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Vietnam: Ostsee unter Palmen
Lifestyle 5 Min. 16.08.2019

Vietnam: Ostsee unter Palmen

Türkisblaues Wasser und ein großer Strand laden in Lang Co zum Entspannen ein.

Vietnam: Ostsee unter Palmen

Türkisblaues Wasser und ein großer Strand laden in Lang Co zum Entspannen ein.
Foto: Carsten Heinke
Lifestyle 5 Min. 16.08.2019

Vietnam: Ostsee unter Palmen

In Zentralvietnam lassen sich Badefreuden und Kultur hervorragend miteinander verbinden. Ein Erfahrungsbericht.

von Carsten Heinke 

Der Fischer und seine Frau leben an der Ostsee. Er fährt jeden Tag aufs Meer. Sie kümmert sich um Kind und Kegel, träumt von einem schönen, großen Haus. Der Anfang der Geschichte klingt wie das bekannte Märchen aus der Feder von Philipp Otto Runge. Doch der Fischer, um den es hier geht, spricht statt Plattdeutsch Vietnamesisch, heißt Kuong und seine Frau nicht Ilsebill, sondern Gal. Als er erfährt, dass es auch in Europa eine Ostsee gibt, lacht er und sagt: „Dort sind die Boote sicher größer.“ Als die Gäste sehen, womit er zum Fischen fährt, müssen sie seine Vermutung bestätigen.

Kurz darauf sitzen die Reisenden in beziehungsweise auf einer großen runden Schüssel. Die Beine innen, der Rest des Körpers wird auf dem Rand der schwimmenden Halbkugel balanciert. Paddelnd bewegt Kuong die geflochtene und geteerte Halbkugel über die recht sanften Wellen. Das Meer, das die meisten Karten als „Südchinesisch“ bezeichnen, nennen die Vietnamesen „Bien Dông“ – Ostsee.

„Noch vor wenigen Jahren gab es hier nur Fischer und Reisbauern, unser Dorf Canh Duong mit bescheidenen Hütten und Booten, dahinter die Felder“, erzählt der 53-jährige Kuong. Dass bereits für einige seiner Nachbarn – fast wie im Märchen – der Wunsch nach einem schöneren Haus in Erfüllung gegangen ist, liegt an ihren Jobs: Sie arbeiten in einem der beiden neuen Luxushotels an der Lang-Cô-Lagune.

Sehenswert sind auch die Kaisergräber in Hué.
Sehenswert sind auch die Kaisergräber in Hué.
Foto: Carsten Heinke

Doch nicht nur der örtliche Arbeitsmarkt hat sich verändert. Mit vielfältigen Projekten engagieren sich die Resorts für die Menschen in der Region, die große Hoffnungen in den Tourismus setzen. „Wir stellen Schulen Anlagen zur Trinkwasserversorgung bereit und helfen, die Kinder zu Hygiene und verantwortungsvollem Umgang mit Energie und Umwelt zu erziehen“, berichtet Khiet Le, Manager für Marketing und Kommunikation. Außerdem habe man ein Programm zum Schutz der seltenen Scharnierschildkröten ins Leben gerufen und lädt jährlich im April Sportler aus aller Welt zu einem Triathlon ein.

Tempelbrücken und verbotene Paläste

Drei Kilometer lang erstreckt sich der goldgelbe Sandstrand an der vietnamesischen Ostseeküste. Per Boot kann man sich zwischen den beiden Hotels auf einem künstlichen Wasserkanal bewegen. Umrahmt wird die Urlaubstraumidylle durch die von tropischen Urwäldern bedeckten Berge des Bach-Mã-Nationalparks. Neben der einzigartigen Naturkulisse profitieren die Hotels auch von der Nähe zu drei Unesco-Weltkulturerbestätten.

Die erste davon – die historische Altstadt von Hoi An – steht am nächsten Tag auf dem Ausflugsprogramm. Ihr berühmtestes Bauwerk ist die farbenprächtige Japanische Brücke aus dem 17. Jahrhundert. Mit ihrem hölzernen Aufbau und dem geschwungenen, prunkvollen Ziegeldach erinnert sie nicht nur an eine Pagode, sie beherbergt tatsächlich eine.

