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Volvo V60 T8: Sparen auf hohem Niveau

Volvo V60 T8: Sparen auf hohem Niveau

Volvo V60 T8: Sparen auf hohem Niveau

Volvo V60 T8: Sparen auf hohem Niveau


von Teddy JAANS/ 13.02.2021

Dass Sparen nicht mit Verzicht einhergehen muss, demonstrieren die Schweden mit der Topvariante des V60, die beweist, dass Hybridisierung auch Spaß machen kann. Ist der Doppelherz-Volvo wirklich ein Sportgerät mit Spatzendurst?

Die Tochterfirma Polestar steht bei Volvo für Sportlichkeit und erinnert an andere Edelschmieden à la AMG oder Alpina. So wundert es nicht, dass der an und für sich unauffällige V60 als T8 Polestar Engineered mit diversem optischem Zierrat wie goldfarbenen Brembo-Bremssätteln und einem schwarzen Kühlergrill auftritt. Damit wird auch ein Schwede zum Hingucker. 

Dennoch bleibt er dezent im Auftritt und überlässt prollige Wichtigtuerei anderen, weitaus weniger potenten Konkurrenten. Im Innenraum unterstreichen lediglich die gelben Sicherheitsgurte die Ambitionen. Gut so. Zum Glück hat man das Fahrzeug nicht aufgemotzt und mit allerlei peinlichem Spoilerwerk versehen.

Fette 245er Reifen auf 20-Zoll-Rädern stehen irgendwie im Widerspruch zur Batterie-Ladeklappe im vorderen linken Kotflügel? Oder etwa och nicht? Um dies zu überprüfen, nehmen wir Platz in dem 4,7 Meter langen, im typischen Markendesign von Thomas Ingenlath gezeichneten V60. 

Abgesehen von einem Sportlenkrad, deutet in dem akkurat verarbeiteten Interieur wenig auf die gehörige Portion Technik, bestehend aus einem 318 PS starken Vierzylinder-Benziner und einem 87 PS starken Elektroantrieb hin. Dass Polestar nochmal 15 Pferdestärken und 30 zusätzliche Newtonmeter Drehmoment aus dem System herauskitzelt, bleibt dem unkundigen Auge verborgen.

Das Interieur ist markentypisch, sauber verarbeitet, orangefarbene Sicherheitsgurte deuten auf eine getunte Serienversion hin. Abgesehen davon geht es dezent zu. Vielmehr genießen Fahrer und Beifahrer die in alter Volvo-Tradition hervorragend gestalteten Sitze. Und selbst im Fond reist man als Erwachsener nicht zweiter Klasse, das Platzangebot ist mehr als ausreichend. 


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Auf längeren Etappen schätzt die Familie den Komfort, den das mit Öhlins-Dämpfern optimierte Fahrwerk bietet. Es ist straff, schluckt Bodenwellen jedoch mit selten erlebter Souveränität und hält den Aufbau auch von lästigem Stuckern ab. Den Schweden ist es gelungen, den vollen Nutwert des Fahrzeugs zu erhalten. Selbst unter dem Ladeboden im Kofferraum ist noch ein Staufach. Vorbei die Zeiten, als sperrige Batteriepakete den halben Kofferraum für sich beanspruchten. Zudem senken die tief im Fahrzeug verbauten Akkus den Schwerpunkt des Fahrzeugs, sodass er satt liegt und auch bei dreistem Einsatz seiner Leistung nicht ins Wanken gerät.

Beim Betätigen des Anlasserdrehknopfs tut sich zunächst scheinbar nichts, bei vollgeladener Batterie übernimmt der auf die Hinterachse agierende E-Motor die gesamte Arbeit – still und diskret. Erst bei beherztem Tritt auf das Gaspedal erwacht der 2,0-Liter-Verbrenner zum Leben und zieht via Achtgang-Automatik über die Vorderachse am Auto. 

Beide Systeme sind also völlig entkoppelt und dennoch spielt das Duo gut zusammen. Zusammen spülen sie 670 Newtonmeter Drehmoment auf die vier Reifen. Beim Anfahren reagiert die immerhin 2.079 Kilogramm schwere Fuhre äußerst spontan auf das Gaspedal, das elektrische Drehmoment steht subito zur Verfügung und schiebt mächtig an.

Ist die 11,6 Kilowattstunden fassende Batterie voll geladen, stehen theoretisch 48 Kilometer im rein elektrischen Betrieb zur Verfügung. Der Fahrer kann zwischen mehreren Fahrprogrammen wählen, wobei der Standard-Hybridmodus unter dem Strich die beste Wahl ist. Der Verbrenner schaltet sich - solange noch Strom im Speicher ist – nur selten zu. Die Priorität liegt beim elektrischen Gleiten. Dabei genießen die Passagiere die völlige Abwesenheit von etwaigen Motorgeräuschen. 

