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Von Vauban bis Vauban

Von Vauban bis Vauban

Von Vauban bis Vauban

Von Vauban bis Vauban


von Henri LEYDER/ 03.08.2019

Im ersten Teil der Serie "Stippvisite in der Großregion" geht es von Petingen aus nach Belgien und Frankreich - auf den Spuren der Korn.

Wer ist noch nie an einem Bach oder einem Fluss gestanden und hat sich die Frage gestellt: Wo kommt er auf seiner Reise vorbei? Wohin fließt er? Was sähest du, wenn du dich in ein Boot hocken und dich auf dem Wasser Richtung Flussmündung treiben lassen könntest? Folgen wir dem Lauf der Korn …

Text: Henri Leyder / Fotos: Henri Leyder/Shutterstock

Die Korn („Kor“ oder „Kuer“ auf Luxemburgisch) entspringt oberhalb von Oberkorn, der Ortsname liefert die Bestätigung. Noch sehr jung verlässt sie bei Petingen das Großherzogtum in Richtung Athus. Ihr Besuch in Belgien ist einen knappen Kilometer lang, es folgen mehr als 130 Kilometer durch Frankreich. Beim ersten Grenzübertritt ist aus der Korn die Chiers geworden.

Nachdem sie die Vauban-Stadt Longwy - um genau zu sein: Longwy-Bas, anschließend Réhon - passiert hat, plätschert sie, beidseitig fast durchgehend bewaldet, ihres Weges bis nach Longuyon. Im Zentrum dieses Städtchens bekommt sie kräftige Verstärkung durch die Crusne(s), aus dem Flüsschen wird ein Fluss. Bis in die Nähe von Montmédy mit seiner imposanten Vauban-Zitadelle, bis wohin unser Ausflug reichen soll, spendet bald nur noch das südliche Ufer Schatten, am nördlichen folgen sich einige schöne Dörfchen.

Manche Häuser stammen noch aus dem 18., viele aus dem 19. Jahrhundert. Eine Reihe davon ist in letzter Zeit mit viel handwerklichem Geschickt renoviert worden, andere dürften noch folgen, noch andere sind definitive Ruinen – was für das gesamte französische Chiers-Becken gilt.


Ein gut erhaltener Hochofen als eindrucksvoller Zeuge der Eisenerzverhüttung in der Mitte des 19. Jahrhunderts; wie das Schloss von Cons steht auch er unter Denkmalschutz.
Stippvisite in der Großregion
Falls Sie am Wochenende noch nichts vorhaben. Hier einige touristischen Höhepunkte quasi direkt vor der Haustür.

Longwy-Haut mit seinen Festungsüberresten ist durchaus ein Besuch wert, ist zahlreichen Luxemburgern auch bekannt. Deshalb wollen wir sofort weiter: nach Cons-la-Grandville (Cônss gelesen). Bereits von der Landesgrenze aus schlagen wir die Richtung Reims ein, biegen nach etwa fünf Kilometern hinter Longwy nach links ab, um nach Cons hinab zu fahren. Welch ein Bild: das mächtige Schloss am Ende der von kleinen Reihenhäusern gesäumten Einfallstraße! Nach rechts, dann sofort nach links und wir stehen nach etwa 100 Metern vor der Einfahrt zur weiten zweiteiligen Schlossanlage.

Das hoch über dem Dorf thronende Gebäude entstand im 16. Jh. Ihm angeschlossen ist ein zwölf Hektar großer Park aus dem 19. Jh. mit einigen bemerkenswerten und sogar als selten angesehenen Bäumen. In ihm liegt ein „Prieuré“, davor eine Kirche, beide stammen aus den Jahren 1730 bis 1732. Die schick eingerichtete „Grange du prieuré“ dient als edler Festsaal.

Das sich in Privatbesitz befindliche Schloss kann besichtigt werden, allerdings nur auf Rendez-vous und mit anderthalbstündiger Führung, außer im September anlässlich der „Journées européennes du patrimone“. Es enthält einige Reihe herausragender kunsthistorische Besonderheiten, vor Allem eine reich verzierte monumentale Cheminée aus den 1580er-Jahren.

