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Wie Eltern und Kinder schwierige Zeiten meistern
Lifestyle 4 Min. 26.02.2021

Wie Eltern und Kinder schwierige Zeiten meistern

Eltern und Kinder meistern gemeinsam viele Krisen: Am Ende entsteht dann hoffentlich ein Band, das für immer hält.

Wie Eltern und Kinder schwierige Zeiten meistern

Eltern und Kinder meistern gemeinsam viele Krisen: Am Ende entsteht dann hoffentlich ein Band, das für immer hält.
Foto: dpa
Lifestyle 4 Min. 26.02.2021

Wie Eltern und Kinder schwierige Zeiten meistern

Mit einem Kind stolpert man gefühlt von einer Krise in die nächste. Zähe Zeiten sind aber wichtig für die Entwicklung. Ein Überblick über typische Krisen und Erste-Hilfe-Tipps.

(dpa) - Kaum sind die ersten Zähne durch, das Kind kann laufen und am Brötchen knabbern - da geht es schon los: melodramatische Anfälle auf dem Spielplatz, an der Supermarktkasse, beim Anziehen. Uff! Geht das jetzt bis zur Pubertät so weiter?

Die schlechte Nachricht lautet: ja. Die gute: Kinder durchleben diese Phasen nicht zur Schikane, sondern brauchen sie für ihre Entwicklung. Und Eltern stehen ihnen nicht völlig hilflos gegenüber. Ein Überblick:

Kleiner Mensch, große Wut - die Autonomiephase:

So viel Wut passt in einen kleinen Menschen? Darüber sind viele Eltern im zweiten Lebensjahr erstaunt. Wenn große Gefühlsausbrüche den Alltag bestimmen, steht schnell das Urteil Trotzphase im Raum.


ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht von Tom Nebe vom 17. Juli 2020: Lasst die Kinder machen: Eltern sollten geduldig sein, wenn das Anziehen der Schuhe länger dauert - und es nicht vorschnell selbst machen. Foto: Christin Klose/dpa-tmn - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Eltern in der Schneepflugfalle
Es steckt in Kindern drin, Dinge selbst machen zu wollen. Doch manche Väter und Mütter lassen das kaum zu - aus Vorsicht oder Bequemlichkeit. Warum dieses Verhalten dem Nachwuchs schadet.

Von diesem eher negativen Begriff rückt die Kindheitspädagogin Kathrin Hohmann jedoch ab. „In dieser Phase entwickeln Kinder ihren eigenen Willen und wollen unabhängiger werden - ein menschliches Grundbedürfnis und damit etwas Gutes“, erklärt Hohmann.

Die Kinder wollen also Neues ausprobieren - und wenn es nur das Glas Milch ist, das sie selbst einschütten wollen. Greifen Eltern helfend ein, ist das für die Kinder frustrierend.

Warum ist diese Phase wichtig? Die Autonomiephase legt das Fundament dafür, dass Kinder auf ihre Bedürfnisse hören und für sie einstehen können. „Somit schützt sie die Kinder auch vor negativen Erfahrungen und Missbrauch“, erklärt Hohmann.

Wenn Kinder wissen, dass sie nicht ihren Eltern zuliebe der Tante einen Schmatzer geben müssen, fällt ihnen auch später ein „Nein“ leichter.

Was hilft? „Hilfreich ist, sich klarzumachen: Das Kind kämpft für sich selbst, nicht gegen die Eltern“, sagt Hohmann. Einem hitzigen Wutanfall mit einem kühlen Kopf zu begegnen, ist dennoch nicht leicht. „Der erste Schritt für Eltern ist, sich selbst zu regulieren“, sagt Hohmann.

Um sich zu sammeln, kann ein tiefer Atemzug helfen oder das Zählen aller eckigen Gegenstände im Zimmer. Auf dieser Basis gelingt es besser, dem Kind auf Augenhöhe Sicherheit zu vermitteln - ganz nach dem Motto: Wir schaffen das gemeinsam.

Bin ich noch wichtig? - die Geschwister-Krise

Familienzuwachs ist nicht für alle eine gute Nachricht. „Für manche Kinder bedeutet ein neues Geschwisterchen eine Riesenkrise“, erklärt Hohmann. Sie lehnen den Neuankömmling offen ab oder ignorieren ihn. Viele Eltern reagieren dann verletzt. Denn: Dieses kleine, knuffige Geschwisterchen muss man einfach lieben, oder?


Kinder Sozial Park spielen schule Lachen
Leitartikel: Kinder leiden in Corona-Zeiten
Die Corona-Krise belastet die Kinder. Bewegungsmangel beschleunigt die körperlichen Defizite. Und psychisch leidet der Nachwuchs auch.

Warum ist diese Phase wichtig? Ähnlich wie bei der Autonomiephase gilt auch hier: Das Kind verhält sich nicht so, weil es die Stimmung ruinieren will oder das Geschwisterchen blöd findet. Durch sein Verhalten kämpft es für sich selbst.