Die umliegenden Gassen, die sich mit den Chinesischen Versammlungshallen und ihren Tempeln, dem Tan-Ky-Handelshaus und vielen weiteren alten Gebäuden um den Thu-Bon-Fluss und seine bunte Drachenbrücke schmiegen, liefern im Licht der späten Nachmittagssonne zahllose Fotomotive. Der gemütliche, entspannte Charakter des charmanten Städtchens überträgt sich schnell auf seine Besucher.

Begegnung in der Altstadt von Hoi An.
Begegnung in der Altstadt von Hoi An.
Foto: Carsten Heinke

Das zweite Weltkulturerbe dieser Region, die Ruinenstadt My Son, liegt nur 50 Kilometer von Hoi An entfernt. Leider reicht die Zeit diesmal nicht für einen Besuch. Doch auch Hué, das nächste Ziel, ist reich an Bauten, die unter dem internationalen Schutz der Unesco stehen.

Die während des Vietnamkrieges durch das „Massaker von Hué“ zu trauriger Berühmtheit gelangte Stadt war von 1802 bis 1945 Kaiserresidenz und Hauptstadt von Vietnam. Mit ihren zahlreichen architektonischen Schätzen gehört die heute rund 300 000 Einwohner zählende Hafenmetropole am Parfümfluss Huong Giang zu den touristischen Highlights einer Vietnamreise.

Gleich an einem idyllischen Park am Fluss, hinter einer sechs Meter hohen und elf Kilometer langen Mauer, liegt die Zitadelle. Das mächtige Fort, das in seiner flachen, quadratischen Form an ein Mausoleum erinnert, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Schutz- und Verteidigungsanlage für die kaiserlichen Wohnstätten errichtet. Mit der gewaltigen Anlage aus Palästen, Tempeln, Toren, Parks und Plätzen wurde nicht nur das Pekinger Vorbild nachempfunden, sondern ebenso benannt: die Verbotene Stadt.


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Pagodenturm und Kaisergräber

Wenige Kilometer flussaufwärts hält der Tourbus an der siebenstöckigen Thien-Mu-Pagode, die auf einem Hügel über dem nördlichen Ufer des Parfümflusses thront. Das 1601 errichtete, turmartige Bauwerk ist das Hauptgebäude einer bewohnten, Besuchern aber offenstehenden Tempelanlage. Ganz in der Nähe befinden sich die drei wichtigsten der zahlreichen Kaisergrabmale. Das ungewöhnlichste ist „Ung Lang“, das Mausoleum des Kaisers Khai Dinh.

Er war der zwölfte Thronfolger der vietnamesischen Nguyen-Dynastie, lebte von 1885 bis 1925 und hatte neben zwei Hauptfrauen vier Nebenfrauen und zehn Konkubinen. Das an einem Berg errichtete Monument, das europäische und asiatische Baustile mischt, erstreckt sich über mehrere hohe, von Drachen und anderen Wächterfiguren gesäumte Treppen und Ebenen bis hinauf zum Palast mit dem Grab des Herrschers.

Der Rückweg zum Hotel führt über den Hai-Van-Pass („Wolkenpass“), der die natürliche Grenze zwischen Nord- und Südvietnam bildet. Von ihrer höchsten Stelle knapp 500 Meter über Null bietet die Panoramastraße einen herrlichen Blick über die Truong-Son-Berge, die Halbinsel Son Trà und die vietnamesische Ostsee.

Unten an der Bucht kommt wahrscheinlich gerade Kuong vom Fischfang zurück und wird – anders als im Märchen – liebevoll von seiner Frau empfangen. Doch statt auf den sprechenden Zauber-Butt hofft der fünffache Vater auf Touristen, die nach Lang Cô kommen und mit seinem Rundboot fahren wollen. Denn mit zwei oder drei Ausflügen am Tag würde Kuong mehr und leichter Geld verdienen als mit zwölf Stunden Fischfang. 


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