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Vegane Mode aus Luxemburg: Nachhaltigkeit mit Stil
Lifestyle 3 4 Min. 22.10.2019

Vegane Mode aus Luxemburg: Nachhaltigkeit mit Stil

Begonnen hat Blanlac mit der Produktion veganer Stilettos, mittlerweile sind auch Schuhe mit flacheren Absätzen und Herrenschuhe dazugekommen.

Vegane Mode aus Luxemburg: Nachhaltigkeit mit Stil

Begonnen hat Blanlac mit der Produktion veganer Stilettos, mittlerweile sind auch Schuhe mit flacheren Absätzen und Herrenschuhe dazugekommen.
Foto: Caroline Martin
Lifestyle 3 4 Min. 22.10.2019

Vegane Mode aus Luxemburg: Nachhaltigkeit mit Stil

Sarah SCHÖTT
Sarah SCHÖTT
Es geht auch ohne Tierprodukte - das weiß auch Lydia Leu-Sarritzu, die Gründerin von Blanlac, der ersten Marke für vegane Schuhe in Luxemburg.

Belladone, Cosmea, Galatella … Alle diese exotischen Blumennamen finden sich zu Hause bei Lydia Leu-Sarritzu. Die 36-Jährige ist aber nicht etwa Floristin. Sie entwirft und vertreibt Schuhe. „Es gibt viele Marken, die Frauennamen für ihre Produkte benutzen. Wir wollten mit unserer Marke Blanlac aus dem Rahmen fallen und haben Namen seltener Blumen verwendet“, erklärt sie. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit: Die Schuhe sind vegan.

Die in Frankreich geborene Italienerin entschied sich durch die Anregungen einer Freundin schon vor einigen Jahren für einen veganen Lebensstil. „Aber dann dachte ich, wieso nicht ein bisschen weitergehen.“ Sie hinterfragte beispielsweise auch ihre Kleidung und fing an, in diesem Bereich nach veganen Alternativen zu suchen. Allerdings fand sie keine passenden Schuhe, weshalb sie sich kurzerhand entschloss, selbst welche anzufertigen. „Es gab viele Schuhe auf dem tierfreien Markt, aber es gab dort auch ein Stilproblem. Man fand ethisch korrekte Sachen, man fand in Europa produzierte Ware, aber nichts, was ein bisschen poetischer war.“

Spezialisierte Unternehmen für alternative Materialien

2016 begann sie mit ihrer Schwester Sophia nach alternativen Materialien zu suchen und besuchte Handwerksbetriebe in Italien. Dort seien auch die Produktionsstätten des Unternehmens. Zum einen, weil die beiden Schwestern von dort stammen und Sophia immer noch dort lebt. Zum andern aber auch, weil es dort viele Firmen gebe, die an innovativen Materialien forschten. „Es gibt Unternehmen, die darauf spezialisiert sind, diese Stoffe zu entwickeln und sie dann auch zu vertreiben. Sie stellen sie bestimmten Marken zur Verfügung, allerdings nicht jedem. Sie wollen genau wissen, was man damit macht, warum und in welchem Rahmen.“

Das, was Lydia für ihre Schuhe benutzt, sogenanntes „Eco Alter Nappa“, ist eine Lederalternative aus Zellulose. Getreidereste, zum Beispiel aus der Mehlherstellung, werden von einem norditalienischen Unternehmen mit textilen Materialien, vor allem mit Baumwolle, gemischt. Heraus kommt ein atmungsaktives, antibakterielles und wasserfestes Material.

2018 schließlich ging es los, die erste Kollektion war online erhältlich. Anfangs war es nur ein kleines Projekt, das Lydia neben dem Beruf gestemmt hat. Das Interesse daran war jedoch so groß, dass sie ihren Job in der Personalabteilung einer Bank Anfang 2019 kündigte, um sich ganz Blanlac zuwenden zu können. Im August stellte sie ihre Kollektion in London vor, in wenigen Wochen auch in Mailand. Ihr Traum wäre es, bei einer Fashion Week in den USA dabei zu sein.

