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Zum Wohl in der Pfalz
Lifestyle 6 Min. 24.10.2019

Zum Wohl in der Pfalz

Blick von der Maximilianstraße auf das wohl wichtigste Bauwerk der Stadt Speyer: Der Kaiser- und Mariendom gilt als größte erhaltene romanische Kirche der Welt.

Zum Wohl in der Pfalz

Blick von der Maximilianstraße auf das wohl wichtigste Bauwerk der Stadt Speyer: Der Kaiser- und Mariendom gilt als größte erhaltene romanische Kirche der Welt.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 6 Min. 24.10.2019

Zum Wohl in der Pfalz

Mehr als nur Wein und Wurst: Auf kulturgeschichtlicher Entdeckungstour entlang der berühmten Deutschen Weinstraße zeigt sich die Region von einer ganz neuen Seite.

von Frank Weyrich 

Wer von Luxemburg aus rund zwei Stunden mit dem Auto in Richtung Osten fährt, stößt unweigerlich auf den Rheingraben und befindet sich inmitten der Pfalz. Dass man sich hier im Gebiet der Deutschen Weinstraße aufhält, ist beim Anblick der unzähligen Weinberge sicherlich keine Überraschung. Sie verläuft über rund 85 Kilometer von Nord nach Süd durch die Region, die als zweitgrößtes Weinbaugebiet von Deutschlands gilt.

Der Pfälzerwald im Westen hält den meisten Regen ab und beschert der Pfalz ein mildes Klima mit angenehmen Temperaturen. Der Bergrücken heißt Haardt, und kaum ein Winzer wird ihn nicht erwähnen, wenn er von den besten Weinlagen erzählt. Deshalb erstaunt es nicht wirklich, dass auf öffentlichen Plätzen Palmen stehen, Zypressenalleen wie in Italien sind ebenfalls keine Seltenheit. Irgendwie strahlt die Gegend eine Gemütlichkeit aus, zu der das Motto des Touristikvereins – „Zum Wohl. Die Pfalz.“ – sehr gut passt.

Zwischen Kur und Wein

Eine erste Anlaufstelle für Pfalzbesucher ist Bad Dürkheim. Das Stadtbild wird geprägt von einem imposanten Bauwerk, das sich auf über 300 Meter Länge erstreckt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Gradierwerk: Salzhaltiges Wasser, die Sole, tropft hier über Schwarzdornreisig. Dabei erhöht sich der Salzgehalt bei jeder Gradierung. In der Nähe der Reisigwände entsteht dabei eine mit Salz angereicherte Luft, die besonders gut für die Atemwege ist.

Und dann gibt es in Bad Dürkheim auch noch das Riesenfass mit einem Fassungsvermögen von 1,7 Millionen Litern. Wein gibt es im Innern nur in Gläsern, denn dort befindet sich eine Gaststätte. Getrunken wird in der Pfalz mit Vorliebe aus einem sogenannten „Dubbeglas“. Dabei handelt es sich um einen Becher mit einem halben Liter Fassungsvermögen, der ringsherum mit Tupfen, den „Dubben“, geschmückt ist.

Das Gradierwerk in Bad Dürkheim gilt als eines der wichtigstenBauwerke der dortigen Kuranlagen.
Das Gradierwerk in Bad Dürkheim gilt als eines der wichtigstenBauwerke der dortigen Kuranlagen.
Foto: Shutterstock

Tobias Kauf (Pfalz-Touristik) gibt dazu schmunzelnd eine Erklärung preis: „Der Legende nach haben Metzger diese griffigen Gläser erfunden, damit sie auch mit fettigen Händen Wein trinken konnten, ohne dass ihnen die Behälter aus der Hand rutschen.“ Zum Einsatz kommen die „Dubbegläser“ unter anderem an zwei Wochenenden im September, beim über die Region hinaus bekannten Wurstmarkt. Wie es der Name nicht vermuten lässt, handelt es sich dabei um ein Weinfest: Die Pfälzer behaupten sogar, es sei das Größte der Welt.

Das knapp zehn Kilometer entfernte Deidesheim ist wahrlich keine imposante Stadt: Sie zählt nicht einmal 4 000 Bewohner. Vom Bekanntheitsgrad her kann es Deidesheim aber sehr wohl mit vielen anderen aufnehmen. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl, der in Ludwigshafen geboren wurde, empfing hier so manchen ausländischen Staatsgast. Im gleichen Atemzug wurde dann nicht nur über die prominenten Besucher, sondern auch gern über eine Pfälzer Spezialität berichtet: den Saumagen. Michail Gorbatschow, Jacques Chirac und die Queen haben im Hotel Deidesheimer Hof gespeist. Seither gelten das Haus mit den Restaurants „Schwarzer Hahn“, das über 16/20 Gault&Millau-Punkten und einen Michelin-Stern verfügt, und „Sankt Urban“ zu einer der Topadressen der Region.

