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Wenn Pflege die Haut krank macht
Bloß nicht eincremen: Am besten heilt eine Periorale Dermatitis, wenn Betroffene ihrer Haut eine Art Nulldiät verordnen.

Wenn Pflege die Haut krank macht

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Bloß nicht eincremen: Am besten heilt eine Periorale Dermatitis, wenn Betroffene ihrer Haut eine Art Nulldiät verordnen.
Lifestyle 3 Min. 23.03.2019

Wenn Pflege die Haut krank macht

Einst hieß sie „Stewardessen-Krankheit“, obwohl der schmerzhafte Hautausschlag andere Berufsgruppen genauso treffen kann. Gegen Periorale Dermatitis helfen vor allem Geduld und Tee - allerdings nicht zum Trinken.

(dpa) - Die Haut im Mundbereich spannt, es bilden sich kleine rote Pusteln, die jucken oder brennen. Doch wer mit extra viel Creme dagegenhält, tut seiner Haut womöglich nichts Gutes. Denn bei der vermeintlich trockenen Haut kann es sich um eine Periorale Dermatitis handeln - und deren Ursache ist zu viel Pflege.

„Die Periorale Dermatitis äußert sich durch entzündliche, gerötete, spitzkegelige Papeln oder Knötchen, die etwa ein bis zwei Millimeter groß sind. Sie können auch zu kleinen Flächen zusammenfließen, zu Bläschen werden oder fein abschuppen“, erklärt Cord Sunderkötter. Er ist Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Halle an der Saale.


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Weniger ist mehr

„Typisch ist für eine Periorale Dermatitis, dass sie in der Nasolabialfalte, um den Mund oder auch an den seitlichen Unterlidern im Augenbereich auftritt“, so Sunderkötter weiter. Am Mund zeige sich die Periorale Dermatitis mit einer kleinen Aussparung rund um das Lippenrot: Dort sei die Haut nicht gerötet, die Reizung beginnt einige Millimeter von den Lippen entfernt. 

Das Tückische daran: Oft ist die Periorale Dermatitis nicht leicht zu erkennen, weil die Hautveränderungen nicht sehr stark sind. Viele Patienten bekommen vom Hausarzt eine Cortisoncreme verschrieben. Mit Cortison werde die Periorale Dermatitis zwar schnell besser, aber sie kommt umso stärker zurück, wenn man die Creme absetzt. Deshalb gehöre die Krankheit sicher zu den Hauterkrankungen, die am häufigsten fehldiagnostiziert werden.

Auf keinen Fall sollten Betroffene selbst zur Creme greifen. „Periorale Dermatitis ist eine der wenigen Hauterkrankungen, bei denen man etwas weglassen muss, damit sie besser wird“, sagt Sunderkötter. Anhaltender Gebrauch von Kosmetika, vor allem von feuchtigkeitsspendenden Cremes, ist bei Menschen mit entsprechender Veranlagung oft sogar Verursacher der Krankheit.

Überpflege mit Gesichtswasser und Waschlotion oder auch stark deckendes Make-up seien weitere Auslöser. Unter der Deko-Schicht entstehe ein „Treibhaus für pathogene Keime“. Früher nannte man die Periorale Dermatitis deshalb auch „Stewardessenkrankheit“. Diese Berufsgruppe ist meist stark geschminkt, wechselt die Klimazonen und hat unregelmäßige Schlafzeiten. Das alles bedeute Stress - für den Menschen und für seine Haut.

Zu viel ist nicht gesund: Ein Übermaß an Pflege- und Kosmetikprodukten kann die Periorale Dermatitis verursachen.
Zu viel ist nicht gesund: Ein Übermaß an Pflege- und Kosmetikprodukten kann die Periorale Dermatitis verursachen.
Foto: dpa

Schwarztee wirkt beruhigend

Dass privater Stress bei ihr den brennenden Ausschlag begünstigt hat, davon ist die betroffene Saskia Tieberg (Name geändert) überzeugt. „Es fing ganz klassisch an - mit kleinen roten Pusteln in Nähe der Mundwinkel“, erinnert sich die 36-Jährige. Der Ausschlag wurde innerhalb weniger Tage deutlich stärker.

„Da eine Freundin schon einmal eine Periorale Dermatitis hatte, ahnte ich, dass es sich nicht um normale Pickelchen handelt.“ Ihre Hausärztin habe den Verdacht bestätigt. Sechs Wochen lang kämpfte Tieberg mit dem Ausschlag - eine Zeit, die sie nicht noch einmal erleben möchte. Sie glaubt, dass ihre Periorale Dermatitis stressbedingt war. „Ich benutze seit Jahren die gleichen sehr milden und hautverträglichen Pflege- und Kosmetikprodukte. Es gab also keinen Wechsel, der verantwortlich gewesen sein könnte.“ Doch genau das ist ein typischer Irrglaube: „Wer anhaltend Kosmetika verwendet, auch über Jahre dieselben Produktlinien, bei dem kann irgendwann der Zeitpunkt erreicht sein, bei dem die Haut sehr gereizt ist“, sagt Sunderkötter.

Betroffene brauchen Geduld, die Periorale Dermatitis kann nicht schnell behandelt werden. Sie dauert Wochen. Darauf müssen sich die Patienten einstellen. Am besten sei eine Art Nulldiät für die Haut, um ihr Zeit für die Regeneration zu geben. Als Unterstützung empfiehlt der Arzt Betroffenen Schwarzteeumschläge: Einen sehr starken schwarzen Tee kochen, abkühlen lassen. Dann ein darin getränktes dünnes Baumwolltuch auf die Hautstellen legen. Die Gerbstoffe beruhigen die Haut und helfen auch dabei, dass die Rötungen nachlassen.

Sollte es sich um eine sehr starke Form der Perioralen Dermatitis handeln, können Dermatologen auch eine entzündungslindernde Creme verschreiben. In sehr schweren Fällen sei auch die Gabe eines Antibiotikums möglich - allerdings sehen das beide Experten als allerletzten Schritt.


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