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Von Insel zu Insel
Lifestyle 3 7 Min. 28.07.2021
Urlaub in Schweden

Von Insel zu Insel

Per Fähre geht's nicht nur auf die umliegenden Inseln: Auch innerhalb von Stockholm werden sie gerne genutzt.
Urlaub in Schweden

Von Insel zu Insel

Per Fähre geht's nicht nur auf die umliegenden Inseln: Auch innerhalb von Stockholm werden sie gerne genutzt.
Foto: Geraldine Friedrich
Lifestyle 3 7 Min. 28.07.2021
Urlaub in Schweden

Von Insel zu Insel

Ein Besuch der schwedischen Hauptstadt mit der Familie lässt sich wunderbar mit einem Trip auf die Insel Utö verbinden.

Von Geraldine Friedrich

„Was? Kein Krabbenangeln?“, fragt Tim und guckt so enttäuscht, dass es einem fast das Herz bricht. Frisch angekommen in Stockholm, stürmt der Elfjährige die wenigen Meter vom Hotel zum Meer, oder zumindest an das, was Binnenländer für das Meer halten. Weit und breit sind im Wasser vor Djurgården (dt. „Tiergarten), einer von 14 Inseln Stockholms, aber keine Krabben zu sehen. Stattdessen: Jede Menge coole Bars, Restaurants und Museen, denn Djurgården ist die Museumsinsel der schwedischen Hauptstadt.

Stockholm liegt umzingelt von 30.000 kleinen felsigen Inseln, Schärengarten genannt, zwischen Mälar-See und Ostsee. Und die Ostsee besteht aus Brackwasser. Darunter versteht man ein Zwischending aus Süß- und Salzwasser, also mehr Salzgehalt als Süßwasser, aber deutlich weniger als beispielsweise in der Nordsee. Das Problem: Krabben mögen kein Brackwasser, sondern brauchen zum Überleben Salzwasser. Die gute Nachricht ist: Schiffsbohrwürmer mögen auch Brackwasser. Das versöhnt den Nachwuchs wieder, denn wäre die legendäre Vasa bei ihrer Jungfernfahrt am 10. August 1628 im salzigen Meer versunken statt im Brackwasser des Stockholmer Hafens, wäre von ihr mehr als drei Jahrhunderte später nichts übrig geblieben und es gäbe kein „Vasa-Museet“.

Wissenswertes im Museum

Tatsächlich schafft es Tim mit seinem Papa am nächsten Morgen als erster das Museum zu betreten, welches um das imposante Kriegsschiff herum gebaut wurde. Nicht nur, dass das Wrack an sich fast vollständig erhalten blieb, auch die Geschichten, die sich um die Jungfernfahrt ranken, faszinieren den Elfjährigen. In Vitrinen liegen Skelette von den rund 50 Menschen aufgebahrt, die während der Jungfernfahrt der Vasa ertranken.

So sah die berühmt-berüchtigte Vasa – hier ein Modell – einst aus.
Links ist das Original zu sehen
So sah die berühmt-berüchtigte Vasa – hier ein Modell – einst aus. Links ist das Original zu sehen
Foto: Geraldine Friedrich

Da ist beispielsweise der 35-jährige Helge, dessen Skelett die Bergungstaucher eingeklemmt unter einer schweren Kanone fanden. Anhand moderner Analysemethoden ermittelten Wissenschaftler nicht nur sein ungefähres Alter, sondern fanden heraus, dass er gut genährt war. Allerdings litt er an Karies – wie vergrößerte Röntgenaufnahmen von Helges Eckzahn zeigen und Tim eindrucksvoll die Folgen des Nicht-Zähneputzens demonstrieren.

Der Seemann hatte vermutlich Zugang zu Fisch und Fleisch, ganz im Gegensatz zur unterernährten Beata, die mit 25 ebenfalls ertrank und deren Zähne Schmelzstörungen aufweisen. All das hört sich Tim auf seinem Audio-Guide an. Tims Papa ist derweil fasziniert vom Film im museumseigenen Kino über die Bergung der Vasa, der die Hartnäckigkeit des glücklichen Vasa-Finders Anders Franzén dokumentiert. „Drei Jahre hat er in Archiven nach Hinweisen recherchiert und parallel dazu den Hafen mit Senkbleien Stück für Stück abgesucht – bis er sie tatsächlich fand. Was für eine Wahnsinnsstory“, zeigt sich der große Museumsbesucher beeindruckt.

Im Umkreis von wenigen hundert Metern liegen rund um das Vasa-Museet auch das ABBA-Museum, das Nordische Museum („Nordiska Museet“) und das Wikinger-Museum („Vikingaliv“). Der Deal: Mama huldigt im ABBA-Museum den Idolen ihrer Kindheit, während die Männer ein zweites Mal ins Vasa-Museum gehen. In direkter Nachbarschaft befindet sich zudem der Vergnügungspark Gröna Lund mit Riesenrad und einem Kettenkarussell, in dem man übers Wasser fliegt.

