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Von Slow Food bis Balsamessig
Lifestyle 5 Min. 20.11.2019

Von Slow Food bis Balsamessig

Herbstliche Stimmung rund um das Hambacher Schloss.

Von Slow Food bis Balsamessig

Herbstliche Stimmung rund um das Hambacher Schloss.
Foto: Shutterstock
Lifestyle 5 Min. 20.11.2019

Von Slow Food bis Balsamessig

Frank WEYRICH
Frank WEYRICH
Genuss wird in der Pfalz großgeschrieben, wobei Wein dabei eine wichtige Rolle spielt.

Weinkultur wird in der Pfalz großgeschrieben. Auf etwa 23 500 Hektar werden hier Reben angepflanzt, wovon 5 800 Hektar dem Riesling zufallen. Die Fläche mit dem meist angebauten Rotwein Dornfelder ist gerade mal halb so groß. Kein Wunder also, dass Weißwein hier eine ganz besondere Rolle einnimmt. Gilt Deutschland allgemein als Land der Biertrinker, so wird man hier in der „Palz“, wie die Einheimischen sagen, eines Besseren belehrt. Bei einer Spritztour durch die Region kann man sich davon überzeugen, wie groß die Vielfalt an Weinen in dieser zweitgrößten Anbauregion in Deutschland ist.

Neben der geografischen Lage haben die hier vorgestellten Produzenten eine weitere Gemeinsamkeit. Sie stellen sich ganz in den Dienst der Slow-Food-Bewegung. Dabei handelt es sich um eine Philosophie, die in Italien geboren wurde und deren Zielsetzung ein qualitativ hochwertiges Essen und Trinken propagiert. Drei Grundeigenschaften müssen erfüllt werden, um als Slow Food gelten zu dürfen: Es muss gut sein, sauber und fair. Ein Essen oder ein Getränk gilt als „gut“, wenn seine Qualität stimmt, es wohlschmeckend ist und gesund. Das Kriterium „sauber“ bezieht sich darauf, dass die Herstellung ohne Beeinträchtigung der Umwelt erfolgt. Die Fairness schließlich zielt auf die Preise, die sowohl für den Verbraucher erschwinglich sein sollen als auch für den Hersteller einen gerechten Lohn erbringen müssen. Die Pfalz scheint eine besonders fruchtbare Gegend für das Gedankengut zu sein, sind doch fast 300 Betriebe Mitglied in der Slow–Food-Organisation. Einen weiteren Qualitätsanspruch unterstreicht der VDP, der Verband Deutscher Prädikatsweingüter. Er zählt in der Pfalz 25 Winzer, die den strengen Qualitätsregeln des Verbands folgen.

Wenn man eine der Kellereien besucht, so wird man dort bereits nach kurzer Zeit mit dem Begriff „Trinkfluss“ konfrontiert. Was genau darunter zu verstehen ist, ist auch nach dem Besuch der vierten Weinprobe nicht ganz klar, aber wahrscheinlich soll ein „Wein mit gutem Trinkfluss“ bedeuten, dass er angenehm zu trinken ist.

Einblick in die Schatzkammer der Kellerei Fitz-Ritter.
Einblick in die Schatzkammer der Kellerei Fitz-Ritter.
Foto: Hersteller

Wer in die Genusswelt der Pfalz genauer eintauchen will, hat mehrere Möglichkeiten:

Weinprobe mit Stil

Die Kellerei Fitz-Ritter in Bad Dürkheim (www.fitz-ritter.de) ist besonders stolz auf ihre langjährige Erfahrung als Sektkellerei. Bereits in neunter Generation ist der Winzerbetrieb heute in den Händen von Johann Fitz. Der Gründer, Johannes Fitz, musste 1832 vor der Verfolgung durch die königlich bayrischen Truppen fliehen. Während seines Exils in der Champagne erlernte er dort die Herstellung von Schaumweinen. Nach seiner Rückkehr in die Pfalz begann er, das Gelernte umzusetzen, allerdings unter dem Namen seines Vetters, weil für ihn selbst ein Berufsverbot galt. Ihm wird der Reim zugerechnet: „Drum ist in unsrer Not, nur wer trinkt ein Patriot.“ Wem es gegönnt ist, die Treppen in den Weinkeller hinabzusteigen, der steht bald vor einem großen Gitter, das bis zur Gewölbedecke reicht. Dahinter lagern bis hoch unter die Decke zahlreiche Flaschen. Eine Aufschrift am Gitter sagt mehr als tausend Worte: „Schatzkammer“.

