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Wild zu Fuß
Lifestyle 2 Min. 15.05.2019

Wild zu Fuß

Arlin Graffs Tier-Wandbilder finden sich mittlerweile überall auf der Welt – so wie hier in Istanbul.

Wild zu Fuß

Arlin Graffs Tier-Wandbilder finden sich mittlerweile überall auf der Welt – so wie hier in Istanbul.
Foto: Arlin Graff
Lifestyle 2 Min. 15.05.2019

Wild zu Fuß

Nathalie RODEN
Nathalie RODEN
Der brasilianische Street-Artist Arlin Graff ist eigentlich für seine grafischen Tier-Wandbilder bekannt. Nun hat der 32-jährige Künstler Zehensandalen verschönert. Ein Interview über Tiere in Not und die Kraft der Farben.

Ein Macau-Papagei, ein Jaguar und ein Goldenes Löwenäffchen zieren die bunten Strandsandalen aus der IPE-Sonderkollektion der Schuhmarke Havaianas. Sieben Prozent des Verkaufserlöses kommen dem brasilianischen Umweltforschungsinstitut (IPE) zugute, das Projekte zum Erhalt des Atlantischen Regenwalds, des Amazonas-Regenwalds und des Feuchtgebiets Pantanal entwickelt. Warum der 32-jährige Street-Artist Arlin Graff, der für die Designs zuständig war, ausgerechnet diese Tiere auf die Sohle gebannt hat, verrät er im Interview.

Arlin Graff, Zehensandalen sind vielen Männern ein Graus. Wie schaut es bei Ihnen aus?

Wie jeder gute Brasilianer trage ich bereits seit meiner Kindheit Havaianas. In einem tropischen Land gehören sie quasi zur Alltagsausrüstung. Sogar meine Eltern haben sie schon als Kinder getragen.

Street-Artist Arlin Graff trägt auch privat gerne Zehensandalen.
Street-Artist Arlin Graff trägt auch privat gerne Zehensandalen.
Foto: Arlin Graff

Sie sind es gewohnt, riesige Wandgemälde anzufertigen. Für Havaianas mussten Sie dagegen in einem völlig anderen Format arbeiten ...

Als Street-Artist habe ich natürlich vorwiegend mit rechteckigen oder quadratischen Wänden zu tun. In diesem Fall musste ich meine Komfortzone verlassen und erst einmal mehrere Studien anfertigen. Ich wusste von Anfang an, dass ich den Macau-Papagei, den Jaguar und den goldenen Tamarinlöwen darstellen will. Davon wollte ich mich keinesfalls abbringen lassen. Ich musste nur noch einen Weg finden, sie bestmöglich auf der Sohlenform zu positionieren. Aber die Herausforderung hat Spaß gemacht.

Der Macau-Papagei gehört zu den Hauptdarstellern der aktuellen IPE-Kollektion.
Der Macau-Papagei gehört zu den Hauptdarstellern der aktuellen IPE-Kollektion.
Foto: Havaianas

Warum ausgerechnet diese Tiere?

Als Havaianas an mich herangetreten ist, sind mir sofort diese drei Tiere in den Sinn gekommen, weil sie aufgrund der Abholzung stark gefährdet sind. Sie werden immer mehr in die Stadtgebiete verdrängt, wo sie Gefahr laufen, den Menschen zum Opfer zu fallen. Der Macau kommt zum Beispiel zum Nestbau in die Stadt, sodass sein Nachwuchs eine leichte Beute für Vogelfänger darstellt. Im Fall des Löwenäffchens ist es nicht viel anders. Sie nähern sich den Siedlungen und werden dort von Haustieren angegriffen oder gefangen und selbst als Haustiere gehalten. Mittlerweile haben sich die Gesetze zwar geändert, aber während meiner Kindheit war es üblich, diese Tiere bei jemandem daheim zu sehen. Und der Jaguar wird häufig von Bauern attackiert, weil er ihr Vieh gefressen hat. Auch meine Großeltern, die einen Bauernhof besaßen, haben mir immer wieder von herumschleichenden Raubkatzen erzählt.


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Sie scheinen eine besondere Verbindung zur Natur zu haben. Die Havaianas-Kooperation ist jedenfalls nicht Ihr erstes Naturschutzprojekt ...

Das stimmt. Ich verspüre eine tiefe Zuneigung zu Tieren und male sie seit Jahren im Großformat. Die Tiere, die ich dabei abbilde, sind Lebewesen, die wir bald nur noch auf Bildern statt in der Natur sehen werden, wenn wir nicht bald umdenken. Ich will den Menschen den Wert der Tiere näherbringen, ihnen vermitteln, wie wichtig sie für die Balance unseres Ökosystems sind. Das Wandformat stellt in dieser Hinsicht auch eine Art Metapher dar. Es steht dafür, wie großartig die Natur ist und welch kleine Rolle wir Menschen im Vergleich spielen. Ich möchte, dass sich die Betrachter neben den Tieren ganz klein vorkommen.

Ein ernstes Thema. Dennoch ist Ihr Stil auffallend fröhlich. Woher kommt das?

Die knalligen Farben spiegeln einerseits meine Erfahrungen mit Brasiliens bunter Tierwelt wider, andererseits meine Vergangenheit als Graffitisprayer. Durch letztere hat sich mein Umgang mit Farbe enorm verbessert. Außerdem bin ich der Überzeugung, dass eine Welt ohne Farbe eine leblose Welt ist. Deswegen versuche ich, meine Werke so bunt wie möglich zu gestalten. Und ich freue mich sehr, wenn Leute positiv auf meine Werke reagieren und mir sagen, dass die Farben sie glücklicher machen. 


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