Zwischensaison auf Mallorca

Ein Butler packt die Koffer aus

Nur wenige Meter vom Hotel: Die Einsamkeit des Mittelmeeres hat im Herbst und im Frühling einen besonderen Charme.
Nur wenige Meter vom Hotel: Die Einsamkeit des Mittelmeeres hat im Herbst und im Frühling einen besonderen Charme.
Foto: Rainer Holbe

von Rainer Holbe

Am frühen Abend sitzt im Restaurant „Aqua“ eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Sonst ist der Speisesaal leer. Erst später werden noch ein paar Gäste dazukommen. Ihnen gilt die ganze Aufmerksamkeit der jungen Leute, die hier zum Service gehören.

Die Damen und Herren sprechen mehrere Sprachen. Der Italiener Marco war zwei Jahre lang Oberkellner im Luxushotel „Nassauer Hof“ in Wiesbaden, die Portugiesin Sandra zehn Jahre in französischen Gourmet-Tempeln engagiert, Rosina kommt aus dem Allgäu und kennt die Welt der Kreuzfahrer. In der Küche residiert ein Österreicher.

Die Karte ist mit „Ensalada de pinzas de bogavante con vinagreta ligera de pimientos de piquillo“ („Hummerscherensalat mit Piquillo-Paprikaschoten-Vinaigrette“) oder „Rodaballo con ‚beurre noisette‘, flan de apio y galleta de patata“ („Steinbutt mit Nussbutter, Selleriflan und Kartoffelplätzchen“) international bestückt. Wem es nach einer Paella mit Meeresfrüchten ist, kann sie gerne vorbestellen.

Zwischen Frühling und Sommer

Köche und Kellner haben nur eines im Sinn: Die Gäste des Hotels „St. Regis Mardavall“ – zwölf Kilometer von Palma de Mallorca entfernt – glücklich zu machen. Das klingt nach abgedroschenen Phrasen aus dem Touristenprospekt, ist jedoch von der Wahrheit nur Millimeter entfernt.

Grund für diesen perfekten Aufenthalt in der Luxusherberge dürfte auch die „Zwischensaison“ sein, ein Zeitabschnitt zwischen Weihnachten und Ostern oder zwischen Frühling und Sommer. Die dienstbaren Geister sind entspannt, nehmen sich Zeit für ihre Gäste. Die meisten Hotels auf der Insel sind nur schwach belegt. Wer Glück hat, darf aus dem Doppelzimmer in die Junior-Suite wechseln. In den temperierten Außen- und Innen-Schwimmbädern lässt es sich behaglich kraulen, und niemand reserviert seine Liege mit dem Badetuch.

Mit dem Bus in die Stadt

Bei Ankunft im „St. Regis Mardavall“ wird der Gast von einem „Butler-Service“ empfangen, von Sabine zum Beispiel, die sich als zuständige Betreuerin ausweist. Diskret erledigt sie die Formalitäten an der Rezeption, während sich ihr Kunde bei einem Empfangscocktail in der Bar entspannt.

Später wird Sabine die Koffer der Gäste auspacken und den Inhalt in den Schränken verstauen. Am Ende der Reise wird sie wieder alles einpacken. Sabine führt auf Wunsch durchs Haus, erklärt den Gebrauch der Saunen und Fitnessräume, weist beim Gang durch den üppigen Park auf die geheime Tür, die zum Weg über die Klippen führt. Zu den Füßen das blaue Meer.

Sabine besorgt auch den Fahrplan für den Bus, der in die Hauptstadt fährt. Es ist übrigens der „L 104“, der seine Fahrgäste für 2,50 Euro bis in die Garage unter der „Plaza d’Espagna“ bringt. Ein paar Schritte sind es von dort in die Altstadt. Im Sommer mögen sich ganze Pulks schwitzender Touristen durch die Gassen schieben, jetzt sind es vor allem Einheimische, die auf Einkaufstour sind.

Gutes Wetter, wenige Kunden. Gäste haben viel Platz im Hotelpool.
Gutes Wetter, wenige Kunden. Gäste haben viel Platz im Hotelpool.
Foto: Rainer Holbe

Alles liegt hier dicht beieinander: friedliche Innenhöfe prächtiger Adelspaläste und das weihrauchgeschwängerte Kirchendunkel. Es gibt arabische Bäder und ehrwürdige Olivenbäume, wie den auf der Plaza de Cort, der Hunderte von Jahren auf dem knorrigen Buckel hat. Auf der Terrasse der „Bar Bosch“ ist es laut und voll. Ein Platz für die Leute, die hier leben: die Damen elegant, die Herren voller Würde. Keiner würde hier in kurzen Hosen herumlaufen. Für Flaneure gibt es immer einen Platz, um eines der köstlichen „Langostas“ zu probieren, warme Brötchen mit Serrano-Schinken.

Ein Tempel der Sonne

Die imposante Kathedrale „Le Seu“ ist stets einen Besuch wert. Der Eintritt hat sich auf stolze 7,50 Euro erhöht, dafür bekommt man sein Ticket, ohne lange zu warten. Auch dies ein Vorteil der Zwischensaison.

Das berühmteste Gebäude der Insel thront majestätisch über dem Meer, ein Tempel der Sonne, die bunte Lichtspiele durch eine zwölf Meter große Fensterrose in die Apsis zaubert. Kunstwerke der besonderen Art sind der Gaudi-Leuchter über dem Altar und eine Riesenkeramik des Mallorquiners Miquel Barceló, die von der „Speisung der 5 000“ erzählt.

Mit dem Linienbus geht es von der Kathedrale aus zurück. Einen Kilometer vor dem Hotel lohnt ein Abstecher zum Yachthafen Puerto Portals. Hunderte von blitzblanken Luxuskähnen dümpeln dort an den Kaianlagen. Die Promenade ist menschenleer, auf den weiß gedeckten Tischen der Restaurants glänzen Gläser im Sonnenlicht. Über Weihnachten verteilt sich auf den Ramblas ein prunkvoller Markt. Jetzt geht dort die Stille auf und ab. Mag sein, dass die Wochen zwischen den Touristeninvasionen nicht jedem Mallorca-Besucher behagen, der sich nach Trubel sehnt und dem legendären Ballermann.

Inzwischen hat die Insel feste Regeln: Saufgelage und das „Eimer-Trinken“ an der Playa de Palma kosten 200 Euro Strafe, Busfahrten im Bikini 50 Euro. Auch ein Abstecher mit dem Mietwagen in die Hauptstadt kann teuer werden. Falsch-parker erwartet die Kralle oder der Abschleppwagen. Knöllchen gibt es zum Preis von 100 Euro.

Doch wen es nach Stille und dem ihm zugedachten Maß an Freude auf der Welt gelüstet, der entspannt sich ohnehin vorwiegend in seinem Hotel am Meer. Mit ein wenig Luxus, versteht sich.