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Wo Stars Dolce Vita genießen
Lifestyle 8 6 Min. 30.04.2022
Comer See

Wo Stars Dolce Vita genießen

Wo die Schönen und Reichen wohnen - die Villen am Ufer des Comer Sees.
Comer See

Wo Stars Dolce Vita genießen

Wo die Schönen und Reichen wohnen - die Villen am Ufer des Comer Sees.
Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn
Lifestyle 8 6 Min. 30.04.2022
Comer See

Wo Stars Dolce Vita genießen

Für Luxemburger ist der drittgrößte See Italiens ein Geheimtipp, für Amerikaner ein Glamour-Reiseziel. Ein Rundflug über den Comer See.

(dpa/tmn) - Zwei Hüpfer noch und schon heben sich die Kufen der Cessna aus dem Wasser. Eine Welle rüttelt das Wasserflugzeug ein letztes Mal durch, dann steigt es in den Himmel über dem Comer See. Durch das Seitenfenster weht eine Brise in die Kabine, die besorgten Naturen den Angstschweiß auf der Stirn trocknet. So mancher Passagier klettert sicher mit einem mulmigen Gefühl in den zerbrechlich wirkenden Flug-Oldtimer vom Typ „Bird Dog“.

„Keine Sorge“, beruhigt Cesare Baj. Der weißhaarige Pilot hat fast so viele Flugstunden auf dem Buckel wie das 1946 erbaute Wasserflugzeug, das für die US-Airforce schon im Korea-Krieg im Einsatz war. „An Flugerfahrung sollte es uns nicht mangeln“, scherzt er. Baj ist Vize-Präsident des Aero Club Como. Der 1930 gegründete Verein ist der älteste Wasserflieger-Club der Welt. Unzählige Piloten wurden hier ausgebildet und noch mehr Gäste zu Rundflügen mitgenommen.

Nach dem Start fliegt Cesare Baj in weitem Bogen über Como. Der Blick auf das Gassengewirr und die Kuppel des Doms ist grandios. Die Stadt wird eingerahmt von bewaldeten Bergen. Aus der Luft von Süden kommend sieht der drittgrößte See Italiens aus wie ein auf den Kopf gestelltes „Y“. Auf halber Höhe - bei Bellagio - gabelt sich der 51 Kilometer lange Lago di Como. Der östliche Arm endet in Lecco, der westliche in Como.

Der weißhaarige Pilot Cesare Baj hat fast so viele Flugstunden auf dem Buckel wie das 1946 erbaute Wasserflugzeug.
Der weißhaarige Pilot Cesare Baj hat fast so viele Flugstunden auf dem Buckel wie das 1946 erbaute Wasserflugzeug.
Foto: Bernhard Krieger/dpa-tmn

Baj nimmt Kurs nach Norden. Entlang der Uferstraßen krallen sich die Orte an steil abfallende Hänge, andere quetschen sich in enge Buchten. Bauland ist knapp und teuer. Nach Klerikern, Adligen und Industriellen aus der wohlhabenden Lombardei sind es heutzutage Fußballer von AC und Inter Mailand sowie Promis aus aller Welt, die die Preise hochtreiben. Einige Villen hier sind schlicht unbezahlbar.

Die Villa, die den Weltruhm brachte

Dazu zählen die aus dem 18. Jahrhundert stammende Villa Carlotta in Tremezzo, die heute ein Museum mit imposantem Park ist, sowie die noch ältere Villa d'Este in Cernobbio.


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Der Grundstein für die spätere Renaissance-Residenz wurde 1442 gelegt. Sie war Domizil für Kardinäle, Könige und Zaren, bevor sie 1873 in ein Luxushotel umgewandelt wurde. Für Cesare Baj ist das Grand Hotel mit dem im See schwimmenden Pool ein Highlight seiner Rundflüge, für Danilo Zucchetti der Höhepunkt seiner Karriere. Der Mailänder ist Direktor der Villa d’Este, die den Comer See weltweit als einen Urlaubsort mit „Grandezza“ bekannt gemacht hat.

Zucchettis wichtigste Aufgabe ist es, den Mythos der Villa zu erhalten, ohne dass sie aus der Zeit fällt. Seine Devise lautet deshalb: „ständig weiterentwickeln, aber nichts verändern“. Und er scheint Erfolg damit zu haben: Kamen einst Gary Cooper, Liz Taylor und Frank Sinatra, sind es heute Robert de Niro, Lady Gaga oder Bruce Springsteen, der hier Stammgast ist.