Wiege der Demokratie

Fährt man etwas weiter an Neustadt an der Weinstraße vorbei nach Süden, erblickt man am Hang des Pfälzerwaldes einen Bau, der die Geschichte Deutschlands geprägt hat: Das Hambacher Schloss gilt gemeinhin als die Wiege der deutschen Demokratie. Im Frühjahr 1832 fand hier das Hambacher Fest statt. Dabei war der Name „Fest“ aber nur ein Vorwand. Die Pfalz befand sich damals unter bayrischer Führung, und dem Volk wurden viele Vorteile gestrichen, die es unter der vorherigen Herrschaft durch Frankreich gewonnen hatte. Die Unzufriedenheit war groß, aber weil keine politischen Kundgebungen geduldet wurden, entschlossen sich die Anführer der Aufständischen, ihre Protestveranstaltung als Fest zu tarnen.

Außer den politischen Folgen gab es auch eher unerwartete Konsequenzen. Weil viele der Teilnehmer am Fest anschließend Verfolgungen der Königstruppen ausgesetzt waren, flohen sie ins Ausland. Einige setzten sich ins benachbarte Frankreich ab, wo sie in der Champagne Unterschlupf fanden. In ihrer Zeit im Exil lernten die pfälzischen Flüchtlinge die Champagnerherstellung kennen. Bei ihrer späteren Rückkehr in die Heimat setzten sie das neu gewonnene Wissen ein, um auch dort Sekt zu produzieren. Wegen der damaligen wirtschaftlichen Flaute und des dadurch schleppenden Absatzes hat sich einer der Anführer der Aufständischen den Reim einfallen lassen, der bis heute gerne als Trinkspruch genutzt wird: „Drum ist in unsrer Not, nur wer trinkt ein Patriot.“


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Etwas weiter südlich, bei Edenkoben, prägen gleich zwei herrschaftliche Bauten durch ihre Lage hoch über den Weinbergen das Landschaftsbild. Die Villa Ludwigshöhe erinnert an Zeiten, in denen die Pfalz zum Königreich Bayern gehörte. Als der Grundstein für das herrschaftliche Gebäude gelegt wurde, waren die Tage des Königreichs bereits gezählt. Als das Bauwerk schließlich fertiggestellt war und Ludwig I. mit seiner Ehefrau Therese zu seinem ersten Besuch anreiste, war er kein König mehr.

Noch weiter oben versteckt sich die Ruine der Rietburg zwischen den Bäumen der Pfälzer Haardt, die der Stadt Rhodt unter Rietburg zu ihrem Namen verhalf. In der Gegend selbst steht Rhodt aber für die typischen Rebenbögen, die die Gassen im Dorf überziehen. Und noch eine ungewöhnliche Attraktion gibt es hier: Wer den Aufstieg zur Burgruine scheut, der kann sich mit einem Sessellift bequem bis nach oben befördern lassen.

Hauptstadt der Pfalz

Als Hauptstadt der Pfalz kann man getrost die Stadt Speyer bezeichnen. Durch ihren Dom ist sie zu weltweitem Ruhm gelangt. Das rund 1 000 Jahre alte Bauwerk – die Grundsteinlegung im Auftrag von Kaiser Konrad II. erfolgte vermutlich um 1025 – gilt als die größte romanische Kirche der Welt und trägt seit 1981 den Titel Unesco-Weltkulturerbe. Sportliche Kirchenbesucher erklimmen die Spitze über 304 Stufen. Von dort aus eröffnet sich ein sagenhafter Rundblick auf die Umgebung. Nach vorheriger Anmeldung darf man auch in 30 Metern Höhe einen genaueren Blick in den Säulengang, der als Zwerggalerie bekannt ist, werfen. Mit Seilen gesichert können kleine Gruppen die Besichtigung in Angriff nehmen.

Die Flaniermeile durch die Maximilianstraße bis zum „Altpörtel“, dem westlichsten Stadttor, lädt zum Shoppen und Entspannen ein. Das Historische Museum wartet mit mehr als einer Kuriosität auf. Wenig überraschend ist hier auch ein Weinmuseum integriert, in dem es den ältesten Wein der Welt zu bestaunen gibt.

Wer genug von edlen Tropfen hat, kann in einer Sonderausstellung, die noch bis zum 12. Januar 2020 zu sehen ist, ein wenig Hollywoodluft schnuppern. Thema ist Marylin Monroe, was zunächst einmal ungewöhnlich klingt. Leihgeber einer Vielzahl der Exponate ist jedoch Marilyn-Experte Ted Stampfer aus Mannheim – ein wenig regionale Verbundenheit ist damit auch hier gegeben. 


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