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„Wie Billard oder Snooker“
Organisator Jérôme Becker von E-Sports Luxembourg.

„Wie Billard oder Snooker“

Foto: Christian ASCHMAN
Organisator Jérôme Becker von E-Sports Luxembourg.
Lifestyle 5 Min. 28.11.2018

„Wie Billard oder Snooker“

Michael JUCHMES
Michael JUCHMES
Luxmasters-Organisator Jérôme Becker spricht im Interview über Förderung für E-Games und über die Kritik am Genre.

Die Bescherung der luxemburgischen Gamer findet bereits am Samstag, dem 1. Dezember, statt. An diesem Tag trifft sich die E-Sport-Community zur zweiten Auflage der Luxmasters. Die besten Teams des Landes messen sich in der Schungfabrik in Kayl im Finale im Spiel „Counter-Strike: Global Offensive“. Das „Luxemburger Wort“ sprach im Vorfeld mit Organisator Jérôme Becker von E-Sports Luxembourg.

Jérôme Becker, wie entstand die Idee, ein großes Turnier in Luxemburg zu organisieren?

Wir waren 2016 in Köln in der Lanxess-Arena bei einem E-Sports-Event mit 15 000 Zuschauern. Das hat uns so beeindruckt, dass wir selbst etwas auf die Beine stellen wollten. Bei der ersten Ausgabe 2017 hatten wir 150 Leute vor Ort. Wir haben auch schon in den Gruppen- und Play-off-Phasen gestreamt und immer 40 bis 50 Zuschauer gehabt – was für Luxemburg schon viel ist, denn sonst sind meist nur vier bis fünf Zuschauer im Stream. Wir erhielten viel positives und nur wenig negatives Feedback – da lag es auf der Hand, eine zweite, noch bessere und größere Ausgabe zu organisieren.

Das heißt, dass in diesem Jahr mehr Teilnehmer dabei sind?

Nein. Letztes Jahr waren es 23 Teams mit rund 120 Spielern. In diesem Jahr sind es 14 Teams – aber auch nur, weil wir die Regeln angepasst haben: Teilnehmen dürfen nur Spieler über 16 Jahre und Leute, die im Großherzogtum leben oder Luxemburger sind – es sind also die Luxemburger Nationalmeisterschaften. Deshalb sind auch nur Teams am Start, die sich bewusst für das Turnier zusammengeschlossen haben.

Sie setzen sich persönlich stark für E-Sports ein – und wünschen auch eine öffentliche Förderung. Haben sogar vor wenigen Wochen versucht, mit einer Petition das Thema weiter nach vorne zu bringen. Wie sollten die Politiker vorgehen?

Im Ausland ist das Thema

E-Sport bereits von politischer Relevanz. In Luxemburg hatte bislang nur eine Partei das Thema in ihrem Wahlprogramm. Ich wünsche mir eine Anerkennung des Sports und damit auch eine staatliche Förderung.

Wie sollte diese Förderung genau aussehen?

Ich könnte mir vorstellen, dass Spielern eine Möglichkeit zum Trainieren oder Equipment zur Verfügung gestellt wird. Auch eine Nationalmannschaft wäre möglich – die müsste nicht unbedingt aus Luxemburgern bestehen, sondern einfach nur unter unserer Flagge spielen, vergleichbar mit einer Fußballmannschaft. Die Spieler würden ein festes Gehalt bekommen, die Preisgelder, die mittlerweile international im Millionenbereich liegen, gingen dann an den Staat – das würde sich wirklich lohnen. Im Land gibt es viele Spieler, die extrem gut sind. Das Interesse vonseiten der jungen Leute ist da, jetzt müssten die Ideen also nur noch ausgearbeitet werden.

Welche Games sollten dabei im Fokus stehen?

Man sollte Spiele fördern, die schon länger existieren und für die es schon seit Jahren Turniere gibt, wie „FIFA“ oder „Counter-Strike“.

Das Multiplayer-Game „Counter Strike: Global Offensive“, ein First-Person-Shooter, wurde 2012 veröffentlicht und ist immer noch eines der beliebtesten Spiele der E-Sport-Szene.
Das Multiplayer-Game „Counter Strike: Global Offensive“, ein First-Person-Shooter, wurde 2012 veröffentlicht und ist immer noch eines der beliebtesten Spiele der E-Sport-Szene.
Screenshot: Hidden Path Entertainment/Valve Corporation

Warum hat das Sportministerium bisher noch nicht reagiert?

