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1000 Krankenbesuche pro Monat: Neuer Auftrieb bei „Ile aux Clowns“
Improvisation: Die Clowns gehen auf die jeweilige Situation ein, ob bei Kindern im Krankenhaus, bei Senioren im Pflegeheim oder bei schwer kranken Kindern zu Hause.

1000 Krankenbesuche pro Monat: Neuer Auftrieb bei „Ile aux Clowns“

Foto: Anouk Antony
Improvisation: Die Clowns gehen auf die jeweilige Situation ein, ob bei Kindern im Krankenhaus, bei Senioren im Pflegeheim oder bei schwer kranken Kindern zu Hause.
Lokales 3 Min. 23.09.2014

1000 Krankenbesuche pro Monat: Neuer Auftrieb bei „Ile aux Clowns“

Vor einem Jahr war die Organisation „Ile aux Clowns“ in Turbulenzen geraten. Dank der Unterstützung von Sponsoren und vieler freiwilliger Helfer konnten die Verantwortlichen einen Neustart wagen und präsentieren sich heute stärker denn je.

(rr) - Vor einem Jahr war die Organisation „Ile aux Clowns“ in Turbulenzen geraten. Dank der Unterstützung von Sponsoren und vieler freiwilliger Helfer konnten die Verantwortlichen einen Neustart wagen und präsentieren sich heute stärker denn je. Um mit derzeit sieben Clowns gut zu funktionieren, ist die Vereinigung auf Spenden angewiesen.

Montag, 10.30 Uhr auf der pädiatrischen Abteilung des „Centre hospitalier Emile Mayrisch“ in Esch/Alzette: Die beiden Clowns Annabella und Pepe erhalten vom Pflegepersonal eine Liste mit den Namen der Kinder, die sie an diesem Vormittag erfreuen werden. In einem Umkleideraum schlüpfen sie in ihre Kostüme, tragen ein wenig Schminke auf und legen ihre rote Clownnase an.

Mit einem großen Lächeln treten sie wenige Minuten später in ein Krankenzimmer ein und fragen, ob sie willkommen sind. Der kleine Patient spielt gerade mit einem Spielzeugauto auf dem Boden und so befinden sich Annabella und Pepe sogleich in einer Situation, in der sie sich dem Nutznießer ihres Besuchs anpassen können.

Ziel der Organisation „Ile aux Clowns“ ist es, die Lebensqualität von Kindern und älteren Menschen in Kliniken oder anderen sozialen Einrichtungen zu verbessern. Gleichzeitig helfen die Clowns auch den Mitarbeitern dieser Einrichtungen sowie den Familien und Freunden, die Atmosphäre zu entspannen und den Zusammenhalt im Team zu verstärken.

Sieben Clowns besuchen über 
1000 Menschen pro Monat

Die Clowns – mittlerweile sieben an der Zahl, wobei fünf ganztags und zwei halbtags arbeiten – besuchen pro Monat über 1000 Menschen in 17 verschiedenen Einrichtungen. Seit November 2013 sind sie auch in der Pädiatrie und auf der Palliativstation des Chem in Esch/Alzette aktiv. Daneben erfreuen sie auch regelmäßig zehn schwer kranke Kinder zu Hause, die an Krebs oder einer seltenen Krankheit leiden.

Es versteht sich von selbst, dass die Clowns bei ihren vielen Besuchen auch mit schwierigen Situationen konfrontiert werden. „Der Clown steht vor manchen Herausforderungen. Wir sprechen weder über die Krankheit noch den Tod. Wir reagieren auf das, was der Kranke oder der Senior uns sagt. Es gibt Besuche, nach denen ich erschöpft bin, weil sie mir emotional viel abverlangen. Es wäre ein professioneller Fehler, wenn ich mit der Person leiden und weinen würde“, sagt Pepe, der den Beruf des Krankenhausclowns seit sieben Jahren ausübt. „Wir tauschen uns auch nach dem Debriefing mit dem Pflegepersonal noch untereinander aus“, fügt seine Kollegin Annabella hinzu. Pepe ist oft überrascht vom Feedback: „Die Wirkung unseres Einsatzes ist uns nicht immer bewusst.“

Einmal pro Woche müssen alle Krankenhausclowns einem Treffen am Sitz der Organisation beiwohnen, wo sie sich über das Erlebte austauschen. Dieses Beisammensein findet in geselliger Atmosphäre statt. „Die Clowns sollen wissen, dass sie wichtig sind und falls nötig Hilfestellung bekommen“, sagt die Koordinatorin der Organisation, Joëlle Drees-Golinski. „Eine gewisse Reife und Lebenserfahrung sind vonnöten, um Krankenhausclown zu werden“, betont sie.

Aus- und Weiterbildung 
sehr wichtig

Derzeit sind drei Frauen und vier Männer als Krankenhausclowns für „Ile aux Clowns“ tätig, das sind vier mehr als noch vor einem Jahr. Sie haben eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen und bilden sich regelmäßig im In- und Ausland weiter. Bei ihren Besuchen gilt es auch, Richtlinien einzuhalten, die in einer Charta festgehalten sind. Der Organisation gehören außerdem viele Freiwillige an, die zum Beispiel beim Spendensammeln mit anpacken oder an Informationsständen die Passanten für die Arbeit der „Ile aux Clowns“ sensibilisieren.

„Es besteht ein reeller Bedarf an Krankenhausclowns und er wächst“, sagt Joëlle Drees-Golinski. Die Organisation werde künftig sicherlich noch ausgebaut, um der Nachfrage nachkommen zu können. Wichtig bleibe die Qualität der Dienstleistung, die ihrer Meinung nach derzeit sehr gut sei. Die Organisation ist deshalb auch weiterhin auf Spenden angewiesen, die auf das BCEE-Konto LU36 0019 4155 3263 5000 überwiesen werden können.


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