Im Technikmuseum können Kinder viel ausprobieren
Im Technikmuseum können Kinder viel ausprobieren
Foto: Geraldine Friedrich

Das Technik-Museum liegt zwar weiter weg, lässt sich aber mit einem schönen Spaziergang durch das Villenviertel Rosendal-Park („Rosendals trädgård“) und dem Besuch des Rosendals Trädgårdcafé verbinden, wo man gemütlich auf Bänken unter alten Apfelbäumen isst. Auf dem Weg passiert man auch das Freilichtmuseum Skansen. Kurzum: Wer Stockholm mit Kindern erkunden will, ist mit einer Basis auf der grünen Insel Djurgården gut aufgehoben – und wohnt trotzdem nur zehn Straßenbahnminuten (Linie 7) von Stockholms Zentrum und Shoppingmeile entfernt. Von dort ist es auch nicht weit zum Strömkajen, dort legt die Personenfähre nach Utö ab. Nach drei Tagen Stadtaufenthalt ist die über drei Stunden dauernde Schiffsreise willkommen. Gemächlich schippert die „M/S Gustafsberg“ durch die dicht aneinander gelegenen Schären des Stockholmer Süd-Archipels bis sie an der Gruvbryggan in Utö anlegt, wo sich die meisten Geschäfte und Restaurants der Insel befinden.

Begegnung mit einem Urgestein

„Gruv“ heißt Bergwerk. Der Name der Landungsbrücke weist direkt auf die Wirtschaftsgeschichte der zehn Kilometer langen und vielleicht 1,5 Kilometer breiten Insel hin. Über Jahrhunderte nährten die Minen die Einwohner. „Kinder ab acht Jahren mussten arbeiten. Sie mussten das Erz herauspicken“, erzählt Charlotte Schröder, die auf ihrer eigenen kleinen Insel neben der Hauptinsel lebt. Heute sind es mit Wasser gefüllte, bis zu 220 Meter tiefe Löcher.

Charlotte Schröder
Charlotte Schröder
Foto: Geraldine Friedrich

Die 75-Jährige kennt allerlei interessante Details und Anekdoten. So seien seit 1725, seitdem die Geburten in Kirchenbüchern verzeichnet werden, auf der Insel fast nur Jungs geboren worden. Schröder: „Alle haben das Wasser aus den Minen getrunken, welches Eisen, Kupfer, Schwefel, Lithium und Arsen enthält.“ Das Gerücht entstand, dass Arsen die Ursache für den Männerüberschuss sei. Vielleicht war es bei einer eher geringen Einwohnerzahl von 220 ständigen Einwohnern aber einfach nur Zufall. Heute sind von den 15 Schülern auf der Insel immerhin vier Mädchen, allerdings trinken die Einwohner auch nicht mehr das Grubenwasser.

Utö ist für Stockholmer ein beliebter Tages- oder Wochenendausflug. Sie erkunden die bewaldete Insel zu Fuß oder mit einem gemieteten Drei-Gang-Rad. Interessant sind die Eigentumsverhältnisse der Insel: Der touristische Teil im Norden gehört einer Schären-Stiftung, der mittlere Teil Utös zählt zur Kommune Haninge und der südwestliche Teil der Insel gehört dem schwedischen Militär.

Eine knappe Stunde braucht man, um vom Ferienhäuschen beim Utö Vardshus die knapp 14 Kilometer an einen der schönsten Strände namens Storsand (schwedisch „stor“ = groß) zu radeln. Der Strand liegt auf der mit einer Brücke verbundenen Nachbarinsel Ålö. Auf dem Weg nach Storsand passiert man erst das Dorf mit Schule und Kirche, anschließend durchquert man das militärische Sperrgebiet, wo man die Wege nicht verlassen darf. Die Militärzone besteht aus naturbelassenem Wald, ein paar Lagerhäusern und drei zur Besichtigung ausrangierten Panzern, die Tim prompt erklimmt. Die Zone endet an der kleinen Brücke, die Utö mit Ålö verbindet.

Sandstrand und kaltes Wasser

Plötzlich öffnet sich der Kiefernwald und man blickt auf einen Sandstrand samt flachen Felsen und blauem Meer. Storsand ist ein hufeisenförmiger Postkartentraum, wie er auch in der Karibik stehen könnte, einzig die Wassertemperatur liegt knapp darunter. Tim ist das egal, er stürzt mit Feuereifer an den Strand und fängt sofort an eine Sandburg zu bauen. Die riesigen von der Sonne gewärmten Felsen eignen sich übrigens perfekt, um sich nach dem erfrischenden Bad aufzuwärmen. Ålö hat lediglich 18 Einwohner und am äußersten Südwestzipfel ein nettes Fischrestaurant, das aber nur im Sommer geöffnet ist.


Wer Bernstein findet, etwa an der Ostsee, wird sich wundern: Das uralte Harz ist weder glatt poliert noch vollkommen transparent, ähnelt eher einem Feuerstein oder einem Stück Glas.
Tipps für die Suche nach dem begehrten Harz am Urlaubsstrand
Wer am Strand entlangschlendert, kann mehr als nur Muscheln finden. Doch Bernstein gibt sich oft nicht sofort zu erkennen.

An der Nordostküste Utös führt ein markierter Rundwanderweg über Felsen, ideal für kletterfreudige Kinder. Ende des Sommers trifft man hier außerhalb der Ortschaft kaum Menschen, dafür aber Elche. Am letzten Ferientag sieht sie Tim erstmals in freier Wildbahn: Eine Elchkuh quert mit ihrem Jungen gemütlich die Straße und verschwindet im Wald. Wer braucht da noch Krabben?

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