Licht und Genuss

Sensorielle Lichtweinproben werden im Weinhaus Meßmer in Burrweiler (www.dasweinhaus.com) auf Anmeldung angeboten. Während der Veranstaltung gilt es sechs Weine zu verkosten, wobei sich die Raumbeleuchtung jedes Mal ändert. Von Blau über Grün und Gelb zu Orange bis hin zu Rot taucht der Proband in neue Lichtwelten ein und gibt gleichzeitig seine Benotung der verköstigten Weine ab. Zeremonienmeister Martin Meßmer zeigt dabei in kurzweiliger und beeindruckender Manier, wie sehr die Geschmacksempfindungen von der herrschenden Stimmung und Umgebung beeinflusst werden. Es beruhigt zu wissen, dass sogar der Winzer selbst Schwierigkeiten hat, die eigenen Weine unter Lichteinfluss geschmacklich auseinanderzuhalten.

Von Äpfeln und Birnen

Beim Anblick der unzähligen Weinreben vergisst man schnell, dass die Pfalz auch andere Fruchtsorten zu bieten hat. Im Apfelgut Zimmermann in Wachenheim (www.apfelgut-zimmermann.de) wird man eines Besseren belehrt. Die rund 20 verschiedenen Apfelsorten stellen das Gros des Anbaus dar, doch auch Birnen, Zwetschgen oder Pfirsiche profitieren vom gemäßigten Pfälzer Klima. Ganz im Einklang mit der Slow–Food-Philosophie erzeugt Peter Zimmermann einheimische Früchte und vertreibt sie auch nur regional. Als weitere Besonderheit nutzt er das Wasser vom Rhein, das in Überlaufbecken gesammelt wird, um seine Früchte im Winter vor Frost zu schützen und im Sommer zur bewässern. Spritzig-fruchtig erfrischt der „Cidre Julchen“, während die hausgemachten Balsamessige aus Äpfeln oder Birnen ganz aromatisch daherkommen.

Birnenbalsam-Essig, ein begehrtes Mitbringsel.
Birnenbalsam-Essig, ein begehrtes Mitbringsel.
Foto: Frank Weyrich

Im Kräutergarten

Neben landestypischen Häusern fällt in Edenkoben ein großes Gut auf, das in ähnlicher Form auch in der Toskana stehen könnte. Hier befindet sich der Kräutergarten Klostermühle (www.kraeutergarten-klostermuehle.de). Mit viel Akribie hat Inhaber Klaus Schlosser auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters seinen Kräutergarten angelegt. Er wurde nach den Vorgaben des historischen St. Galler Klosterplans konzipiert. Dieser im 9. Jahrhundert angefertigte Plan sah – neben einem Obstgarten – auch die Aufteilung in Arzneigarten und Küchengarten vor. Alleine mehr als 20 Sorten Lavendel kultiviert Schlosser und macht daraus Sirups, Duftwasser und Öle. Zusätzlich zu den bekannten Kräutern kann der Besucher aber auch weniger bekannte Gewächse bestaunen. Neben Herzblatt und Basilikum „Zanzibar“ verwundert etwa der Mexikanische Duftsalbei mit seinen kleinen roten Blüten.


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Küchenevent im Dunkeln

Ein Gewölbekeller bietet an und für sich schon einen besonderen Rahmen für ein Restaurant. Bei Stefan Walch (www.kuechenkuenstler-walch.de) nimmt die Esserfahrung aber eine andere Dimension an. Walch selbst bezeichnet sich als Küchenkünstler und veranstaltet Events rund ums Kochen in Speyer – so auch eine Verkostung im Dunkeln. Die Gäste sitzen dabei in einem vollkommen verdunkelten Raum. Hier sind sie auf ihre anderen Sinne angewiesen, nicht nur um herauszufinden, was die Bedienung mit Nachtsichthelm gerade aufgetischt hat, sondern zunächst einmal um auszumachen, wo überhaupt der Teller, das Besteck oder das Weinglas steht. Aber aufgepasst: Nach einer Weile überkommt jeden Gast am Tisch eine gewisse Müdigkeit, weil die Dunkelheit dem Körper signalisiert, dass die Zeit zum Schlafen gekommen ist. Nach dem Nachtisch und dem obligatorischen Kaffee wird es zum Glück wieder hell. Dann wird das tolle Ambiente des Raumes erst sichtbar, in dem man sich die ganze Zeit aufgehalten hat. 


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SRT-Bild Archivnummer: 7151001037, MUSICAL, SRT-Archivbild, Beschreibung:
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