Der Ehrgeiz, so weit als möglich elektrisch zu Fahren, wird angestachelt. Im Fall des Volvo bedeutet dies deutlich mehr als nur „Mitschwimmen“, der Schwede mit der weißen Weste beschleunigt auch rein elektrisch leichtfüßig – sogar bis auf Autobahnrichtgeschwindigkeit.

Dass der Volvo somit auf den ersten 50 Kilometern nach der Ladesäule mit Verbrauchswerten von ein bis zwei Litern Benzin aufwartet, erfreut den Besitzer und die Umwelt gleichermaßen. Dennoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass der Strom auch in die Ökobilanz mit eingerechnet werden muss

Wer das Bremspedal dosiert einsetzt, regeneriert einen Teil der kinetischen Energie. Ungewollt wird man am Steuer des Schweden zum Betrachter der auf dem Mitteldisplay angezeigten Energieflüsse und der Ehrgeiz, möglichst effizient zu fahren, wird angestachelt. Der T8 ist ganz klar ein Auto für Technikfreaks mit grünem Herzen.

Eine fette Brembo-Bremsanlage steht für zuverlässige Verzögerung.
Eine fette Brembo-Bremsanlage steht für zuverlässige Verzögerung.
Foto: Pierre Matgé

Volvo hat acht Modelle mit Hybridantrieb im Angebot, sie leisten zwischen 262 und 405 Pferdestärken, laufen aber dem aktuellen Trend zum Downsizing entsprechend nur mit Vierzylindermotoren von maximal zwei Litern Hubraum vom Band. Dass das kein Manko sein muss, stellt der Testwagen klar unter Beweis. Nicht nur, dass er Traktionsprobleme kaum kennt, auch ist der Leistungseinsatz so spontan und klar, wie man es sich nur wünschen kann. Dabei wird der Volvo nie zum röhrenden Ren(n)tier: Selbst unter Volllast bleibt der Verbrenner akustisch relativ zurückhaltend im Hintergrund. 


Der V60 ist eben kein reines Renngerät, sondern eine sehr gut motorisierte Ökopackung. Soll die elektrische Energie (die erfreulicherwise nicht nur an der Ladestation, sondern auch an der normalen Haushaltssteckdose nachgefüllt werden kann) für einen späteren Einsatz aufbewahrt werden, lässt sich dies ebenso einprogrammieren, wie etwaiges Nachladen während der Fahrt. In dem Fall liefert der Turbo-Benziner sowohl Antriebsenergie, wie auch Ladestrom. Das allerdings treibt den Verbrauch. Zügig bewegt, schluckt der Verbrenner gerne auch mal deutlich über zehn Liter.

Ob der Volvo wirklich dazu beiträgt, das Klima zu retten, darf man bezweifeln. Der V60 glänzt zwar im Testzyklus mit 48 Gramm Ausstoß (WLTP: 61 Gramm), allerdings muss man zwischen 15 und 20 Kilowattstunden Strom je hundert Kilometer veranschlagen, was je Kilometer die Umwelt zusätzlich mit mindestens 70 Gramm Treibhausgas je Kilometer belastet. Im reinen Benzinbetrieb genehmigte er sich unter „normalem“ Fahren 9,2 Liter Sprit je 100 Kilometer. Unter dem Strich ist dies für einen familien- und reisetauglichen Kombi mit deutlich über 400 Pferdestärken ein sehr respektabler Werte.

Volvo richtet sich mit diesem Fahrzeug an ein zahlungskräftiges Klientel: Ein Basispreis von knapp unter der 70.000er-Marke ist happig. Im Gegenzug berappt der Besitzer nur 30 Euro Steuern im Jahr. Die Käuferschaft sollte Freude am Sparen haben – der Umwelt zuliebe. Der V60 Polestar vereint Umweltverträglichkeit mit hoher Leistung. Sparen ohne Verzicht ist seine Stärke. Damit liegt er voll im Trend, denn schließlich will jeder die Umwelt retten, ohne aber auf den liebgewonnenen Komfort zu verzichten. Der V60 ist eines der ausgereiftesten Hybridfahrzeuge unter der Sonne – ob es so viel sein muss, sei dahingestellt. In jedem Fall bleibt auch der stärkste V60 eine politisch korrekte Erscheinung – seit jeher eine von der sicherheitsbedachten Kundschaft geschätzte Eigenschaft.


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