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Von Alice Springs nach Adelaide : Roadtrip durch Australien
Die Flinders-Gebirgskette punktet mir hinreißenden Ausblicken.

Von Alice Springs nach Adelaide : Roadtrip durch Australien

Foto: Paul Torcello/SATC
Die Flinders-Gebirgskette punktet mir hinreißenden Ausblicken.
Lifestyle 6 Min. 03.01.2018

Von Alice Springs nach Adelaide : Roadtrip durch Australien

1 600 Kilometer durch Salzwüsten, Gebirge und anmutige Weinberge. Auf der Südroute des „Explorers Way“ kommen Selbstfahrer an der Opal-Stadt Coober Pedy, dem Regenbogen-Tal und der größten Rinderfarm der Welt vorbei.

von Christian Haas

Hunderte Kilometer zurücklegen, ohne je eine Stadt oder ein Dorf zu passieren oder wenigstens ein Haus zu sehen – wo bitte gibt es so etwas in Europa? In Australien auf dem „Explorers Way“, der den gesamten Kontinent von Nord durch Süd durchquert, ist dies gang und gäbe.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Trotz überwiegend schnurgerader Strecken und stundenlanger Monotonie am Steuer hat das Selbstfahrerlebnis mit Langeweile nichts zu tun. Denn auch im Zeitalter klimatisierter Autos und asphaltierter Straßen kommt auf dem „Explorers Way“ echtes Abenteuergefühl auf. Schließlich bestimmen in weiten Teilen lebensfeindliche, karge Landschaften und Salzseen die Route. Die muss man indessen nicht in ihrer vollen Länge – immerhin rund 3 000 Kilometer – absolvieren. Allein die Südhälfte von Alice Springs im „Northern Territory“ nach Adelaide in Südaustralien garantiert großartige Selfdrive-Tage. Sieben sollte man für die rund 1 600 Kilometer mindestens einplanen.

Die „Flinders Ranges“ bieten sich nicht nur zum Durchfahren, sondern auch zum Wandern und Mountainbiken an.
Die „Flinders Ranges“ bieten sich nicht nur zum Durchfahren, sondern auch zum Wandern und Mountainbiken an.
Foto: Mike Newling/SATC

Los geht es in Alice Springs, das bequem per Zug oder Flugzeug erreichbar ist und einige Mietwagen- und Camperverleihstationen beheimatet. Die 27 000-Einwohner-Stadt markiert nicht nur das Zentrum des Kontinents, sondern auch eines der Zentren der Aboriginal-Kultur: Nirgendwo sonst findet man auf so konzentriertem Raum so viele Galerien, die Aborigines-Kunst ausstellen. Was man in Alice Springs ebenfalls findet: jede Menge Informationen für Exkursionen in der Region mit den landschaftlichen Highlights Kings Canyon, Uluru und Kata Tjuta. Allein hierfür könnte man eine Extrawoche veranschlagen. Oder man nimmt gleich den „Explorers Way“ Richtung Süden in Angriff. Den ersten Höhepunkt stellt das „Rainbow Valley“ dar, in das man – hier ist ein geländegängiges Fahrzeug Pflicht – einige Kilometer einbiegen sollte. Warum das Tal so heißt, erschließt sich rasch: Durch Verwitterung des eisenhaltigen Sandsteins entstanden hier bunte Felsbänder, deren Farbpalette von Weiß bis Dunkelrot reicht.

Auf dem dann wieder geteerten „Explorers Way“ Richtung Süden bleibt neben Grün (die Bäume und Büsche) Rot (der Boden) die vorherrschende Landschaftsfarbe. Auch jenseits der Bundesterritoriengrenze. Erster nennenswerter Stopp in „South Australia“ ist die gerade einmal aus 70 Einwohnern bestehende Siedlung Marla. Hier wird gerne übernachtet, auch weil sich die Wege scheiden. Entweder fährt man weiter südwärts auf dem „Explorers Way“ nach CooberPedy. Oder man reist nach Osten durch die „Painted Desert“ weiter und dann via „Flinders Ranges“ gen Adelaide.

Down Under im doppelten Sinn

Wer sich für die erste Variante entscheidet, dem wird das rund 1 600 Einwohner zählende Coober Pedy – „Des weißen Mannes Loch“, so der Aborigines-Begriff – nach der Einöde wie eine Kleinstadt vorkommen. Die selbsternannte Opal-Hauptstadt der Welt ist nicht nur für die wertvollen weißen Edelsteine berühmt, sondern auch für seine unterirdischen Wohnhäuser, Hotels und Kirchen, die die Bürger auf der Flucht vor der gnadenlosen Sommerhitze unter der Erde gebaut haben.

Was sie ebenfalls – teilweise in den Höhlen einer alten Mine – gebaut haben: das Desert Cave Hotel, das weltweit einzige Vier-Sternehotel unter Tage. Von den 50 Suiten liegt knapp die Hälfte unter der Erde. Glaubt man dem Feedback der Übernachtungsgäste, ist der Schlaf in diesen natürlich-kühlen Räumen besonders erholsam. Erfrischung verspricht auch der Höhlen-Swimmingpool oder ein eisiger Cocktail an der unterirdischen Bar. Tipp: Bei der „Mail Run Tour“ kann man einen Tag lang im wuchtigen Allradgefährt durch die Wüste heizen – mit dem Postboten.