Die Strahlkraft der Villa d'Este und ihrer illustren Gäste aus der Film- und Musikbranche haben den Comer See in den USA zum Inbegriff des sommerlichen „Dolce Vita“ Italiens werden lassen. Hier sonnt man sich, brettert in den eleganten Riva-Jachten von Como Classic Boats über den See oder golft in Menaggio und im Club Villa d’Este.

In hiesigen Breiten sind Gardasee und Lago Maggiore bekannter als der Comer See. Auch wenn Schauspieler George Clooney, der seit 2003 im Örtchen Laglio unweit von Como die Villa Oleandra besitzt, auf Fotos vom Comer See auch immer mal in Klatschblättern zu sehen ist und dem Lago so Publicity bringt. Der arme Kerl hat kaum Privatsphäre“, sagt Cesare Baj, als er mit der Cessna über Clooneys Villa hinweg fliegt.

Wohlbetuchte haben am Comer See viel Auswahl an Luxusherbergen, Normalverdiener weichen eher auf Ferienwohnungen aus. Campingplätze sind rar. Es gibt einen in Menaggio, der beim Blick aus der Cessna besonders einladend wirkt. Während andere Orte am steilen Westufer früh am Tag schon im Schatten liegen, ist die Piazza des Platzes mit Eisbar und Restaurants noch in Sonnenlicht getaucht. Der Einschnitt in der Bergkette hinter dem Ort macht es möglich.

Bellagio ist die Bühne

Varenna am Ostufer und Bellagio auf der weit in den See hineinragenden Landspitze sind bis zum Sonnenuntergang in warmes Licht getaucht. Dahinter ragen die oft schneebedeckten Gipfel der Veltliner Alpen auf. Bellagio ist die Bühne, Varenna die Tribüne. Vor allem von dem terrassenförmig zum See abfallenden Restaurant Royal Gourmet in Varenna hat man einen wunderbaren Blick auf Bellagio gegenüber, das als „Perle des Lago“ gilt.


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Cesare Baj fliegt am liebsten in einem großen Bogen von Varenna aus über Bellagio hinweg. So ist der Blick auf die über dem Ort thronende Villa Serbelloni am schönsten. Vor allem die ausgabefreudigen Amerikaner haben das Dorf reich gemacht. Dass in Las Vegas das berühmte Casino-Hotel Bellagio nach dem Ort am Comer See benannt wurde, hat den Boom weiter angefacht.

In der Nähe von Bellagio wartet am kleinen Hafen von Pescallo Carlo Tettamanzi mit seinen Segeljachten auf Gäste. Der Rechtsanwalt hat schon als Profi-Skipper Regatten gefahren und den Atlantik überquert, bevor er in seine Heimat zurückkehrte, um auf dem Comer See Touren unter dem Namen Bellagio Sailing anzubieten.

Tettamanzi ist ein charmanter Geschichtenerzähler, der Gott und die Welt kennt. „Für diese Villa dort hat sich Clooney interessiert, weil sie vielleicht mehr Privatsphäre bietet“, sagt er. Und er weiß auch, wo Sänger Robbie Williams zugeschlagen hat. „Die 40 Millionen Euro für seine Villa waren zu viel.“ Tettamanzi schmunzelt, dann setzt er die Segel auf dem 13 Meter langen Jacht-Klassiker „Dama di Bellagio“.

Der Skipper, der wie so viele am See perfekt Englisch spricht, hat natürlich unzählige Restaurant-Tipps auf Lager. Restaurant-Führer listen Dutzende Top-Adressen in der Region auf.

Zu den Besten zählt das Kitchen in Cernobbio, wo der junge Sizilianer Andrea Casali mit einer fantasievollen, aber dennoch auf die Qualität der Zutaten fokussierten Küche brilliert. Seine cremigen roten Gamberi mit fermentierten Mandeln oder die mit Parmesan und Gänseleber gefüllte Pasta waren dem Guide Michelin einen Stern wert.


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Die Sommerresidenz des ersten Bundeskanzlers

Cesare Baj überfliegt das Kitchen, nachdem er kurz zuvor Cadenabbia passiert hat, wo der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer viele Sommerurlaube in der Villa La Collina verbrachte.

„Die Villa ist heute eine Einrichtung der Konrad-Adenauer-Stiftung“, erzählt Baj. Unter seiner Maschine staut sich auf der westlichen Uferstraße, der Strada Regina, mal wieder der Verkehr. „Wenn es den Einheimischen am See zu voll wird, flüchten sie übers Wochenende ins Hinterland.“ Dort gebe es zahlreiche Agriturismi mitten im Grünen.

Cesare Baj spart sich die Extra-Schleife ins Hinterland heute aber und setzt zum Landeanflug an. Mit Blick auf die Altstadt von Como sinkt seine „Bird Dog“ langsam und setzt sanft auf dem See auf.

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