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Zu Gast bei Officine Panerai: Leuchtende Zeitmaschinen
Lifestyle 3 Min. 16.11.2016

Zu Gast bei Officine Panerai: Leuchtende Zeitmaschinen

Uhrenkunst im Mittelpunkt - der Entrée-Bereich der Manufaktur.

Zu Gast bei Officine Panerai: Leuchtende Zeitmaschinen

Uhrenkunst im Mittelpunkt - der Entrée-Bereich der Manufaktur.
Foto: Officine Panerai
Lifestyle 3 Min. 16.11.2016

Zu Gast bei Officine Panerai: Leuchtende Zeitmaschinen

In der Schweiz haben sich zahlreiche Unternehmen der Haute Horlogerie angesiedelt. Auch das italienische Traditionshaus Officine Panerai ist hier vertreten. Das „Luxemburger Wort“ durfte als einziges Medium aus Luxemburg einen Blick in die Manufaktur in Neuchâtel werfen.

von Michael Juchmes

Ein gigantisches Zifferblatt, größer als eine Standuhr, mit leuchtenden Zeigern und Ziffern – wer den Eingangsbereich der Officine-Panerai-Manufaktur betritt, weiß sofort, was hier im Mittelpunkt steht: die Haute Horlogerie, im Italienischen „Alta Orologeria“, feinste Mechanikuhren mit Hand- oder Automatikaufzug. Hinter dem einladenden Foyer entstehen die Meisterwerke von Officine Panerai, die schweizerische Uhrmacherkunst und italienisches Design vereinen.

Auf 10 000 Quadratmetern, in einem lichtdurchfluteten Gebäude, widmen sich fachkundige Mitarbeiter in einer Region, die als Zentrum der Uhrmacherkunst gilt, einem Handwerk, das heutzutage noch viel von seiner ursprünglichen Form bewahrt hat. Die Manufaktur wurde ganz im Sinne des Nachhaltigkeitsgedanken entworfen. „Wir nutzen sogar das Regenwasser“, erklärt Tatiana Brivio, die durch die Räumlichkeiten führt.

Der Umzug in die neue Manufaktur erfolgte 2014.
Der Umzug in die neue Manufaktur erfolgte 2014.
Foto: Officine Panerai

Italienische Wurzeln

Die Ursprünge von Officine Panerei liegen in Florenz. Im Jahr 1860 eröffnet Giovanni Panerai hier das erste Uhrmacherfachgeschäft und gründet zeitgleich eine Uhrmacherschule. Sein Großenkel Guido, der das Unternehmen ab 1890 führt und es zu einem wichtigen Lieferanten der italienischen Marine aufbaut, meldet 1916 das erste von vielen Patenten an.

Zu den Entwicklungen der Marke zählt unter anderem die fluoreszierende Substanz Radiomir, die es ermöglicht, Zifferblätter auch bei Dunkelheit abzulesen. Die gleichnamige Uhr geht Ende der 1930er-Jahre in Produktion, der erste Chronograph, „Mare Nostrum“, wird 1943 vorgestellt. Erst 1993 – mehr als ein Jahrhundert nach der Firmengründung – präsentiert das Unternehmen die ersten frei verkäuflichen Modelle.

Rund 250 Mitarbeiter arbeiten In Neuchâtel. Ausgelagert sind lediglich die Abteilungen für Design und Marketing.
Rund 250 Mitarbeiter arbeiten In Neuchâtel. Ausgelagert sind lediglich die Abteilungen für Design und Marketing.
Foto: Officine Panerai

2002, fünf Jahre nach der Übernahme durch die Schweizer Richement-Gruppe (u. a. Cartier, Chloé, Net-A-Porter), wird die Manufaktur im Herzen von Neuchâtel eröffnet. Ab 2005 werden die ersten Uhrwerke gefertigt. 2014 dann der Umzug in die neuen Räumlichkeiten über der Stadt am Lac de Neuchâtel.

Eintauchen ins Uhren-Universum

Der Gang durch die Manufaktur, in der rund 250 Fachkräfte, darunter 29 Uhrmacher, alle rund 70 zur Herstellung der Uhren benötigten Arbeitsschritte durchführen, beginnt in der Ideenschmiede, dem „Laboratorio di Idee“. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung, die sich ständig mit den in Mailand arbeitenden Designern austauscht, legt ihren Schwerpunkt auf die Erprobung von Materialien sowie die Entwicklung neuer Uhrwerke – mittlerweile sind es 26 an der Zahl.

