität der Regierung“ sei. 

„Sie nehmen die absolut wichtigste und nobelste Aufgabe in der Gesellschaft wahr: Menschen in Not zu helfen“, wandte sie sich an die anwesenden Rettungskräfte. „Der 112 hat nun die modernste und leistungsfähigste Infrastruktur“, freute sie sich. Das war nicht immer so. 

Sehr moderne Infrastruktur

Die Idee für eine neue Feuerwehrzentrale geht auf das Jahr 1999 zurück. Der Generaldirektor des CGDIS ging in seiner Ansprache auf den langen Weg ein, den das Projekt bisher zurückgelegt hat. Bisher waren die Rettungsdienste auf mehrere Gebäude aufgeteilt, „nun wächst zusammen, was zusammengehört“, so Schroeder. 

Für Christopher Schuh, verantwortlich für die operationelle Koordination beim CGDIS, beginnt mit den neuen Räumlichkeiten nicht nur ein neues Kapitel für die Rettungsdienste, sondern ein komplett neues Buch. „Das vorherige war einfach voll“, erklärte er. 

Das Herzstück der Notrufzentrale.
Das Herzstück der Notrufzentrale.
Fotos: Anouk Antony

Die bisherige Notrufzentrale in der Rue Robert Stumper wurde den Anforderungen an einen modernen Rettungsdienst nicht mehr gerecht. Dort gab es acht sogenannte „Postes opérateur“, in der neuen Zentrale sind es zwölf. 30 Jahre war die Zentrale in der Rue Stumper in Betrieb. „Schon im Jahr 2016 wurde deutlich, dass eine neue Zentrale notwendig würde“, meinte Jérôme Gloden, Chef de service vom 112. 

Doch bis zum großen Moment sollte es noch einige Jahre dauern. Die Telefonzentrale des 112 gehörte zu den letzten Abteilungen, die ins neue Centre national d'incendie et de secours umgezogen sind. Schon im September waren die Rettungsdienste der Stadt Luxemburg in einem feierlichen Korso aus der alten Kaserne an der Route d'Arlon in die neue Zentrale umgezogen. 

Menschen in Not helfen

Nun sind die insgesamt 24 „Opérateurs“ auch offiziell in der neuen Zentrale angekommen. Sie sorgen dafür, dass Menschen in Not zu jeder Zeit geholfen wird. „Tagsüber sind fünf Posten besetzt, nachts sind es vier“, erklärte Christopher Schuh. 

Im Durchschnitt wird die 112 pro Tag rund 1.133 Mal gewählt, genau 413.619 Anrufe waren es im Jahr 2020. „Das ist ein Notruf alle zwei Minuten“, rechnete Christopher Schuh vor. „Jedes Jahr nimmt die Zahl der Notrufe um sechs Prozent zu“, fuhr er fort. Die neue Zentrale wurde so eingerichtet, dass sie auch den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird. 

Medizinische Notfälle und Brände 

„In 85 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um einen medizinischen Notfall“, so Schuh. Dann gilt es, rasch zu handeln. Diese Notfälle seien nicht die Einfachsten. „Wenn es brennt, ist es sofort klar, dass die Feuerwehr ausrücken muss“, so Schuh. Bei medizinischen Notfällen sei dies nicht immer der Fall. Aus diesem Grund wird den Mitarbeitern medizinisch geschultes Personal zur Seite gestellt, die im Notfall über das weitere Vorgehen mitentscheiden. 

Nicht jeder Notruf führt auch zu einem Rettungseinsatz, das ist nur bei rund jedem siebten Anruf der Fall. Im Jahr 2020 kam es zu insgesamt 59.721 Einsätzen, das sind rund 164 pro Tag oder ein Einsatz alle sieben Minuten. Es gibt auch missbräuchliche Anrufe, wobei es keine klare Grenze zwischen gerechtfertigt und ungerechtfertigt gibt. „Viele Menschen sind einsam und wählen die Notfallnummer, um mit anderen Menschen zu sprechen“, erklärte Schuh. „Das kommt vor allem nachts vor.“ Es gebe sogar Stammkunden. 

Bei der Einweihung wurde ein Telefonkabel mit einer Rettungsschere durchgeschnitten.
Bei der Einweihung wurde ein Telefonkabel mit einer Rettungsschere durchgeschnitten.
Fotos: Anouk Antony

Eigentlich müsse heute auch niemand mehr die 112 wählen, um die Adresse der am nächsten gelegenen, diensthabenden Apotheke herauszufinden. „Wenn jemand aber mitten in der Nacht anruft und danach fragt, heißt das, dass er die Medikamente dringend benötigt.“ Selbstverständlich werde auch diesem Menschen geholfen. „Das ist eine Dienstleistung für den Bürger.“ 

Für Großeinsätze gerüstet

Die Rettungsdienste sind nun auch für nationale Notfälle besser aufgestellt. Dies ist etwa der Fall, wenn Starkregen dazu führt, dass Keller volllaufen oder ein Tornado reihenweise Häuser abdeckt. Bei solchen Situationen klingeln die Telefone dann ohne Unterbrechung. Neben der neuen Notrufzentrale gibt es einen weiteren Saal, der speziell für solche Großeinsätze vorbehalten wird. 

„Auch wenn viele Keller volllaufen, bedeutet dies nicht, dass es keine anderen Notfälle gibt“, unterstrich Christopher Schuh. Beim nächsten Starkregen werden die Anrufe der Geschädigten also alle an einer zentralen Stelle zusammenlaufen – ohne den alltäglichen Dienst zu stören.

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