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Yuki-tsumugi – sagenhafte Seide aus Japan
Yuki-tsumugi-Seide wird noch wie vor Hunderten vonJahren hergestellt.

Yuki-tsumugi – sagenhafte Seide aus Japan

Foto Christian Aschman
Yuki-tsumugi-Seide wird noch wie vor Hunderten vonJahren hergestellt.
Lifestyle 2 Min. 28.06.2018

Yuki-tsumugi – sagenhafte Seide aus Japan

Manon KRAMP
Manon KRAMP
Seit mehr als 2 000 Jahren werden in der japanischen Stadt Yuki Seidenstoffe in der komplizierten Yuki-tsumugi-Technik handgefertigt. Fotograf Christian Aschman hat die historischen Ateliers besucht

Japanische Yuki-tsumugi-Seide ist außergewöhnlich – und das Resultat eines aufwendigen Arbeitsprozesses, den es in dieser Form nirgendwo anders auf der Welt gibt. Deswegen wurde dieser 2010 auch von der Unesco in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Seit mehr als 2 000 Jahren werden diese speziellen Seidestoffe in dieser komplizierten Technik handgefertigt. Fotograf Christian Aschman hat die historischen Ateliers besucht und in seinen Bildern ein traditionsreiches Handwerk dokumentiert, das zu verschwinden droht. Ihren Namen Yuki-tsumugi verdankt die Stofftechnik der knapp 100 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Kleinstadt Yuki in der Präfektur Iberaki. Die Region bietet ideale Bedingungen für die Seidenraupenzucht und den Anbau von Maulbeerbäumen, von denen sich die Raupen ernähren, bevor sie ihren Kokon spinnen.

Dort befinden sich auch die Produktionsstätten der 1907 gegründeten Firma Okujun, die nach althergebrachter Manier das edle Tuch aus Seide herstellt. Verkauft werden die Stoffe wie vor Hunderten vor Jahren von einem kleinen, zur Straße hin offenen Laden aus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und die Preise noch mittels eines Abakus berechnet werden.

Traditionelle Yuki-tsumigi-Seide besticht durch feine Musterungen.
Traditionelle Yuki-tsumigi-Seide besticht durch feine Musterungen.
Foto: Christian Aschman

Die Yuki-tsumugi-Technik verleiht der Seide einen feinen Schimmer und eine aparte Musterung. Die Stoffe sind nicht nur schön und leicht, sondern sie halten auch warm und sind robust. Früher wurden daraus Kimonos für den Alltagsgebrauch gefertigt, die von einer Generation zur nächsten vererbt wurden. Je mehr man sie trug, dehnte und wusch, desto glänzender und weicher wurde das Gewebe.

Heute sind die hochwertigen Stoffe nicht mehr nur traditionellen Kimonos vorbehalten, aus ihnen werden mittlerweile auch moderne Kleidungsstücke genäht. „Als Hersteller muss man neue Märkte erschließen, um zu überleben“, erklärt Christian Aschman. „Dafür gibt es Unterstützung vom Staat.“ Selbst Luxusmarken haben die Qualitäten des Stoffes für sich entdeckt. So verwendete unter anderem das französische Modehaus Louis Vuitton Seide von Okujun für Anzüge seiner Männerkollektion Herbst/Winter 2012.

Spinnen, knüpfen, färben, weben, waschen – das Herstellungsverfahren ist komplex und an einem Stück Stoff sind die geübten Hände vieler Meister beteiligt. „Kleine Familienbetriebe fungieren als Zulieferer. Ihre Ateliers befinden sich in der Stadt verstreut, oft noch in kleinen Häusern im Edo-Stil“, berichtet der Fotograf. „Die Konzentration der Handwerker, ihre Präzision, aber auch das Repetitive in den Abläufen hat mich sehr beeindruckt.“ Es seien dieselben eingespielten Gesten, die die Handwerker bereits von ihren Vorfahren übernommen hätten und seit Jahrhunderten wiederholten – wie eine meditative Übung.

Jeder Handgriff sitzt

Während draußen die Vögel zwitschern, wird die Stille in den karg eingerichteten Ateliers unterbrochen vom Rhythmus der Arbeitsgeräusche: der Takt des hölzernen Webstuhls, das Klatschen nasser Seide auf Stein, das Plätschern an den Wasserbecken, in denen die Stoffe gefärbt oder gewaschen werden ...

Die Stoffproduktion erfordert viele einzelne Schritte.

Die Rohseide entstammt leeren Kokons, die während eines zwei Stunden dauernden Kochprozesses aufquellen. Diese werden dann sorgsam gedehnt und getrocknet. Danach werden die Fäden locker herausgezogen und per Hand gesponnen.
Die Rohseide entstammt leeren Kokons, die während eines zwei Stunden dauernden Kochprozesses aufquellen. Diese werden dann sorgsam gedehnt und getrocknet. Danach werden die Fäden locker herausgezogen und per Hand gesponnen.
Foto: Christian Aschman
In einem weiteren Schritt werden die Fäden zu kleinen Schnurbündeln zusammengefasst.
In einem weiteren Schritt werden die Fäden zu kleinen Schnurbündeln zusammengefasst.
Foto: Christian Aschman
In diese wird dann das gewünschte Muster eingeknüpft.
In diese wird dann das gewünschte Muster eingeknüpft.
Foto: Christian Aschman
Anschließend werden sie in Farbe getaucht und auf dem Steinboden ausgeschlagen, um überschüssige Farbe zu entfernen.
Anschließend werden sie in Farbe getaucht und auf dem Steinboden ausgeschlagen, um überschüssige Farbe zu entfernen.
Foto: Christian Aschman
Die geknüpften Stellen bleiben dabei weiß.
Die geknüpften Stellen bleiben dabei weiß.
Foto: Christian Aschman


Dann werden die gefärbten Garne wieder von den Fadenverknüpfungen befreit, mit Leim verstärkt und der Musterung entsprechend im Webstuhl sortiert und befestigt. Die historischen Jibata-Webstühle, die über einen am Weber befestigten Rückengurt gespannt werden, funktionieren übrigens noch genau so wie vor 1 500 Jahren.
Dann werden die gefärbten Garne wieder von den Fadenverknüpfungen befreit, mit Leim verstärkt und der Musterung entsprechend im Webstuhl sortiert und befestigt. Die historischen Jibata-Webstühle, die über einen am Weber befestigten Rückengurt gespannt werden, funktionieren übrigens noch genau so wie vor 1 500 Jahren.
Foto: Christian Aschman


Je nach Motiv entstehen gerade mal 20 Zentimeter Stoff pro Tag.
Je nach Motiv entstehen gerade mal 20 Zentimeter Stoff pro Tag.
Foto: Christian Aschman
Zum Schluss wird der Stoff gewaschen ...
Zum Schluss wird der Stoff gewaschen ...
Foto: Christian Aschman


und an der Luft getrocknet.
und an der Luft getrocknet.
Foto: Christian Aschman


Verkauft werden die Yuki-tsumigi-Stoffe wie vor Hunderten vor Jahren von einem kleinen, zur Straße hin offenen Laden aus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Verkauft werden die Yuki-tsumigi-Stoffe wie vor Hunderten vor Jahren von einem kleinen, zur Straße hin offenen Laden aus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Foto: Christian Aschman


Die Preise werden noch mittels eines Abakus berechnet.
Die Preise werden noch mittels eines Abakus berechnet.
Foto: Christian Aschman

Fotograf Christian Aschman lebte zwei Monate anlässlich eines „Youkobo Art Space“-Residenzprogramms der Luxemburger Botschaft in Tokio.


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