Viel schönes Nichts

Nicht von Australiens Straßen wegzudenken sind „Road Trains“. Die bis zu 100 Meter langen Laster sind zweifellos die Könige der Straße. Die Herren der Lüfte sind Abermilliarden Buschfliegen, sonst regiert im Outback die Sonne. „A lot of nothing“ nennen Aussies die Buschlandschaft, die drei Viertel des Kontinents einnimmt, aber nur von 0,3 Prozent der Bevölkerung bewohnt wird. Auf dem langen, von etlichen unwirtlichen, aber stimmungsvollen Salzseen gesäumten Weg nach Port Augusta scheint die Einwohnerdichte noch geringer. Da freut man sich über jede Begegnung, etwa im Glendambo Roadhouse. Oder in Woomera, wo alte Raketen und Anlagen der ehemaligen Militärzone besichtigt werden können.

In der 14 000-Einwohner-Stadt Port Augusta trifft einen die Zivilisation mit voller Wucht. Und der Meeranblick signalisiert ein baldiges Tourende. Wer das nicht wahrhaben will, der flüchtet ins Wadlata Outback Centre, das zu einer gut inszenierten Zeitreise bis ins Dinosaurierzeitalter einlädt, oder setzt noch einmal den Blinker Richtung Landesinneres.

Beliebtes Fotomotiv: Mit etwas Glück trifft man unterwegs auf die unterschiedlichsten Känguru-Arten.
Beliebtes Fotomotiv: Mit etwas Glück trifft man unterwegs auf die unterschiedlichsten Känguru-Arten.
Foto: Neale Winter/SATC

Auch wenn Adelaide auf dem „Explorers Way“ in drei bis vier Stunden erreicht wäre, sollte man noch zwei bis drei Tage für einen Abstecher in die „Flinders Ranges“ einplanen. Und Extra-Speicherkarten für die Kamera, denn die 500 Kilometer lange Gebirgskette liefert mit tiefen Schluchten und schroffen Felsformationen Fotomotive am laufenden Band. Highlight aller drei Nationalparks ist die wie ein riesiges Felsenamphitheater aussehende „Wilpena Pound“. Hier hat sich über Millionen von Jahren eine natürliche Mulde gebildet, die einen Durchmesser von rund 100 Kilometern hat. Also rein in die Cessna und das Naturphänomen aus der Luft ansehen. Großartige Naturaussichten haben aber auch Gäste des Wilpena Pound Resorts, Mountainbiker, auf die über 200 Trailkilometer warten, und Wanderer. Einige Wege führen bis an die Kraterkante. Tipp: Der Yacca Lookout ist ein besonders schöner Aussichtspunkt. Doch es gibt noch viele weitere. Wer nicht genug kriegen kann, bekommt mit dem „Bunyeroo Valley“ sowie der „Parachilna“ und „Brachina Gorge,“ in der sich mit etwas Glück die seltenen Gelbfuß-Kängurus beobachten lassen, weitere Naturspektakel serviert.

In Weinlaune

Gut zu wissen: Man gelangt auch von oben in die „Flinders Ranges“. Von Marla führt der 615 Kilometer lange „Oodnadatta Track“ über Oodnadatta nach Marree in der

Nähe der „Flinders Ranges“. Wahlweise kann man dorthin auch von Coober Pedy via William Creek gelangen. So oder so: Der Weg durch die „Painted Desert“ lohnt sich. Vor 80 Millionen Jahren war die heutige Wüste nämlich ein Binnenmeer. Heute sind die sandigen Hügel, die durch Erosion entstanden sind, in verschiedene Rot-, Gelb- und Brauntöne getaucht, die mit weißen und schwarzen Felsabschnitten kontrastieren. In der endlosen Weite treffen Steinwüsten auf rosa funkelnde Salzseen, endlose Sanddünen auf Oasen mit Urzeit-Palmen, heiße Quellen auf ausgetrocknete Flusstäler. Man fragt sich, wie man hier Tiere halten kann. Doch die Anna Creek Station ist mit rund 18 000 Tieren die größte Rinderfarm der Welt.

Deutlich mehr Zivilisation erwartet die Fahrer auf der letzten Etappe des „Explorers Way“ von den „Flinders Ranges“ nach Adelaide. Die wird lieblich, geradezu mediterran. Dafür sorgt zuerst das „Clare Valley“, das zu den ältesten und besten Weinregionen Australiens zählt (das Riesling-Gebiet schlechthin), und das nicht minder bekannte „Barossa Valley“. Hier sitzen große Weinproduzenten wie Jacob's Creek, Penfolds, Peter Lehmann, Seppeltsfield und Yalumba, die Shiraz-, Cabernet-, Sauvignon- und Riesling-Weine in großem Stil exportieren. Ihre stylishen Besucherzentren bieten Touren durch die Weinberge, Weinseminare und preisgekrönte Restaurants mit fantastischem Blick. Verkostungen in kleineren Weingütern haben freilich auch ihren Reiz. Wer nach all den Kilometern der letzten Wochen nicht mehr viel fahren will, findet mitten in Adelaide, der liebens- und lebenswerten Hauptstadt von South Australia, ein Best-of in der Wined Bar im „National Wine Centre of Australia“. Hier stehen 120edle Tropfen vom fünften Kontinent zur Wahl. Ein würdiger Endpunkt für ein großes Abenteuer. srt


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SRT-Bild Archivnummer: 1410001023, SPANIEN, SRT-Archivbild, Beschreibung: Baskenland, Pilger auf Ignatiusweg, Foto: menditxik.com, mountain guides Ignatiusweg, Foto: menditxik.c om, mountain guides
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