Aber wie genau entstehen die veganen Schuhe? Die Schwestern fertigen Entwürfe an. Dabei kommt es ihnen nicht darauf an, immer mit der Mode zu gehen. „Wir wollen nicht alle drei Monate zehn Paar neue Schuhe herausbringen. Natürlich ist es wichtig, zu konsumieren und sich manchmal einfach etwas Gutes zu tun. Aber man darf nicht übertreiben.“

Ihre Entwürfe besprechen sie mit den Handwerkern in Italien, mit denen sie kooperieren. „Es kommt immer auch darauf an, was mit dem Material möglich ist.“ Anfangs sei es eine Herausforderung gewesen, kleine traditionelle Familienbetriebe in Italien zu finden, die mit alternativen Materialen arbeiten wollten. „Es ist natürlich auch für ihre Unternehmen innovativ“, erklärt Lydia.

Auch andere Schuhe, die nicht aus tierischem Material bestehen, seien zwar prinzipiell vegan – bei Blanlac soll es aber neben dem Tierwohl noch um andere Aspekte gehen.

Spenden an Vereine für Tiere und Umwelt

„Wir wollen etwas produzieren, für das keine Tiere leiden, aber wir wollen auch umweltbewusst sein. Denn nicht alles, was vegan ist, ist auch immer ökologisch.“ Für den Versand habe sie deshalb nach ökologischen Logistikmöglichkeiten gesucht, wie sie beispielsweise DHL anbietet. Die Boxen, in denen die Ware geliefert wird, sind aus recyceltem Papier hergestellt, das aus zertifizierten Wäldern stammt. Außerdem geht ein Prozentsatz der Erlöse aus dem Schuhverkauf an Vereine, die sich für Tiere und Umwelt einsetzen.

Der Bezug zur Natur spiegelt sich daneben auch im Markennamen Blanlac wider. Er entstand in Anlehnung an einen Bergsee am Montblanc, den Lydia aus ihrer Kindheit kennt. „Dort ist man wirklich mitten in den Bergen, in der Natur. Und das ruft in mir viele gute Erinnerungen hervor. Alles, was wir bei Blanlac wollen – Schönheit, Respekt vor der Umwelt, Natur – alles das ist damit verbunden.“

Lydias Kunden sind vor allem junge Frauen aus England und Frankreich. „Es sind Frauen, die sich mit der Umwelt beschäftigen, nicht unbedingt Veganerinnen“, erklärt die Unternehmerin.


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Aber auch ein paar Stars zählen zu den Fans der Marke, darunter die britische Sängerin Kate Nash, Schauspielerin Pamela Anderson und die ehemalige Prinzessin Tessy. Etwa hundert Paar Schuhe wurden bisher verkauft, momentan sind sie nur online erhältlich. Der Preis für ein Paar liegt bei 260 bis 310 Euro, Accessoires wie zum Beispiel Gürtel sind ab etwa 110 Euro erhältlich.

Eine Männerkollektion und weitere Neuheiten in Planung

Dass bisher nur Frauen zum Kundenstamm gehören, liegt letztlich daran, dass es noch keine Herrenkollektion gibt. Aber das wird sich ändern. Und das sind nicht die einzigen Zukunftspläne der Italienerin. Auch eine Taschenproduktion ist geplant, weitere Gürtelmodelle und ein Visitenkartenetui aus einem Leder, das aus Äpfeln produziert wird. Denn Lydia will immer weiter an verschiedenen Materialien arbeiten, um so ökologisch wie möglich zu produzieren.

Sie rät den Menschen, nicht zu verzweifeln, wenn sie etwas von Umweltverantwortung hören. „Es gibt so viele bessere Möglichkeiten, sich etwas Gutes zu tun. Vielleicht weniger kaufen, etwas teurer, aber man weiß, dass der Einfluss auf die Umwelt und die Tiere positiv ist.“ 


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