Schlagen wir nun Chiers-abwärts den Weg Richtung Montigny-sur-Chiers ein. Aber nicht zu schnell: Am Ausgang von Cons wartet ein Zeuge der Anfangszeit der Eisenerzverhüttung im Chiers-Tal auf unseren Besuch: ein Hochofen aus dem Jahr 1865. 1878 hatte er ausgedient, die ersten großen Eisenerzhütten am oberen Chiers-Lauf hatten ihn unrentabel gemacht.

Cons-la-Grandville wird majestätisch dominiert von seinem zweiteilgen Schloss sowie den daneben liegenden Kirche und Prieuré.

Über Montigny kommen wir nach Viviers-sur-Chiers, wo die schön restaurierte Kirche – eine Rarität im laizistischen Frankreich – aus dem 13. Jh. auffällt. Ein paar Kilometer weiter gelangen wir im einstigen Eisenbahnknotenpunkt Longuyon an. Das Städtchen hat eine sehr lange historische Vergangenheit, nur wenige architektonische Zeugen sind erhalten geblieben. Noch vor der Eisenbahnbrücke biegen wir nach rechts ab in Richtung Colmey, folgen der Départementale D29c und damit der Chiers und der Eisenbahnlinie. Güterzüge rattern häufiger durch das stille grüne Tal als Personenzüge, die Linie verbindet nämlich Basel mit Calais. Nach Colmey und Villette folgt Charency- Vezin. Ein kurzer Besuch des noch im Dorf gelegenen „Deutschen Soldatenfriedhofs“ ruft die Maxime wach, dass im Tod alle gleich sind. Die gerademal zwei Dutzend Grabmale teilen sich nämlich deutsche und einige französische Opfer des Ersten Weltkriegs. In Epiez-sur-Chiers lädt ein kleiner Halt bei der Mairie ein (erste Straße rechts). Das Rathaus, das nur einen Raum besitzt, wird von einem (einstigen) Waschbrunnen getragen Davor ein mit Blumen und Sträucher schön gesäumter Tümpel mit Springbrunnen.

Die Strecke führt uns weiter westwärtsnach Torgny in Belgien. Direkt links ein Ortseingang eine … Rebfläche. Torgny trägt mit Stolz das Prädikat, die einzige belgische Ortschaft zu sein mit natürlichem Weinbaugebiet. Weitere Rebstöcke wachsen rechts oben in der Nähe des Waldes. Ein Rundgang durch Torgny führt an einmalig schön restaurierten oder erhaltenen Häusern vorbei.

Fahren wir nun das Dorf hinab und hinaus, überqueren Chiers und Eisenbahnline, durchqueren Velosnes und Bazeilles-sur-Othain, um nach Montmédy zu gelangen. Die Silhouette der Vauban-Zitadelle grüßt aus der Ferne. Sie war Mitte des 16. Jh. von den Spaniern errichtet, Ende des 17. Jh. von Maréchal und Festungsbaumeister Vauban modernisiert und verstärkt worden. Um in sie hinein zu gelangen fahren wir Richtung Charleville-Mézières weiter, biegen auf dem Bergrücken (Ortstafel „Tivoli“) nach links ab, wagen uns durch zwei gut erhaltene Tore an unser Ziel. Das militärische Bollwerk hat die Jahrhunderte überstanden und ist unangetastet geblieben. Die Umgebung sowie die Häuser und die Kirche innerhalb der Zitadelle hingegen gaben noch vor etwa 50 Jahren ein desolates Bild ab. Seither ist manches renoviert worden. Viele Häuser sind wieder bewohnbar. Aber, die Arbeit ruft immer noch laut … Empfehlenswert ist ein Rundgang durch die (engen) Festungskatakomben und über den Wall sowie ein Besuch des Festungsmuseums (Eintrittspreis: 4,80 Euro). Unsere Tour „Von Vauban bis Vauban“ könnte nachmittags hier abschließen, vorausgesetzt, sie war morgens nicht zu spät begonnen worden und die Mittagspause hatte nicht zu viel Zeit in Anspruch genom-men. Rückfahrt über Marville, Longuyon und Longwy oder Virton und Aubange beziehungsweise Arlon.

Dieser Text ist ursprünglich in AutoMoto erschienen.