Ich glaube schon, dass Romain Schneider weiß, worum es geht, aber er sich noch nicht näher damit befasst hat. Man bräuchte wohl einen jüngeren Sportminister, der auf solch ein Thema anspringt und der nicht mit Scheuklappen durch die Gegend läuft oder das Thema einfach verschläft.

Der FC Differdingen hat als erster Verein in Luxemburg einen „FIFA“-Spieler unter Vertrag. Was halten Sie davon?

Es war bisher meist so, dass sich die Teams, also die Clans, selbst formiert haben und erst später mit Fußballmannschaften kooperiert haben. Das ist einerseits gut, andererseits werden dabei die anderen Games vergessen. Sportspiele passen aber auch besser zu Sportmannschaften – bei anderen habe ich da meine Bedenken.

Wären E-Sports auch ein Kandidat für die Olympischen Spiele?

Ja und nein. Ich klassiere E-Sports nicht gerne in die Kategorie Denksport ein, sondern vergleiche es eher mit Koordinationssportarten wie Billard oder Snooker. Man muss zwar auch taktisch vorgehen, aber man muss auch koordinativ sehr gut sein und gute Reflexe haben. Dann wäre das natürlich eine Sportart mit vielen Unterdisziplinen. Da würde sich auch eine eigene Olympiade ähnlich wie die X-Games anbieten.

E-Games-Turniere finden mittlerweile in großen Stadien statt, die Preisgelder steigen immer weiter. Ist das für Sie noch rational?

Manche der Turniere sind wirklich übertrieben, etwa bei Preisgeldern von 15 Millionen US-Dollar. Besser wäre da ein System wie in der NBA, da ist das Preisgeld gedeckelt, der Rest wird investiert. Insgesamt ist ein E-Games-Event anders als beispielsweise ein Fußball-Turnier. Man kauft ein Ticket und schaut sich die Duelle an, die Spieler sind aber immer noch greifbar, normale Leute einfach, nicht so wie Ronaldo oder LeBron James.

In Asien ist das aber anders ...

Ja, das ist eine ganz andere Sache. Aber das ist nicht unbedingt ein Vorbild für uns. Man darf Spieler nicht unter Druck setzen oder sie einfach vor einen Computer platzieren und sie dazu zwingen, unendlich viel zu trainieren.

Vor einigen Jahren wurde noch viel über Gaming-Sucht und „Killerspiele“ gesprochen. Was ist aus diesen Themen geworden?

Um eines vorwegzunehmen: Die Debatte um „Killerspiele“ war absolut nicht fair. Anstatt zu schauen, welche Games ein Junge spielt, der einen Anschlag plant oder durchführt, müsste man eher darüber sprechen, was sein eigentliches Problem war oder ob er mental labil war. Stattdessen schaut man einfach nur, was sich auf dem Computer befindet. Und wenn man dort „Counter-Strike“ findet, ist die Diskussion meist schnell vorüber. Es freut mich, dass die Wogen sich hier etwas geglättet haben. Natürlich sollten besonders brutale Games nur für Spieler über 18 Jahren zugänglich gemacht werden. Hier sind auch die Eltern gefragt, die solche Spiele für ihre Kinder kaufen, einfach nur, damit das Kind seinen Willen erfüllt bekommt. Das ist ein gesellschaftliches Problem. Viele setzen ihren Kindern ja nur noch das iPad vor die Nase oder den Fernseher, um sie ruhig zu stellen. Dabei müssen die Eltern doch genau aufpassen, was sie ihren Kindern kaufen und wie sie den Konsum kontrollieren. Ich war früher mit Freunden noch viel draußen, bin Fahrrad gefahren und habe danach Computer gespielt.

Könnte man dann nicht einfach die Gaming-Industrie zur Verantwortung ziehen?

Ja und nein, denn ein Game zu programmieren, ist wie ein Kunstwerk anzufertigen. Auf einem Gemälde kann man ja auch Nacktheit darstellen oder einen Mord. Und die Spieleentwickler machen sich auch Gedanken bei ihrer Arbeit. Einige Games sind brutal, andere gehen einem direkt ans Herz. Ich habe erst vor Kurzem ein Game gespielt, das mich sehr emotional hat werden lassen. Und das hinzukriegen, das ist für mich wirklich eine Kunst.

e-sports.lu

luxmasters.lu/event


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