Dahinter steckt oft eine ordentliche Portion Verlustangst, die Befürchtung, die Eltern zu verlieren. Die große Frage „Bin ich noch wichtig?“ und die damit verbundenen Gefühle bahnen sich ihren Weg nach außen.

Was hilft? „Es kann hilfreich sein, wenn Eltern akzeptieren, dass es zu Konflikten kommen darf. Schließlich ist es eine Phase der Umstellung“, sagt Hohmann. Kleine Exklusivzeit-Termine stärken die Bindung zwischen älterem Kind und Eltern. „Um die Situation gut schultern zu können, ist es wichtig, dass Familien Entlastung finden.“ Somit ist die Tiefkühlpizza manchmal besser für das Familienwohl als das zeitaufwändige Menü.

Viel Ballast auf den Schultern - die Wackelzahn-Pubertät

In der Wackelzahn-Pubertät ist der Rucksack schwer - nicht nur der für die Schule, auch der mit dem emotionalen Ballast. Typischerweise durchleben Kinder diese Phase im Alter zwischen fünf und zehn Jahren. Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, Wut und Rückzug geben einen Vorgeschmack auf die Pubertät.


ILLUSTRATION - Zum Themendienst-Bericht vom 18. September 2020: Kleine Geheimnisse: Zum Recht auf Privatsphäre gehört auch das Recht auf eigene vier Wände - Verstecke inklusive. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++
Geheimnisse müssen sein: Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre
Ob aus Sorge oder aus Neugier: Eltern haben heute jede Menge Möglichkeiten, ihre Kinder zu überwachen - digital wie analog. Doch Experten warnen: Nur weil es geht, ist es noch lange nicht richtig.

„Der Unterschied: Die Wackelzahn-Pubertät hat nichts mit Hormonen zu tun“, sagt die Autorin Laura Fröhlich, die ein Buch zum Thema geschrieben hat. Viel eher fühlen sich die Kinder hin- und hergerissen zwischen dem Klein-Sein und dem Groß-Werden.

Warum ist diese Phase wichtig? „Veränderung ist für viele Kinder schwierig“, sagt Fröhlich. Daher ist es kein Zufall, dass die Wackelzahn-Pubertät oft Hand in Hand mit dem Schulstart geht. In dieser Phase lernen Kinder, Phasen des Umbruchs mental zu verarbeiten.

Was hilft? Die Stimmungen ihrer Kinder - heute so, morgen so - stellen viele Eltern vor ein großes Rätsel. „Wichtig ist, den Kindern ihre Launenhaftigkeit nicht vorzuwerfen“, sagt Fröhlich. Viel besser sei die Frage: Wie kann ich dir helfen?

Was Kindern ebenfalls guttut: Wenn Eltern ihnen signalisieren, dass ihr Zwiespalt okay ist. Ganz nach dem Motto: Ich unterstütze dich bei deinen Erfahrungen, nehme dich aber auch fest in den Arm, wenn du kurz wieder ein Baby sein willst.

Veränderung überall - die Pubertät

Hier regieren in erster Linie die Hormone. Sie stoßen große körperliche und seelische Veränderungen an. Mit Brüsten und Barthaaren kommen auch die großen Fragen: Wer bin ich? Was muss ich tun, um cool zu sein? Wie präsentiere ich mich?


Katrin Glatz-Brubakk, mental health activity supervisor, playing with children in the waiting area of the MSF Clinic in Lesbos.
„Hilfe! Es brennt! Ich sterbe!“
Eine Kinderpsychologin von Médecins sans frontières berichtet über die katastrophalen Bedingungen in griechischen Flüchtlingslagern.

Jugendliche wollen sich nun außerhalb der Familie ausprobieren“, erklärt die Psychologin Elisabeth Raffauf. Das führt in vielen Familien zu Streit - etwa um Kleidung oder abendliche Ausgehzeiten.

Warum ist diese Phase wichtig? In der Pubertät nabeln sich die Jugendlichen von ihrer Familie ab und gewinnen Eigenständigkeit. Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern sind dafür wichtig. „Streit heißt, dass es gut läuft“, sagt Raffauf.

Problematisch werde es dann, wenn Jugendliche Konflikte herunterschlucken - etwa aus Angst, dass durch ihre Rebellion die Familie zerbrechen könnte.

Was hilft? In der Pubertät verhandeln Eltern und Kinder über vieles. „Eltern sollten regelmäßig ihre Haltung prüfen“, sagt Raffauf. „Geht es mir darum, einen Kampf gegen mein Kind zu gewinnen - oder darum, dass ich es schützen will?“

Hilfreich ist zudem, das Verhalten der Jugendlichen nicht als Kränkung zu deuten. Der Leitsatz „Das ist die Pubertät, nicht persönlich gemeint“ macht es leichter, ein Auge zuzudrücken, wenn der Nachwuchs wieder ein überflutetes Badezimmer hinterlässt.

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