Die Anfertigung einer Platine durch Spezialmaschinen dauert rund 40 Minuten.
Die Anfertigung einer Platine durch Spezialmaschinen dauert rund 40 Minuten.
Foto: Officine Panerai

Mittels Spezialmaschinen werden Prototypen neuer Modelle angefertigt, die ebenso wie die einzelnen Bauteile – in der sogenannten Homologationsphase – auf Herz und Nieren geprüft werden. Vor allem die Widerstandsfähigkeit der Materialien wird auf die Probe gestellt.

Übersteht das Uhrwerk einen Fall aus rund einem Meter Höhe? Wie verhalten sich die Materialien bei einem Temperaturwechsel? Ein Ingenieur führt uns mit Begeisterung einen der insgesamt 50 verschiedenen Tests vor.

Die fertigen Platinen werden gespült und galvanisiert.
Die fertigen Platinen werden gespült und galvanisiert.
Foto: Officine Panerai

„Nicht der einzelne Test ist entscheidend“, versichert uns Tatiana Brivio, „sondern die Gesamtheit.“ Nur wenn der Prototyp alle Prüfungen übersteht, geht es mit den Plänen weiter zu den Fertigungslinien, wo ein Großteil der Originalbauteile der Uhrwerke – vor allem Brücken und Platinen – hergestellt wird. Anschließend folgen das Spülen und Galvanisieren (elektrochemische Behandlung) sowie weitere Finishingtechniken.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

Die fertigen Einzelteile werden in der Montagewerkstatt von Uhrentechnikern verarbeitet – größtenteils in Handarbeit. Da höchste Konzentration gefragt ist, sind hier weder Gespräche noch laute Geräusche zu vernehmen. Es folgt anschließend die Montage von Zifferblatt und Zeigern sowie die Anbringung des Armbands.

Nach Zusammensetzen des Uhrwerks werden Zifferblatt und Zeiger angebracht.
Nach Zusammensetzen des Uhrwerks werden Zifferblatt und Zeiger angebracht.
Foto: Officine Panerai

Letzter Punkt: die Regulierung des Uhrwerks per Hand, denn schließlich ist absolute Präzision die oberste Prämisse. Das gilt natürlich umso mehr für die Uhrmachermeister im Atelier de Haute Horlogerie, die sich um besonders hochwertige Uhrwerke kümmern.

Anschließend stehen weitere Funktionstests an, denn die Uhren sollen dem Träger über viele Jahre hinweg in allen Lebenssituationen Freude bereiten.

Uhren im Wasserbad - nur einer von vielen Tests.
Uhren im Wasserbad - nur einer von vielen Tests.
Foto: Officine Panerai

Wichtig ist dem Unternehmen natürlich nicht zuletzt die Wasserdichtigkeit – schließlich wurden die ersten Officine-Panerai-Uhren exklusiv für den Einsatz von Marine-Tauchern entwickelt. Geprüft wird ebenfalls der gleichmäßige Gang des Uhrwerks sowie dessen Reaktion auf Magnetfelder.

Dienst am Kunden

Da eine mechanische Uhr etwa alle fünf bis sechs Jahre gewartet und reguliert werden sollte, hat das Kundendienst-Team in Neuchâtel alle Hände voll zu tun. Einfache Arbeiten werden auch in den weltweiten Kundendienstzentren von Panerai durchgeführt. Schwierigeren Fällen widmet sich die Werkstatt in der Schweiz, die letzte Station des Rundgangs.

Ein Blick in das Atelier de Haute Horlogerie.
Ein Blick in das Atelier de Haute Horlogerie.
Foto: Officine Panerai

Panerai-Sammler kennen einander und tauschen sich ständig aus“, berichtet Tatiana Brivio mit einem Blick auf die vielen Modelle, die in der Werkstatt sorgfältig aufbewahrt werden. „Es gibt sogar einen Fan der Marke, der über 100 Uhren sein Eigen nennt.“


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